Nach­hal­ti­ge Kunst­stof­fe: For­scher der Uni­ver­si­tät Bay­reuth an inter­na­tio­na­lem Weiß­buch beteiligt

For­scher der Uni­ver­si­tät Bay­reuth haben feder­füh­rend an einem „White Paper” zu nach­hal­ti­gen Kunst­stof­fen mit­ge­wirkt, das vier Che­mie-Fach­ge­sell­schaf­ten aus Deutsch­land, Groß­bri­tan­ni­en, Chi­na und Japan heu­te unter dem Titel „Sci­ence to enab­le sustainab­le pla­stics” ver­öf­fent­licht haben. Das Weiß­buch ent­hält zahl­rei­che Emp­feh­lun­gen für die künf­ti­ge For­schung zu den Umwelt­fol­gen von Kunst­stof­fen, zur Ent­wick­lung neu­er Kunst­stof­fe sowie zur Recy­cel­bar­keit und zum natür­li­chen Abbau. Mit Nach­druck wird eine inter­dis­zi­pli­nä­re Ver­zah­nung natur‑, tech­nik- und sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher For­schungs- und Ent­wick­lungs­ar­bei­ten gefor­dert, damit glo­ba­le Her­aus­for­de­run­gen im Bereich nach­hal­ti­ge Kunst­stof­fe gemein­sam gelöst wer­den kön­nen.

Der Ver­öf­fent­li­chung des Weiß­buchs ging eine inter­na­tio­na­le Tagung der vier Fach­ge­sell­schaf­ten im Dezem­ber 2019 in Lon­don vor­aus. Sei­tens der Uni­ver­si­tät Bay­reuth haben Prof. Dr. Andre­as Grei­ner (Makro­mo­le­ku­la­re Che­mie) und Prof. Dr. Chri­sti­an Laforsch (Tier­öko­lo­gie) teil­ge­nom­men. Die bei­den Wis­sen­schaft­ler sind Spre­cher des Son­der­for­schungs­be­reichs „Mikro­pla­stik” an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth. In die­sem seit 2018 von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) geför­der­ten Ver­bund arbei­ten Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler aus der Öko­lo­gie und den Umwelt­wis­sen­schaf­ten, der Poly­mer- und Kol­loid­for­schung sowie den Mole­ku­la­ren Bio­wis­sen­schaf­ten eng zusam­men. Gemein­sam wol­len sie ein grund­le­gen­des Ver­ständ­nis der phy­si­ka­li­schen, che­mi­schen und bio­lo­gi­schen Pro­zes­se gewin­nen, die an der Ent­ste­hung von Mikro­pla­stik, der Ver­brei­tung in der Umwelt und den Fol­gen für Pflan­zen, Tie­re und Men­schen betei­ligt sind.

„In unse­rem Son­der­for­schungs­be­reich (SFB) haben wir auf dem Bay­reu­ther Cam­pus die enge inter­dis­zi­pli­nä­re Ver­net­zung bereits eta­bliert, die in dem heu­ti­gen White Paper so ent­schie­den ange­mahnt wird. Sie muss auf der glo­ba­len Ebe­ne in der Tat erst noch rea­li­siert wer­den. Die­se gemein­sa­me Ver­öf­fent­li­chung der vier welt­weit sehr bedeu­ten­den Che­mie-Fach­ge­sell­schaf­ten ist Aus­druck der Erkennt­nis, dass trag­fä­hi­ge Lösun­gen auf dem Gebiet der nach­hal­ti­gen Kunst­stof­fe nur im Dia­log mit der Öffent­lich­keit ent­wickelt wer­den kön­nen. Auch in die­ser Hin­sicht wol­len wir mit unse­rem SFB Vor­rei­ter sein – wie bei der ‚Sci­ence Ral­lye’ im Febru­ar 2020, die wir zusam­men mit dem afri­ka­ni­schen Künst­ler Mbon­ge­ni But­he­le­zi ver­an­stal­tet haben”, sagt Prof. Dr Chri­sti­an Laforsch. Sei­ne For­schungs­ar­bei­ten zur Mikro­pla­stik-Ver­brei­tung in Flüs­sen und Seen, aber auch in Bio-Abfäl­len und auf Acker­flä­chen haben in den letz­ten Jah­ren star­ke inter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit geweckt.

