LBV und BN kla­gen beim Ver­fas­sungs­ge­richts­hof gegen Streu­obst-Ver­ord­nung der Regie­rung

Symbolbild Justiz

Der durch das Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt geplan­te Schutz der Streu­obst­bäu­me wur­de durch Taschen­spie­ler­trick aus­ge­he­belt

Zum 1. August 2019 trat das durch das Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt – „Ret­tet die Bie­nen!“ geän­der­te Baye­ri­sche Natur­schutz­ge­setz in Kraft. Pünkt­lich zum Jah­res­tag haben LBV (Lan­des­bund für Vogel­schutz) und BUND Natur­schutz in Bay­ern (BN) Popu­lar­kla­ge beim Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof gegen die umstrit­te­ne Streu­obst­ver­ord­nung der Staats­re­gie­rung ein­ge­reicht. „Wir kön­nen nicht zulas­sen, dass der Wil­le von über 1,7 Mil­lio­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern für den Schutz der Streu­obst­be­stän­de durch die von der Staats­re­gie­rung erlas­se­ne Ver­ord­nung unter­gra­ben wird. Daher müs­sen wir uns an den Ver­fas­sungs­ge­richts­hof wen­den. Es ist scha­de, dass hier ein Teil des gro­ßen Geset­zes­pa­kets, das ins­ge­samt vie­le gute Rege­lun­gen hat, durch einen Taschen­spie­ler­trick aus­ge­he­belt wird“, so der LBV-Vor­sit­zen­de Dr. Nor­bert Schäf­fer.

„CSU und Freie Wäh­ler haben den Auf­trag der Bür­ger, für den Insek­ten­schutz die arten­rei­chen Streu­obst­wie­sen zu schüt­zen, grob miss­ach­tet. Die Staats­re­gie­rung hat die Ver­ord­nung ohne Not so for­mu­liert, dass nur ein Bruch­teil der für Insek­ten, Vögel und vie­le ande­re Tie­re wich­ti­gen alten Streu­obst­be­stän­de den nöti­gen Schutz erhält. Des­we­gen müs­sen wir dage­gen kla­gen”, betont Richard Merg­ner, Vor­sit­zen­der des BN.

Der Land­tag hat­te ver­gan­ge­nes Jahr im Begleit­ge­setz zum Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt die Staats­re­gie­rung ermäch­tigt, die vom neu­en Natur­schutz­ge­setz unter Schutz gestell­ten Bio­to­pe „näher zu bestim­men“. Dar­un­ter fie­len neben arten- und struk­tur­rei­chem Grün­land auch die Streu­obst­wie­sen. Trotz hef­ti­ger Pro­te­ste der Natur­schutz­ver­bän­de erließ die Staats­re­gie­rung im Febru­ar 2020 eine Ver­ord­nung, in wel­cher der Schutz der Streu­obst­wie­sen im Frei­staat neu defi­niert wur­den. War bis­lang das Kri­te­ri­um für den Schutz hoch­stäm­mi­ger Obst­bäu­me, dass ihre Kro­ne in min­de­stens 1,60 Meter Höhe begin­nen muss­te, erhöh­te die Staats­re­gie­rung die­sen Wert auf 1,80 Meter und das ohne eine fach­li­che Begrün­dung.

Der LBV wies mit Pro­be­kar­tie­run­gen in drei klas­si­schen Streu­obst­ge­bie­ten in den Land­krei­sen Erlan­gen-Höchstadt, Mil­ten­berg und Bam­berg nach, dass kei­ne der 21 dabei kar­tier­ten Streu­obst­wie­sen das neue Schutz­kri­te­ri­um der Staats­re­gie­rung erfüllt. Durch die Ver­ord­nung sehen LBV und BN des­halb die Gefahr, dass bay­ern­weit prak­tisch kei­ne Streu­obst­wie­se den vom Volks­be­geh­ren gefor­der­ten gesetz­li­chen Schutz mehr erhält.

Auch wei­te­re Kri­te­ri­en für die Ein­stu­fung als schüt­zens­wer­tes Bio­top wie die Dich­te und den Stamm­um­fang der Streu­obst­bäu­me änder­te die Staats­re­gie­rung gegen­über der bis­her gül­ti­gen Kar­tie­rungs­an­lei­tung des Baye­ri­schen Lan­des­am­tes für Umwelt. Somit wur­den wei­te­re Aus­schluss­kri­te­ri­en neu hin­zu­ge­fügt, die nun zusätz­lich erfüllt wer­den müs­sen, um als schüt­zens­wert zu gel­ten.

Die Trick­se­rei der Staats­re­gie­rung beim Streu­obst­schutz wird für LBV und BN noch offen­kun­di­ger durch die Tat­sa­che, dass Land­wir­te im Kul­tur­land­schafts­pro­gramm eine För­de­rung zum Erhalt der Streu­obst­bäu­me wei­ter­hin bei einem Kro­nen­an­satz in 1,40 Meter Höhe und bei der För­de­rung durch das Ver­trags­na­tur­schutz­pro­gramm bei einem Kro­nen­an­satz in 1,60 Meter Höhe erhal­ten.

Die bei­den Natur­schutz­ver­bän­de hof­fen, dass der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof erkennt, dass mit der Bio­top­ver­ord­nung der mit dem Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt ange­nom­me­ne Schutz der Streu­obst­wie­sen aus­ge­he­belt wird und des­halb die Ver­ord­nung durch die Rich­ter wie­der auf­ge­ho­ben wird.