Bam­berg: Aus­län­di­sche Mit­ar­bei­ten­de lang­fri­stig bin­den Wie Unter­neh­men Migran­tin­nen und Migran­ten inte­grie­ren – Zwi­schen­er­geb­nis­se einer Stu­die der Uni­ver­si­tät Bamberg

Aus wel­chen Grün­den arbei­ten Migran­tin­nen und Migran­ten lang­fri­stig für Orga­ni­sa­tio­nen und Unter­neh­men? Das erforscht Sozi­al- und Orga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­lo­gin Anh Nguy­en an der Uni­ver­si­tät Bam­berg im Rah­men des inter­na­tio­na­len For­schungs­pro­jekts „GLO­MO – Glo­bal mobi­li­ty of employees”. GLO­MO besteht aus ihrer und 14 wei­te­ren Teil­stu­di­en. „Neben der umfang­rei­chen Grund­la­gen­for­schung ist eines der prak­ti­schen Zie­le von GLO­MO, ein Audit bezie­hungs­wei­se Sie­gel zu ent­wickeln, das Orga­ni­sa­tio­nen hono­riert, die sehr gute Arbeits­be­din­gun­gen für inter­na­tio­na­le Mit­ar­bei­ten­de bie­ten”, erklärt GLO­MO-Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin Prof. Dr. Mai­ke And­re­sen von der Uni­ver­si­tät Bam­berg. Für das Audit erstellt das For­schungs­team einen Kri­te­ri­en­ka­ta­log, an dem Anh Nguy­en mit­ar­bei­tet. Jetzt lie­gen erste Zwi­schen­er­geb­nis­se ihres Teil­pro­jekts vor, wor­aus sie Emp­feh­lun­gen für lang­fri­sti­ge, inter­na­tio­na­le Arbeits­ver­hält­nis­se ableitet.

Orga­ni­sa­tio­nen soll­ten bei der Inte­gra­ti­on helfen

Anh Nguy­en hat 55 Stu­di­en über Migra­ti­on syste­ma­tisch gesich­tet und bewer­tet. Um aus­län­di­sche Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter lang­fri­stig zu bin­den und von ihrer Lei­stungs­fä­hig­keit pro­fi­tie­ren zu kön­nen, soll­ten Orga­ni­sa­tio­nen nicht nur das beruf­li­che, son­dern auch das pri­va­te Umfeld berück­sich­ti­gen. Aus ihren Ana­ly­sen schluss­fol­gert sie: „Je woh­ler sich ein­ge­wan­der­te Mit­ar­bei­ten­de im Gast­land füh­len, desto mehr pro­fi­tie­ren Unter­neh­men: Die Mit­ar­bei­ten­den erbrin­gen bes­se­re und dar­über hin­aus frei­wil­li­ge, kon­struk­ti­ve Lei­stun­gen.” Um das zu errei­chen, soll­ten Orga­ni­sa­tio­nen die­se dabei unter­stüt­zen, sich im Gast­land ein­zu­le­ben. Sie kön­nen Sprach­kur­se anbie­ten oder auch einen News­let­ter ver­schicken, in dem sie wich­ti­ge sozia­le und kul­tu­rel­le Ereig­nis­se in der Gegend vor­stel­len. „Bei sol­chen Ver­an­stal­tun­gen haben Mit­ar­bei­ten­de die Mög­lich­keit, mit Ein­hei­mi­schen zu spre­chen, um die loka­le Kul­tur und die gesell­schaft­li­chen Nor­men bes­ser zu ver­ste­hen”, erläu­tert Anh Nguyen.