Das Weiß­buch befasst sich ein­ge­hend mit der Ent­wick­lung umwelt­ver­träg­li­cher, recy­cel­ba­rer und abbau­ba­rer Kunst­stof­fe, die im 21. Jahr­hun­dert Teil einer welt­wei­ten Bio­öko­no­mie sein kön­nen und sein soll­ten. Hier liegt ein Schwer­punkt von Prof. Dr. Andre­as Grei­ner, der sich mit sei­nem Bay­reu­ther For­schungs­team mit den Eigen­schaf­ten, Struk­tu­ren und Ver­hal­tens­wei­sen von bio­ab­bau­ba­ren und bio­ba­sie­ren­den Poly­me­ren befasst. „Die­se Poly­me­re sind viel­ver­spre­chen­de Bau­stei­ne für inno­va­ti­ve und nach­hal­ti­ge Kunst­stof­fe, die hohe tech­no­lo­gi­sche und zugleich öko­lo­gi­sche Anfor­de­run­gen erfül­len. Auf unse­rem Cam­pus ver­fü­gen wir über eine exzel­len­te Infra­struk­tur für die Erfor­schung sol­cher Kunst­stof­fe, nicht zuletzt auf­grund unse­res DFG-Son­der­for­schungs­be­reichs ‚Von par­ti­ku­lä­ren Nano­sy­ste­men zur Meso­tech­no­lo­gie’Das White Paper macht deut­lich, wie wich­tig es ist, bei der Ent­wick­lung nach­hal­ti­ger Mate­ria­li­en von vorn­her­ein auch wirt­schaft­li­che und sozia­le Aspek­te ein­zu­be­zie­hen, wie etwa die Her­stel­lungs­ko­sten oder die gleich­zei­ti­ge Bedeu­tung nach­wach­sen­der Roh­stof­fe für die Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on. Auch die­se Fra­gen behal­ten wir in Bay­reuth immer im Blick und wer­den sie kon­ti­nu­ier­lich wei­ter ent­wickeln”, sagt Greiner.

Das White Paper glie­dert sich in vier gro­ße Abschnit­te, in denen zen­tra­le Her­aus­for­de­run­gen an die For­schung unter wis­sen­schaft­li­chen, tech­no­lo­gi­schen, wirt­schaft­li­chen und sozia­len Aspek­ten aus­ge­leuch­tet wer­den: das Ver­ständ­nis der Umwelt­fol­gen von Pla­stik, wobei der gesam­te „Lebens­zy­klus” von Kunst­stof­fen zu berück­sich­ti­gen ist; die Ent­wick­lung nach­hal­ti­ger Kunst­stof­fe; das Recy­cling von Pla­stik als Teil einer geschlos­se­nen Kreis­lauf­wirt­schaft; das Ver­ständ­nis und die Kon­trol­le des Abbaus von Pla­stik. Die Her­aus­ge­ber sind die Gesell­schaft Deut­scher Che­mi­ker (GDCh), die Roy­al Socie­ty of Che­mi­s­try (RSC), die Chi­ne­se Che­mi­cal Socie­ty (CCS) und die Japan Sci­ence and Tech­no­lo­gy Agen­cy (JST). Die­se vier Fach­ge­sell­schaf­ten haben sich in der “CS3 Initia­ti­ve” zusam­men­ge­schlos­sen. Von der Jah­res­ta­gung die­ser Initia­ti­ve im Dezem­ber 2019 in Lon­don, dem “Che­mi­cal Sci­en­ces and Socie­ty Sum­mit (CS3)”, ging der Impuls für die Erar­bei­tung des neu­en Weiß­buchs aus.

Wei­te­re Informationen:

Pres­se­mit­tei­lung der Gesell­schaft Deut­scher Che­mi­ker (GDCh) vom 3. Juni 2020:

https://​www​.gdch​.de/​s​e​r​v​i​c​e​-​i​n​f​o​r​m​a​t​i​o​n​/​p​r​e​s​s​e​-​u​n​d​-​o​e​f​f​e​n​t​l​i​c​h​k​e​i​t​s​a​r​b​e​i​t​/​p​r​e​s​s​e​d​i​e​n​s​t​-​c​h​e​m​i​e​.​h​t​m​l​#​_​c​3​8​253