VCD Bam­berg: Neu­ge­stal­tung der Lan­gen Stra­ße erfor­dert ganz­heit­li­ches Denken

Wenn es um die Gestal­tung der Lan­gen Stra­ße geht, hat jeder Bam­ber­ger und jede Bam­ber­ge­rin eine eige­ne Mei­nung. Was fehlt, ist ein Kon­zept, in dem sich alle Inter­es­sens­grup­pen wie­der­fin­den. Das hat der bis­he­ri­ge Stadt­rat über Jahr­zehn­te nicht errei­chen kön­nen, hat sich sogar über das Ergeb­nis des Media­ti­ons­ver­fah­rens „Zukunft Innen­stadt Bam­berg“ 2008 hin­weg­ge­setzt, das in her­vor­ra­gen­der Bür­ger­be­tei­li­gung einen Master­plan gelie­fert hat.

Eine Master­ar­beit hat sich 2018 mit zukünf­ti­gen Nut­zungs­mög­lich­kei­ten der Stra­ße aus­ein­an­der­ge­setzt, den für 2017 ver­spro­che­nen Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan hat der alte Stadt­rat dem neu­en noch ver­erbt. Kein Wun­der, dass in der Dis­kus­si­on haupt­säch­lich Ein­zel­mei­nun­gen oder ein­zel­ne Inter­es­sens­grup­pen Gehör bekom­men. Mit unse­rer Pres­se­mit­tei­lung möch­ten wir ger­ne zur Ver­sach­li­chung der Dis­kus­si­on bei-tra­gen. Die nun bean­trag­te Ände­rung der Lan­gen Straß­ebe­grü­ßen wir, da sie in Ein­klang mit den Zie­len der Stadt für ihre Bevöl­ke­rung steht.

• Der Fuß­ver­kehr bekommt mehr Platz und damit Abstand vom Rad­ver­kehr. Dies wird Sicher­heit und Sicher­heits­ge­fühl ver­bes­sern und damit den Weg durch die Lan­ge Stra­ße attrak­ti­ver machen.

• Dies soll­te für die Gewer­be­trei­ben­den auch ein Vor­teil wer­den, denn zuneh­men­der Fuß­ver­kehr bedeu­tet poten­zi­ell mehr Kund­schaft. Für das Gast­ge­wer­be wer­den mehr Freischank­flä­chen mög­lich, die sie in der aktu­el­len Pan­de­mie­si­tua­ti­on sicher gut und ger­ne bewirt­schaf­ten. Was wie­der­um die Auf­ent­halts­qua­li­tät erhöht und damit die Attrak­ti­vi­tät der Stra­ße. Kommt hier eine posi­ti­ve Spi­ra­le in Gang?

• Rad­fah­ren­de kom­men nun auch schnel­ler und siche­rer durch die Lan­ge Straße,da die Kon­flik­te mit ande­ren Ver­kehrs­ar­ten deut­lich redu­ziert wer­den. Das ver­bes­sert die Erreich­bar­keit der Geschäf­te und Gastro­no­mie und soll­te mit den Rad­fah­ren­den eben­falls für mehr Kund­schaft sor­gen kön­nen. Was nun noch fehlt, ist, die 12 Stell­plät­ze nicht nur auf­zu­he­ben, son­dern die Not­wen­dig­keit für die­se Stell­plät­ze ent­fal­len zu las­sen. Das wird schon dadurch offen­sicht­lich, dass die­se 12 Plät­ze nicht ansatz­wei­se die bean­spruch­ten Bedar­fe decken können:

Kurz­zeit­kun­den in den x Anlie­ger­ge­schäf­ten, Arzt­be­su­che für Per­so­nen mit Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen in meh­re­ren Pra­xen, ambu­lan­te Pfle­ge­dien­ste, Hand­wer­ker, Kurier­dien­ste, Anlie­fe­rung, son­sti­ge Hol-und Bring­dien­ste. Sie alle kön­nen auch heu­te nicht damit rech­nen, direkt vor der Ziel­adres­se einen frei­en Park­platz zu fin­den. Dies führt heu­te zu vie­len Park-und Hal­te­vor­gän­ge­n­au­ßer­halb von zuge­las­se­nen Flä-chen, die die ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer behin­dern und oft auch­gra­vie­rend gefährden.

VCD Bam­berg c/​o Andre­as Irmisch

Die bean­trag­te Umge­stal­tung der Lan­gen Stra­ßeun­ter­stützt fol­gen­de Zie­le der Stadt:

• Master­plan „Zukunft Innen­stadt Bam­berg“ 2008: Lan­ge Stra­ße als ver­kehrs­be­ru­hig­ter Bereich

• Leit­li­ni­en in „Gesamt­städ­ti­sches städ­te­bau­li­ches Ent­wick­lungs­kon­zept“ (Stadt Bam­berg, 2011) legen eine Ent­la­stung der Innen­stadt nahe.

• Ein­stim­mi­ger Stadt­rat­be­schluss 2017 zur Ver­kehrs­mit­tel­wahl 2030 im Ver­gleich zu 2015: ca. 50 % mehr Umwelt­ver­bund (Fuß, Rad, Bus) und ca. 35 % weni­ger KFZ-Verkehr

• Kli­ma­zie­le der Bam­ber­ger Kli­maal­li­anz zur Redu­zie­rung des CO2-Ausstoß

• Erhö­hung der Ver­kehrs­si­cher­heit, u. a. im Beschluss des Rad­ent­scheids 2018

Nach so vie­len Vor­la­gen und auch demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Beschlüs­sen und Zie­len ist erfreu­lich, wenn Stadt­rä­tenun auch mal Taten fol­gen las­sen wol­len. Erfreu­lich ist in Zei­ten knap­per Bud­gets auch, dass die Maß­nah­me kosten­gün­stig und schnell umsetz­bar zu sein scheint, so dass die Vor­tei­le bald sicht­bar und spür­bar wer­den. Dies lässt die Master­ar­beit „Die Lan­ge Stra­ße in Bam­berg: Pro­ble­me des öffent­li­chen Rau­mes lösen mit­tels Shared Space?“ (T. Höl­ler 2018) erwar­ten, die die Eig­nung der Lan­gen Stra­ße als ver­kehrs­be­ru­hig­ter Geschäfts­be­reich attestiert.

Und es gibt ein­fach zu vie­le Erfah­rungs­be­rich­te aus ande­ren Städ­ten, wo nach Ver­kehrs­be­ru­hi­gung z. B. die Umsät­ze der Gewer­be­trei­ben­den mit attrak­ti­ven Ange­bo­ten stie­gen. Die­se Maß­nah­me ersetzt natür­lich nicht den Ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan. Hier erwar­ten wir nun auch von der Stadt­ver­wal­tung, dass die lan­ge ange­kün­dig­te ech­te Betei­li­gung von Bür­ger­schaft und Ver­bän­den zur Maß­nah­men­fin­dung umge­setzt wird, um die Kon­zept­lo­sig­keit end­lich zu been­den. Für eine nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät und Bamberger*innen-freundliche Stadt gibt es noch viel zu tun. Wir wir­ken ger­ne mit! Für Rück­fra­gen ste­hen wir ger­ne zur Verfügung.

Andre­as Irmisch

Vor­sit­zen­der