Kli­ma­fol­gen­for­schung auf der Buchen-Ver­suchs­flä­che Fabrikschleichach

Eine der welt­weit älte­sten forst­li­chen Ver­suchs­flä­chen, die ABC-Grad-Flä­chen in der Abtei­lung Kapel­le in der Nähe von Fabrik­schleich­ach wur­den Schau­platz einer gene­ti­schen Unter­su­chung im Zuge der Klimaforschung.

Mitarbeiter des Instituts für Waldwachstumskunde der TU München unter Leitung von Martin Nickel – in der Mitte des Bildes- , unterstützt von Ausbilder Frank Binder und Azubi Max Zech – beide Forstbetrieb Ebrach, im Bild links – zerlegen einen Buchenstamm in der Versuchsfläche Kapelle bei Fabrikschleichach. Es wird untersucht, inwieweit sich Buchen genetisch an veränderte Umweltbedingungen anpassen können.

Mit­ar­bei­ter des Insti­tuts für Wald­wachs­tums­kun­de der TU Mün­chen unter Lei­tung von Mar­tin Nickel – in der Mit­te des Bil­des- , unter­stützt von Aus­bil­der Frank Bin­der und Azu­bi Max Zech – bei­de Forst­be­trieb Ebrach, im Bild links – zer­le­gen einen Buchen­stamm in der Ver­suchs­flä­che Kapel­le bei Fabrik­schleich­ach. Es wird unter­sucht, inwie­weit sich Buchen gene­tisch an ver­än­der­te Umwelt­be­din­gun­gen anpas­sen können.

Um fest­zu­stel­len, ob sich Bäu­me im Lau­fe der Jahr­hun­der­te gene­tisch ver­än­dern und sich damit mög­li­cher­wei­se an ver­än­der­te Umwelt­be­din­gun­gen anpas­sen kön­nen, wer­den drei alte Buchen gefällt. Die Fäl­lung wur­de vom Lehr­stuhl für Wald­wachs­tum der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen unter Lei­tung der Pro­fes­so­ren Dr. Hans Pretzsch und Dr. Frank Johan­nes veranlasst.

Die Ent­schei­dung über die Bäu­me, die unter­sucht wer­den, hat der wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter Mar­tin Nickel getrof­fen. „Wir suchen vita­le Bäu­me mit einer gut aus­ge­bil­de­ten Kro­ne, damit wir sowohl vom Stammin­ne­ren wie auch von den jun­gen Trie­ben und grü­nen Blät­tern gene­ti­sches Mate­ri­al gewin­nen kön­nen“, erläu­tert der Wissenschaftler.

Die fach­tech­ni­sche Unter­stüt­zung beim Fäl­len und Zer­le­gen der Bäu­me hat der Aus­bil­dungs­be­auf­trag­ten des Forst­be­triebs Ebrach Frank Bin­der zusam­men mit Aus­zu­bil­den­dem Max Zech übernommen.

Bäu­me kön­ne nicht weglaufen

In einer Pres­se­mit­tei­lung der TU wird die Maß­nah­me näher erklärt: „Bäu­me gehö­ren zu den wich­tig­sten Pflan­zen der Erde. Ihre öko­lo­gi­sche Anpas­sungs­fä­hig­keit ist ein noch weit­ge­hend unbe­kann­ter Para­me­ter in vie­len Model­len des Kli­ma­wan­dels. Das Pro­blem: Bäu­me kön­nen nicht weg­lau­fen, wenn sich die Umwelt­be­din­gun­gen ver­än­dern. Als lang­le­bi­ge, fest­ge­wach­se­ne Orga­nis­men sind sie ober- und unter­ir­di­sche Umwelt­ver­än­de­run­gen voll aus­ge­lie­fert. Es stellt sich des­halb die Fra­ge, ob sie mit gene­ti­schen und epi­ge­ne­ti­schen Ver­än­de­run­gen auf den Wan­del in ihrer Umwelt reagie­ren kön­nen. Erste Hin­wei­se dafür gibt es aus nord­ame­ri­ka­ni­schen Unter­su­chun­gen an Sit­ka­fich­ten. Um die Zusam­men­hän­ge bes­ser zu ver­ste­hen nutzt das Pro­jekt der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen Jahr­ring­ana­ly­sen und mole­ku­la­re Mes­sun­gen an Buchen­stäm­men, ‑ästen und –blät­tern. Die Baum­be­stand­tei­le wer­den auf ent­wick­lungs­be­zo­ge­ne, mole­ku­la­re Ver­än­de­run­gen hin unter­sucht und mit histo­ri­schen Kli­ma­da­ten in Ver­bin­dung gebracht.“

Die Buchen auf der Ver­suchs­flä­che im Stei­ger­wald sind in die­ser Hin­sicht ein­zig­ar­tig auf der Welt, da sowohl ihr Wachs­tum wie die loka­len Kli­ma­be­din­gun­gen seit über 150 Jah­ren genaue­stens auf­ge­zeich­net wur­den. „Die Erkennt­nis­se aus der Stu­die die­nen nicht nur der Grund­la­gen­for­schung, son­dern kön­nen auch im prak­ti­scher Forst­ma­nage­ment Anwen­dung fin­den“, stellt Ulrich Merg­ner, der Ebra­cher Forst­be­triebs­lei­ter fest. Für die Fra­ge, wie auf den Kli­ma­wan­del reagiert wer­den muss, sei es für die Forst­leu­te wich­tig zu wis­sen, ob Buchen den Kli­ma­än­de­run­gen hilf­los aus­ge­lie­fert sind oder sich zu einem gewis­sen Maße an Umwelt­ver­än­de­run­gen anpas­sen kön­nen, meint Mergner.

ABC-Grad: Welt­weit älte­ster Buchenversuch

Die ABC-Grad-Ver­suchs­flä­che in der Abtei­lung Kapel­le wur­de 1870 durch die könig­lich forst­li­che For­schungs- und Ver­suchs­an­stalt ein­ge­rich­tet. Es soll­te in den damals knapp 50-jäh­ri­gen Buchen-Eiche-Bestän­den unter­sucht wer­den, wie sich unter­schied­li­che Durch­for­stungs­in­ten­si­tä­ten lang­fri­stig auf das Wachs­tum der Bäu­me aus­wir­ken. Dabei han­del­te es sich beim A‑Grad um eine sehr schwa­che, beim, C‑Grad um eine sehr star­ke Durch­for­stung. Der B‑Grad lag dazwi­schen. Ins­ge­samt wur­den in Bay­ern 16 der­ar­ti­ge Ver­suchs­flä­chen ange­legt. Davon sind ledig­lich drei übrig geblieben.

Stand bei Ver­suchs­an­la­ge die Fra­ge einer maxi­ma­len Holz­erzeu­gung im Vor­der­grund, so geben die Wald­or­te heu­te auch Auf­schluss über die Ent­ste­hung von Habi­tat­struk­tu­ren bei unter­schied­li­chen Bewirt­schaf­tungs­in­ten­si­tä­ten und kön­nen aktu­ell für Fra­gen einer gene­ti­schen Anpas­sung von Bäu­men genutzt werden.