Erneu­ter Anstieg der Über­grif­fe auf ober­frän­ki­sche Poli­zi­sten 

OBER­FRAN­KEN. Gewalt gegen Poli­zi­stin­nen und Poli­zi­sten nimmt zu. Das Poli­zei­prä­si­di­um Ober­fran­ken regi­strier­te für das Jahr 2019 einen leich­ten Anstieg um ein Pro­zent auf 686 Fäl­le, das sind sie­ben mehr als im Jahr zuvor. Die Straf­ta­ten zum Nach­teil von Poli­zi­sten blei­ben damit auf kon­stant hohem Niveau.

Sta­ti­stisch gese­hen kommt es in Ober­fran­ken täg­lich zu fast zwei Über­grif­fen auf Ober­frän­ki­sche Poli­zei­be­am­te. Oft sind ganz all­täg­li­che Ein­sät­ze der Aus­gangs­punkt für Angrif­fe und Belei­di­gun­gen. Die Ein­satz­kräf­te sehen sich bei Sach­ver­halts­auf­klä­run­gen oder Hil­fe­lei­stun­gen nahe­zu täg­lich mit Respekt­lo­sig­keit und Aggres­sio­nen kon­fron­tiert. Alko­hol- und Dro­gen­ein­fluss spiel­ten bei den Tätern erneut eine gro­ße Rol­le.

Ins­ge­samt 163 Poli­zei­be­am­te wur­den bei Aus­ein­an­der­set­zun­gen durch Angrif­fe ver­letzt, zwei von ihnen sogar schwer. Die Fol­ge der Angrif­fe sind ins­ge­samt 391 Dienst­aus­fall­ta­ge im ver­gan­ge­nen Jahr. Erfreu­lich ist hin­ge­gen, dass es im ver­gan­ge­nen Jahr zu kei­nem ver­such­ten oder voll­ende­ten Tötungs­de­likt zum Nach­teil der Poli­zei­be­am­ten kam.

Zehn Jah­re nach Beginn der Erfas­sung des Lage­bil­des ist ein deut­li­cher Trend zu einer stets stei­gen­den Gewalt gegen Ober­frän­ki­sche Poli­zi­sten erkenn­bar.

Zehn-Jah­res-Ent­wick­lung

Seit dem Jahr 2010 wird das Phä­no­men „Gewalt gegen Poli­zei­be­am­te” erfasst und aus­ge­wer­tet. Die Sta­ti­stik bestä­tigt den Ein­druck der Zunah­me von Gewalt­de­lik­ten gegen Poli­zei­be­am­te. So stie­gen die rei­nen Fall­zah­len in die­sem Zeit­raum um 81 Pro­zent. Waren es im Jahr 2010 noch 379 Fäl­le, sind es zehn Jah­re spä­ter 307 Fäl­le mehr. Zudem müs­sen sich Poli­zei­be­am­te auch ver­bal eini­ges gefal­len las­sen. Es gab 150 Pro­zent mehr Belei­di­gun­gen als vor zehn Jah­ren. Im Bereich der gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung, gemeint ist hier bei­spiels­wei­se der Angriff durch meh­re­re Täter oder mit­tels eines gefähr­li­chen Werk­zeugs, ist eine posi­ti­ve Ent­wick­lung zu ver­zeich­nen: hier san­ken die Straf­ta­ten um die Hälf­te und befin­den sich mit zwölf Fäl­len auf dem glei­chen Niveau wie zu Erfas­sungs­be­ginn.

Öffent­li­cher Raum oder Dienst­räu­me

Wie im Vor­jahr fan­den die mei­sten Über­grif­fe (299 Fäl­le) auf Poli­zei­be­am­te im öffent­li­chen Raum statt. Damit domi­niert die­se Tatört­lich­keit das poli­zei­li­che Lage­bild. Dar­auf folgt die Dienst­stel­le als Tat­ort. Hier gab es einen Anstieg der Fäl­le um 44,6 Pro­zent (+ 120 Fäl­le). Zumeist wur­den Poli­zei­be­am­te belei­digt. Aber auch der pri­va­te Raum, wie zum Bei­spiel der Wohn‑, Haus- und Gar­ten­be­reich, spiel­te mit 99 Fäl­len eine Rol­le.

