Mahn­mal für die Bam­ber­ger Opfer der Hexen­ver­fol­gun­gen und Hexen­pro­zes­se vor­über­ge­hend an neu­em Ort auf­ge­baut

Brand­mal am Schön­leins­platz

Stadtarchivleiter Horst Gehringer, Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar, Andreas Klute und sein Mitarbeiter Josef Kreilkamp die die technische Ausführung der Aufstellung inne hatten, Baureferent Thomas Beese, der Vorsitzende des Bürgervereins Mitte Reiner Dietz und Reinhold Zenk vom EBB.

Stadt­ar­chiv­lei­ter Horst Gehrin­ger, Kul­tur­re­fe­ren­tin Ulri­ke Sie­ben­haar, Andre­as Klu­te und sein Mit­ar­bei­ter Josef Kreil­kamp die die tech­ni­sche Aus­füh­rung der Auf­stel­lung inne hat­ten, Bau­re­fe­rent Tho­mas Bee­se, der Vor­sit­zen­de des Bür­ger­ver­eins Mit­te Rei­ner Dietz und Rein­hold Zenk vom EBB.

Auf­grund der Bau­ar­bei­ten an Schloss Gey­ers­wörth wur­de das Hexen-Mahn­mal von sei­nem Auf­stel­lungs­ort ent­fernt, um poten­ti­el­le, durch die Bau­ar­bei­ten beding­te Beschä­di­gun­gen zu ver­mei­den. Ab dem 10. März wur­de auf dem Schön­leins­platz eine Flä­che gegen­über dem Haupt­ein­gang der Spar­kas­se vor­be­rei­tet, um dort vor­über­ge­hend einen zen­tral gele­ge­nen Auf­stel­lungs­ort für das Mahn­mal zu erhal­ten. Ein erster Ver­such, das „Brand­mal“ dort auf­zu­stel­len, wur­de pan­de­mie­be­dingt kurz­fri­stig abge­sagt. „Ich freue mich sehr, dass das Mahn­mal aus sei­nem Ein­la­ge­rungs­ort wie­der der Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht wer­den kann,“ freu­te sich Kul­tur­re­fe­ren­tin Ulri­ke Sie­ben­haar.

Das Hoch­stift Bam­berg war zu Beginn des 17. Jahr­hun­derts ein Zen­trum der „Hexen­ver­fol­gung“ im Hei­li­gen Römi­schen Reich deut­scher Nati­on. Über 1.000 Män­ner, Frau­en und Kin­der ohne Rück­sicht auf Alters­grup­pen oder sozia­le Her­kunft fie­len die­sem Hexen­wahn zum Opfer, wur­den gefol­tert und umge­bracht. Histo­risch wur­de die­ses dunk­le Kapi­tel der Bam­ber­ger Geschich­te mehr­fach auf­ge­ar­bei­tet. Die Gescheh­nis­se der dama­li­gen Zeit sind in Bam­berg unge­wöhn­lich gut doku­men­tiert. In der Staats­bi­blio­thek befin­det sich eine ein­zig­ar­ti­ge Samm­lung von Hexen­pro­zess­ak­ten, Ver­hör­pro­to­kol­len und Doku­men­ten die einen ein­drück­li­chen Beweis lie­fert. Trau­ri­ge Berühmt­heit erlang­te der Juni­us-Brief, jener Abschieds­brief, den der Bam­ber­ger Bür­ger­mei­ster Johan­nes Juni­us 1628 im Hexen­ge­fäng­nis kurz vor sei­ner Hin­rich­tung ver­fass­te. Die vier eng beschrie­be­nen Sei­ten sind erschüt­tern­des Zeug­nis eines Men­schen, der in einer aus­weg­lo­sen Situa­ti­on einen letz­ten Gruß an sei­ne Toch­ter for­mu­lier­te. In der Schrif­ten­rei­he des Stadt­ar­chivs liegt eine wis­sen­schaft­li­che Bear­bei­tung die­ses Brie­fes vor. Fer­ner nahm sich ein Sam­mel­band mit grund­le­gen­den Bei­trä­gen nam­haf­ter Exper­ten unter dem Titel „Hexen­pro­zes­se und Hexen­ver­fol­gung“ im Hoch­stift Bam­berg (hrsg. Stadt Bam­berg; Ulri­ke Sie­ben­haar) die­ses The­mas an.

Eben­falls in der Staats­bi­blio­thek wird eine Radie­rung auf­be­wahrt, die das Bam­ber­ger Male­fiz­haus zeigt. Im Jahr 1627 ließ Fürst­bi­schof Johann Georg Fuchs von Dorn­heim auf dem frü­he­ren Schieß­platz (heu­te Ecke Franz-Lud­wig-Stra­ße/­Pro­me­na­de) die­ses mas­si­ve Stein­ge­bäu­de erbau­en. Das Aus­se­hen und Grund­riss des Hau­ses, in dem Beschul­dig­te gefan­gen gehal­ten wur­den, sind in der zeit­ge­nös­si­schen Abbil­dung fest­ge­hal­ten.

Einer brei­ten Öffent­lich­keit bekannt wur­de das The­ma durch den spä­ter in Bam­berg ver­film­ten Best­sel­ler-Roman von Sabi­ne Wei­gand. Der Bam­ber­ger Ralph Kloos hol­te das The­ma 2006 end­gül­tig aus der Schub­la­de. In der Fol­ge ver­an­stal­te­te die Stadt Bam­berg zusam­men mit der Staats­bi­blio­thek die Hexen­the­men­wo­chen und schrieb einen euro­pa­wei­ten Künst­ler­wett­be­werb aus. Das Esse­ner Künst­ler­paar Miri­am Gieß­ler und Hubert Sand­mann schuf dafür ein Denk­mal, das als Brand­mal ein­drucks­voll in Form einer Licht­in­stal­la­ti­on an die­se Gescheh­nis­se erin­nert und nun bis zum Abschluss der Reno­vie­rungs­ar­bei­ten am Schloss Gey­ers­wörth auf dem Schön­leins­platz pro­vi­so­risch zu sehen ist.

Initi­iert und finan­ziert wur­de das Mahn­mal vom Bür­ger­ver­ein Bam­berg-Mit­te, maß­geb­lich unter­stützt von der Ober­fran­ken­stif­tung, dem Erz­bis­tum Bam­berg, der Spar­kas­sen­stif­tung, dem Lions Club Bam­berg-Michels­berg und wei­te­ren Spen­dern.