Neben dem betrieb­li­chen und pri­va­ten Umfeld spielt die Fami­lie eine Schlüs­sel­rol­le für Bin­dung und Lei­stungs­fä­hig­keit: „Migran­tin­nen und Migran­ten ler­nen zum Bei­spiel durch ihre Kin­der ein­hei­mi­sche Eltern ken­nen. Auch Part­ner hel­fen sich gegen­sei­tig, ihren Freun­des- und Bekann­ten­kreis zu erwei­tern. Hier ent­ste­hen nicht nur wich­ti­ge sozia­le Netz­wer­ke, son­dern Fami­lie und Bekann­te sind gleich­zei­tig wich­ti­ge Res­sour­cen, die Stress redu­zie­ren hel­fen.” Anh Nguy­en emp­fiehlt Orga­ni­sa­tio­nen daher, in Zusam­men­ar­beit mit Ein­wan­de­rungs­be­hör­den Fami­li­en­mit­glie­der zusam­men­zu­füh­ren. Eben­so wich­tig sei es, Kon­tak­te zu Arbeits­agen­tu­ren und beruf­li­chen Netz­wer­ken pfle­gen, um die Part­ner ihrer Mit­ar­bei­ten­den bei der Arbeits­su­che zu unter­stüt­zen. „Mög­lich ist auch, dass Unter­neh­men bei der Woh­nungs­su­che oder im Gesund­heits- und Bil­dungs­we­sen ihre Unter­stüt­zung anbie­ten”, rät die Doktorandin.

„Wich­tig ist, die eige­ne Kom­fort­zo­ne zu verlassen”

Was kön­nen Ein­wan­de­rer selbst tun, um sich in der neu­en Umge­bung ein­zu­ge­wöh­nen? „Wich­tig ist, die eige­ne Kom­fort­zo­ne zu ver­las­sen, um Land, Kul­tur und Men­schen bes­ser ken­nen­zu­ler­nen”, so Anh Nguy­en. „Unbe­kann­te Regeln und Ver­hal­tens­wei­sen kön­nen erst­mal einen Kul­tur­schock her­vor­ru­fen. Man soll­te ler­nen, unge­wohn­te Erleb­nis­se posi­tiv zu sehen. Nur so ent­wickelt man kul­tu­rel­le Intel­li­genz.” Zum Bei­spiel sei sie es als gebür­ti­ge Viet­na­me­sin gewöhnt, auf sub­ti­le Wei­se mit ande­ren Men­schen zu spre­chen. Sie habe aber gelernt, direk­ter zu kom­mu­ni­zie­ren, als sie Per­so­nal­ma­na­ge­rin in den Nie­der­lan­den war. Die­se Fähig­keit hel­fe ihr nun auch in Deutschland.

Als näch­stes führt Anh Nguy­en eine Umfra­ge unter Per­so­nal­ma­na­gern, Vor­ge­setz­ten und aus­län­di­schen Mit­ar­bei­ten­den in Euro­pa durch: Sie möch­te mit eige­nen Erhe­bun­gen nach­wei­sen, wel­che Vor­aus­set­zun­gen nötig sind, um Migran­tin­nen und Migran­ten an Unter­neh­men zu bin­den. Die Daten erhebt sie bis Ende 2020, im kom­men­den Jahr wer­tet sie die­se aus.

Das gesam­te Pro­jekt GLO­MO läuft von Janu­ar 2018 bis Dezem­ber 2021. In dem inter­dis­zi­pli­nä­ren For­schungs­pro­jekt erforscht die Uni­ver­si­tät Bam­berg mit acht euro­päi­schen Part­ner­uni­ver­si­tä­ten und ‑orga­ni­sa­tio­nen die Arbeit­neh­mer­mo­bi­li­tät. Neben Anh Nguy­en gibt es an der Uni­ver­si­tät Bam­berg momen­tan noch eine wei­te­re Dok­to­ran­din im Pro­jekt GLO­MO. Es wird von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on mit 3,9 Mil­lio­nen Euro im För­der­pro­gramm „Hori­zont 2020” unterstützt.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu GLO­MO unter:

www​.uni​-bam​berg​.de/​n​e​w​s​/​a​r​t​i​k​e​l​/​g​l​o​m​o​-​d​o​k​t​o​r​a​n​d​e​n​s​t​e​l​l​e​n​-​2​018
https://​glo​mo​.eu/

Mai­ke And­re­sen und Anh Nguy­en arbei­ten im For­schungs­schwer­punkt „Empi­ri­sche Sozi­al­for­schung zu Bil­dung und Arbeit” der Uni­ver­si­tät Bam­berg. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und aktu­el­le Mel­dun­gen zum Schwer­punkt fin­den Sie unter www​.uni​-bam​berg​.de/​f​o​r​s​c​h​u​n​g​/​p​r​o​f​i​l​/​b​i​l​d​u​n​g​-​u​n​d​-​a​r​b​eit