Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg (FAU): Mit Rhyth­mus gegen den Blues

Symbolbild Bildung

Stu­die erforscht Wirk­sam­keit der TaKe­Ti­Na-Rhyth­mus­the­ra­pie bei Depres­sio­nen – Teil­neh­mer gesucht

Kann die Rhyth­mus- und Musik­the­ra­pie „TaKe­Ti­Na“ die Sym­pto­me von depres­si­ven Pati­en­ten lin­dern und womög­lich sogar das Immun­sy­stem stär­ken? Das erforscht eine neue Stu­die der Psych­ia­tri­schen und Psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Kli­nik (Direk­tor: Prof. Dr. Johan­nes Korn­hu­ber) des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Erlan­gen der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg (FAU). Die Unter­su­chung star­tet im Okto­ber 2020. Erste Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen für Inter­es­sier­te fin­den im Sep­tem­ber 2020 statt.

GaMa­La­Ta­Ki, GaMa­La­Ta – die­se und ande­re Sil­ben­kom­bi­na­tio­nen wer­den im TaKe­Ti­Na zum Rhyth­mus einer Trom­mel gespro­chen und immer wie­der wie­der­holt. Dazu machen die Teil­neh­mer Schrit­te und beto­nen ein­zel­ne Lau­te durch Klat­schen – alles ange­lei­tet von einem Rhyth­mus­the­ra­peu­ten. TaKe­Ti­Na wur­de von dem Kom­po­ni­sten und Musi­ker Rein­hard Fla­tisch­ler begrün­det und wird seit über 20 Jah­ren u. a. im kli­ni­schen Umfeld genutzt und bereits ergän­zend in der Behand­lung von Schmer­zen, Burn-out, Trau­ma­ta und Depres­sio­nen ein­ge­setzt. „Wir wol­len nun wis­sen­schaft­lich erfor­schen, wie hilf­reich TaKe­Ti­Na für Men­schen mit Depres­si­on ist. Das ist das erste For­schungs­pro­jekt die­ser Art über­haupt“, erklärt Stu­di­en­lei­te­rin Dr. Clau­dia von Zim­mer­mann von der Psych­ia­trie des Uni-Kli­ni­kums Erlan­gen.

Depres­si­on im Blut

„TaKe­Ti­Na ver­an­kert das Bewusst­sein im Hier und Jetzt, erklärt Rhyth­mus­päd­ago­ge und Fach­arzt für Inne­re Medi­zin Dr. Ali Behzad von der Medi­zi­ni­schen Kli­nik 5 – Häma­to­lo­gie und Inter­ni­sti­sche Onko­lo­gie (Direk­tor: Prof. Dr. Andre­as Macken­sen) des Uni-Kli­ni­kums Erlan­gen. „Durch das rhyth­mi­sche Spre­chen und Bewe­gen bau­en die Teil­neh­mer eine immer stär­ke­re Ver­bin­dung zu sich und zu ihrer inne­ren Kraft auf. Sie wer­den psy­chisch, emo­tio­nal und kör­per­lich belast­ba­rer. Wie­der­hol­tes Üben über meh­re­re Wochen hat mög­li­cher­wei­se einen nach­hal­ti­gen depres­si­ons­hem­men­den Effekt“, sagt Dr. Behzad. Durch den Wech­sel zwi­schen Sta­bi­li­sie­rung und Desta­bi­li­sie­rung ver­tie­fe sich das Ver­trau­en der Teil­neh­mer in den Rhyth­mus, der immer da ist und sie stützt, und mit der Zeit auch das Ver­trau­en in das Leben, das sie glei­cher­ma­ßen trägt.

Neben dem Ein­fluss auf depres­si­ve Sym­pto­me soll das For­schungs­pro­jekt klä­ren, ob TaKe­Ti­Na auch das Immun­sy­stem beein­flusst und ob sich durch die Musik­the­ra­pie Blut­wer­te ver­än­dern – etwa das LDL-Cho­le­ste­rin, das in Zusam­men­hang mit Depres­sio­nen steht, oder bestimm­te Ent­zün­dungs­wer­te. „Damit wol­len wir dazu bei­tra­gen, die bio­lo­gi­schen, mess­ba­ren Aspek­te von Depres­sio­nen bes­ser zu ver­ste­hen und die Erkran­kung gezielt zu behan­deln“, erklärt Dr. Chri­stia­ne Müh­le, Arbeits­grup­pen­lei­te­rin in der Psych­ia­trie des Uni-Kli­ni­kums Erlan­gen. In einer Pilot­stu­die hat­te Dr. Behzad bereits 2018 den Ein­fluss von TaKe­Ti­Na auf Leuk­ämie­pa­ti­en­ten, die eine Stamm­zell­trans­plan­ta­ti­on erhal­ten hat­ten, unter­sucht. Die Stu­die zeig­te eine ver­bes­ser­te Lebens­qua­li­tät und einen Trend zu weni­ger Absto­ßungs­re­ak­tio­nen bei den TaKe­Ti­Na-Teil­neh­mern.

18- bis 70-jäh­ri­ge Teil­neh­mer gesucht

Der erste Durch­gang der neu­en Depres­si­ons­stu­die beginnt im Okto­ber 2020 – für April und Okto­ber 2021 sind dann zwei wei­te­re Run­den geplant. Die Musik­the­ra­pie in der Grup­pe dau­ert jeweils acht Wochen mit je einem wöchent­li­chen Ter­min. Anmel­den kön­nen sich Men­schen zwi­schen 18 und 70 Jah­ren mit einer dia­gno­sti­zier­ten Depres­si­on. „Jeder Inter­es­sent wird vor­ab in der Hoch­schul­am­bu­lanz der Psych­ia­trie unter­sucht, um sei­ne Eig­nung sicher­zu­stel­len“, erklärt Dr. Clau­dia von Zim­mer­mann. Die Depres­si­vi­tät wird monat­lich mit­hil­fe von Fra­ge­bö­gen ermit­telt; hin­zu kom­men meh­re­re Blut­ab­nah­men.

Für den 9. und den 16. Sep­tem­ber 2020, jeweils mitt­wochs um 17.30 Uhr, sind Infor­ma­ti­ons­aben­de für Stu­di­en­teil­neh­mer am Uni-Kli­ni­kum Erlan­gen geplant. Inter­es­sier­te kön­nen sich per E‑Mail anmel­den: taketina.​ps@​uk-​erlangen.​de.

Über die­se Adres­se kann auch wei­te­res Mate­ri­al ange­for­dert wer­den. Über den Ort der Ver­an­stal­tung wer­den die Teil­neh­mer im Sep­tem­ber per E‑Mail infor­miert. Alle Ver­an­stal­tun­gen fin­den selbst­ver­ständ­lich unter Berück­sich­ti­gung der beson­de­ren Hygie­ne- und Schutz­be­stim­mun­gen auf­grund von COVID-19 statt.

Link zur Stu­die: https://​take​ti​na​.com/​d​e​/​r​h​y​t​h​m​u​s​t​h​e​r​a​p​i​e​-​e​r​l​a​n​g​en/