Erlan­gen-Nürn­berg: Fried­hofs­die­be klau­ten von rund 80 Grä­bern Metall­schmuck – zwei Täter ver­haf­tet

Symbolbild Polizei

Ban­de von Fried­hofdie­ben fest­ge­nom­men – Zeu­gen­auf­ruf

Mit­tel­fran­ken (ots) – In der Don­ners­tag­nacht (10.09.2020) beob­ach­te­ten Zivil­kräf­te der Poli­zei Män­ner bei einem Dieb­stahl auf einem Fried­hof. Ermitt­lun­gen erga­ben Hin­wei­se auf eine Ban­de, die in ganz Mit­tel­fran­ken Metall­schmuck von Grä­bern gestoh­len hat. Gegen zwei Män­ner wur­de ein Haft­be­fehl erlas­sen.

Eine gan­ze Serie von Dieb­stäh­len an Fried­hofs­grä­bern wur­de begin­nend im August bei der mit­tel­frän­ki­schen Poli­zei ange­zeigt. Hier­über wur­de bereits mit den Pres­se­mel­dun­gen 1212 und 1241 berich­tet. Ins­be­son­de­re bra­chen die Tat­ver­däch­ti­gen Grab­scha­len und ande­re Gegen­stän­de aus Kup­fer, Mes­sing oder Bron­ze von den Grä­bern. Die­ser Grab­schmuck war meist fest mit den Boden- oder Grab­plat­ten ver­schraubt oder ver­klebt, so dass die Die­be sie nur mit roher Gewalt und dem Ein­satz von Werk­zeu­gen her­aus­bre­chen konn­ten. Nach der
Tat­durch­füh­rung stell­ten die Män­ner Pflan­zen und Grab­schmuck wie­der auf die Grä­ber, so dass der Dieb­stahl im Vor­bei­ge­hen nicht sofort bemerkt wird.

Die Tat­or­te ver­teil­ten sich dabei auf vie­le unter­schied­li­che Fried­hö­fe. In Schwa­bach und Wen­del­stein wur­den ca. 70 Grä­ber ange­gan­gen, in Erlan­gen ca. 55, in Nürn­berg knapp 24 und in Hil­polt­stein etwa 45 Grä­ber. Auch in Stein schlug die Die­bes­ban­de an zwei Fried­hö­fen ins­ge­samt ca. 55 Mal zu.

Bereits in der Sams­tag­nacht (05.09.2020) mel­de­te kurz vor 01:00 Uhr nachts ein Anwoh­ner ver­däch­ti­ge Per­so­nen auf dem Fried­hof in Erlan­gen-Büchen­bach. Die­se wür­den sich an den Grä­bern zu schaf­fen machen. Vor dem Ein­tref­fen der ersten Poli­zei­strei­fe waren die Ver­däch­ti­gen bereits geflüch­tet. Die Beam­ten stell­ten abmon­tier­ten Grab­schmuck aus Metall fest, der zur Abho­lung bereit­ge­legt wor­den
war. In der Nähe des Tat­or­tes kon­trol­lier­te die Poli­zei zwei ver­däch­ti­ge Män­ner in einem Fahr­zeug. Da die­sen eine Betei­li­gung am Dieb­stahl nicht nach­ge­wie­sen wer­den konn­te, muss­ten sie anschlie­ßend wie­der ent­las­sen wer­den.

In der Nacht des 10.09.2020 fie­len gegen 01:15 Uhr zivi­len Poli­zei­be­am­ten auf dem Fried­hof der Nürn­ber­ger Peters­kir­che Män­ner auf. Die­se kratz­ten offen­sicht­lich Buch­sta­ben von den Grab­plat­ten. Anschlie­ßend ver­lu­den sie Gegen­stän­de in ihr Fahr­zeug. Als der Wagen kurz dar­auf durch eine uni­for­mier­te Strei­fe kon­trol­liert wur­de, fan­den die Poli­zei­be­am­ten Tat­werk­zeu­ge im Kof­fer­raum. Es stell­te sich her­aus: der 35-jäh­ri­ge Fah­rer war einer der bei­den Ver­däch­ti­gen aus Erlan­gen.

Eine gleich­zei­tig durch­ge­führ­te Absu­che des Fried­hofs durch Poli­zei­be­am­te brach­te die Gewiss­heit: an zahl­rei­chen Grä­bern waren Kup­fer­scha­len abge­bro­chen wor­den. Die Tat­beu­te von ca. 30 Kup­fer­scha­len hat­ten die Tat­ver­däch­ti­gen für eine spä­te­re Abho­lung am Fried­hof bereit­ge­legt. Die zustän­di­ge Staats­an­walt­schaft Nürn­berg-Fürth stell­te nach der Fest­nah­me einen Haft­an­trag
gegen bei­de mut­maß­li­chen Die­be. Der Ermitt­lungs­rich­ter erließ dar­auf­hin einen Haft­be­fehl gegen die Män­ner.

Durch die vor­he­ri­gen Pres­se­mel­dun­gen des Poli­zei­prä­si­di­ums Mit­tel­fran­ken wur­de auch ein Schrott­händ­ler aus der Ober­pfalz auf die Serie auf­merk­sam. Ihm hat­te die Ban­de eine Viel­zahl der Metall­ge­gen­stän­de als Kilo­wa­re ver­kauft. Eine Über­prü­fung durch die zustän­di­ge Poli­zei­in­spek­ti­on in Amberg zeig­te schnell: es han­del­te sich um mut­maß­li­ches Die­bes­gut der Ban­de. Ins­ge­samt 1,3 Ton­nen
Die­bes­gut in Form von Grab­scha­len, Vasen, Grab­lich­ter, Weih­was­ser­ge­fä­ße und ande­rer Bruch­stücke konn­ten sicher­ge­stellt wer­den.

Die Koor­di­nie­rung der wei­te­ren Ermitt­lun­gen hat zwi­schen­zeit­lich die Poli­zei­in­spek­ti­on Schwa­bach über­nom­men. Vor den Beam­ten liegt eine wah­re Sisy­phus­ar­beit: das Die­bes­gut muss gesich­tet, beschrie­ben und den ein­zel­nen Tat­or­ten zuge­ord­net wer­den. Denk­bar ist dabei, dass man­che Dieb­stahls­fäl­le den Grab­be­sit­zern noch gar nicht auf­ge­fal­len sind.

Das Poli­zei­prä­si­di­um Mit­tel­fran­ken bit­tet daher alle Grab­be­sit­zer in den genann­ten Ort­schaf­ten zu prü­fen, ob Metall­scha­len, Orna­men­te oder ande­re Gegen­stän­de von den Grä­bern gestoh­len wur­den. Anzei­gen wegen Dieb­stahls kön­nen bei der jeweils zustän­di­gen Poli­zei­in­spek­ti­on erstat­tet wer­den.

Neben Ermitt­lun­gen wegen Ban­den­dieb­stahls sowie Dieb­stahls mit Waf­fen erwar­tet die Tat­ver­däch­ti­gen auch eine Anzei­ge wegen Stö­rung der Toten­ru­he. Dass die Fried­hö­fe und Grä­ber Orte des emo­tio­na­len Abschieds und der Besin­nung sind, hat­te die Tat­ver­däch­ti­gen nicht von den Dieb­stäh­len abge­hal­ten.