Jun­ges Thea­ter Forch­heim: Kul­tur-Re-Start nach Coro­na geglückt

Kul­tur aLi­ve

Rai­ner Streng und Réne Kraus / Foto: JTF

Wolf­gang Buck war eben­falls mit von der Par­tie / Foto: Pri­vat

Drei Tage Kul­tur­start­ver­such in der Kai­ser­pfalz

Hat es sich gelohnt?

Der Innen­hof der Kai­ser­pfalz ist wie gemacht für laue Som­mer­aben­de. Ein wirk­lich schö­nes ein­zig­ar­ti­ges Ambi­en­te, in dem sich lei­se bis mit­tel­lau­te Töne und Klän­ge gera­de­zu per­fekt in die Ohren der geneig­ten Zuhö­rer zir­keln las­sen. Durch das Feh­len der gro­ßen Büh­ne, die im Som­mer nor­ma­ler­wei­se für Zir­kArt und Afri­ka-Kul­tur­ta­ge wich­ti­ges Podi­um ist, kön­nen jetzt in unse­li­gen Coro­na­zei­ten wenig­stens 70 Kar­ten für den schö­nen Hof ver­kauft wer­den. Sehr viel Abstand und Vor­sicht herrscht an allen drei Tagen in der Pfalz stets beim Ver­an­stal­ter Jun­ges Thea­ter und auch den Gästen. Die Regeln und Auf­la­gen die man der Kul­tur ver­passt hat, sind beson­ders streng. Inzwi­schen eine eige­ne bei­na­he gro­tes­ke Sze­ne­rie, wenn man ver­gleicht wie eng es in der Bahn, in der Shop­ping Mall oder im Bier­gar­ten bis­wei­len wie­der zu geht. Die Kul­tur­schaf­fen­den kön­nen es nicht ändern. Auch die loka­le Stadt­spit­ze, die sich an allen Aben­den inter­es­siert und anwe­send gezeigt hat, muss sich an die Wei­sun­gen aus Mün­chen oder Ber­lin hal­ten.

Die Thea­ter­leu­te, allen vor­an der künst­le­ri­sche Lei­ter Lorenz Deutsch, haben sau­ber aus­ge­rech­net, wie die Zuschau­er­zahl und die Sicht­ver­hält­nis­se am besten zu opti­mie­ren sind. Es hat bestens geklappt. Jetzt wis­sen wir was mach­bar ist.

Am Sams­tag war Wolf­gang Buck zu Gast. Mit sei­nem Solo­pro­gramm „iech wär dann do“, das er ‚vor Coro­na’ zum letz­ten Mal vor vier­ein­halb Mona­ten in Ber­lin spiel­te, trat er jetzt in Forch­heim – natür­lich aus­ver­kauft – auf. Er ver­steht es sein Publi­kum im besten Sinn zu unter­hal­ten. Ein Lie­der­ma­cher mit frän­ki­schem Herz und gesun­dem Men­schen­ver­stand. Gebannt und mucks­mäus­chen­still sit­zen die Gäste und lau­schen und hören – nicht nur die so belieb­ten authen­ti­schen frän­ki­schen Hei­mat­klän­ge und die­sen Zun­gen­schlag. Sie hören auch einen tol­len Gitar­ri­sten und ver­sier­ten Lie­der­ma­cher. Das sind eben die fei­nen Zuta­ten, die sich durch wache Ohren und Gehir­ne rezi­piert, zu unver­ges­se­nen Aben­den ver­men­gen. Ein­fach eine Fra­ge der Qua­li­tät!

Der Sonn­tag­nach­mit­tag war nun für den Forch­hei­mer Lite­ra­tur- und Lyrik­pro­fi Rai­ner Streng und sei­nen kon­ge­nia­len Büh­nen­ge­nos­sen René Kraus ali­as „Der Ente“, genau der pas­sen­de Zeit­punkt, um den schier unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten, aber auch den Tücken unse­rer deut­schen Spra­che nach­zu­füh­len. „Ver­rückt, ver­rück­tes Deutsch“ war das Mot­to der Wort- und Ton­attacke, die die bei­den auf das geneig­te Publi­kum ziel­ten. Eine kurz­wei­li­ge Mischung aus gespro­che­nen, gesun­ge­nen, geschriee­nen und auch mit vol­len Kör­per­ein­satz visua­li­sier­ten Sah­ne­stück­chen der deut­schen Lyrik, sorg­ten für Kurz­wei­le und Hei­ter­keit im Pfalz­hof.

Kul­tur aLi­ve, ein biss­chen was geht immer, könn­te das Fazit der drei Tage sein. Die dar­ben­de Kul­tur­sze­ne scharrt mit dem Hufen und wird wei­te­re Aben­de und Ver­an­stal­tun­gen wie die­se brau­chen. Die sorg­fäl­tig gekleb­ten Abstands­li­ni­en auf dem Kopf­stein­pfla­ster des Innen­ho­fes haben die Ehren­amt­li­chen vom Jun­gen Thea­ter hoff­nungs­froh kle­ben las­sen. Viel­leicht kann oder muss man sie ja noch mal nut­zen.