Aus­gangs­punkt: Stan­dard­maß­nah­me

Gering­fü­gi­ge Ein­griffs­maß­nah­men waren, wie im Jahr zuvor, oft­mals Aus­gangs­punkt für Angrif­fe und Über­grif­fe auf Ober­fran­kens Poli­zi­sten. In 295 Fäl­len kam es im Rah­men von Fest­nah­men oder Gewahrs­am­nah­men zu gewalt­tä­ti­gen Angrif­fen und Gegen­wehr. Die Tat­sa­che, dass es in 141 Fäl­len bei Sach­ver­halts­auf­klä­run­gen oder Iden­ti­täts­fest­stell­lun­gen im Rah­men von Poli­zei­ein­sät­zen zu Über­grif­fen kam, zeigt das teils hohe Aggres­si­ons­po­ten­ti­al und die Respekt­lo­sig­keit, mit der Poli­zi­sten bei ihrer Dienst­aus­übung immer wie­der kon­fron­tiert wer­den. In 70 Fäl­len ging den Straf­ta­ten sogar gar kei­ne poli­zei­li­che Maß­nah­me vor­aus.

Waf­fen, Kopf­stö­ße, Trit­te und Bis­se

Glück­li­cher­wei­se kam es im Jahr 2019 zu kei­ner Kon­fron­ta­ti­on der Poli­zi­sten mit schar­fen Schuss­waf­fen. In zwei Fäl­len wur­den Poli­zi­sten mit Schreck­schuss­waf­fen bedroht, in neun Fäl­len waren Angrei­fer mit Hieb- und Stich­waf­fen bewaff­net. In den mei­sten Fäl­len wur­de nach den Beam­ten getre­ten (102 Fäl­le), nach ihnen geschla­gen (96 Fäl­le) oder ein geziel­ter Kopf­stoß (17 Fäl­le) aus­ge­führt. Bemer­kens­wert sind auch 22 regi­strier­te Fäl­le, in denen die Täter ver­such­ten, Poli­zei­be­am­te zu bei­ßen.

Män­ner, Alko­hol und Dro­gen

Beim The­ma Tat­ver­däch­ti­ge spie­gelt das Lage­bild die Erkennt­nis­se des Vor­jah­res wider. Ins­ge­samt gelang es der Poli­zei 543 Tat­ver­däch­ti­ge zu ermit­teln – 476 davon sind Män­ner. Drei Vier­tel der Täter waren alko­ho­li­siert und/​oder stan­den unter Dro­gen. Bei über 80 Pro­zent han­delt es sich um erwach­se­ne Deut­sche. Durch soge­nann­te Reichs­bür­ger wur­den Poli­zi­sten zwei­mal tät­lich ange­grif­fen und in zwei wei­te­ren Fäl­len belei­digt.

Ober­fran­kens Poli­zi­sten bil­den sich wei­ter fort

Auf Grund­la­ge des jähr­li­chen Lage­bil­des „Gewalt gegen Poli­zei­be­am­te” zie­hen Bay­erns Poli­zi­sten für ihr zukünf­ti­ges Ein­schrei­ten die not­wen­di­gen Schlüs­se. Ste­ti­ge Fort­bil­dung und das The­ma Ein­satz­trai­ning wer­den wei­ter­hin groß geschrie­ben und bil­den die Grund­la­ge dafür, dass Ober­fran­kens Poli­zi­sten brenz­li­ge Ein­satz­si­tua­tio­nen glimpf­lich über­ste­hen. Mit der flä­chen­decken­den Ein­füh­rung der Body-Cam im Herbst 2019 füh­ren die Ein­satz­kräf­te ein wei­te­res, dees­ka­lie­ren­des Ein­satz­mit­tel mit sich.

Aus­blick

Die kon­stant hohen Fall­zah­len im Bereich der Gewalt­de­lik­te gegen Poli­zei­be­am­te zei­gen eine bedenk­li­che Ent­wick­lung. Dem geschul­det, wur­de 2019 im Bereich des Poli­zei­prä­si­di­ums Ober­pfalz und der dort zustän­di­gen Staats­an­walt­schaft ein Pilot­pro­jekt instal­liert. Nach dem Mot­to „die Stra­fe folgt auf dem Fuße” wur­de ein Kon­zept zur beschleu­nig­ten Vor­la­ge von Straf­ta­ten zum Nach­teil von Ein­satz­kräf­ten bei den jewei­li­gen Staats­an­walt­schaf­ten erar­bei­tet, das zu die­sem Zwecke auch im Bereich des Poli­zei­prä­si­di­ums Ober­fran­ken ein­ge­führt wur­de.