Bam­berg: Größ­te reprä­sen­ta­ti­ve Befra­gung zu Coro­na-Aus­wir­kun­gen auf Bil­dungs­bio­gra­fien gestar­tet

Im Rah­men des Natio­na­len Bil­dungs­pa­nels (NEPS – Natio­nal Edu­ca­tio­nal Panel Stu­dy), der größ­ten Lang­zeit-Bil­dungs­stu­die in Deutsch­land, wer­den der­zeit alle Teil­neh­men­den anläss­lich der Coro­na-Pan­de­mie befragt. In der aktu­el­len wie auch allen zukünf­ti­gen Befra­gun­gen wer­den die Aus­wir­kun­gen auf den Schul‑, Arbeits- und Fami­li­en­all­tag auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie unter­sucht. Damit kön­nen sowohl rück­blickend Unter­schie­de für den Umgang mit der Kri­se wie auch Lang­zeit­fol­gen für Bil­dungs­bio­gra­fien in Deutsch­land erforscht wer­den.

Das Natio­na­le Bil­dungs­pa­nel, das am Leib­niz-Insti­tut für Bil­dungs­ver­läu­fe (LIf­Bi) in Bam­berg behei­ma­tet ist, besteht aus sechs gro­ßen Teil­stu­di­en, den soge­nann­ten Start­ko­hor­ten. Die­se umfas­sen reprä­sen­ta­tiv für ganz Deutsch­land ins­ge­samt 100.000 Per­so­nen aller Alters­grup­pen und sozia­len Schich­ten sowie deren Umfeld, etwa Eltern und päd­ago­gi­sches Fach­per­so­nal.

Mit dem Ziel, lang­fri­sti­ge Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie im Lebens­ver­lauf zu unter­su­chen, wur­den im Mai die­ses Jah­res alle erwach­se­nen Per­so­nen zu einer Online-Befra­gung ein­ge­la­den. Die Befra­gun­gen sind bereits gestar­tet und dau­ern vor­aus­sicht­lich noch bis Mit­te Juni an. Durch die Zusatz­be­fra­gung wol­len die For­sche­rin­nen und For­scher die aktu­el­len Erleb­nis­se und Ein­drücke der NEPS-Teil­neh­men­den in Zei­ten der Coro­na-Kri­se ermit­teln und so für die Bil­dungs­for­schung nutz­bar machen. Im Zen­trum ste­hen Fra­gen zum Lebens­all­tag der Men­schen: Wie ist es Ihnen seit dem Aus­bruch der Coro­na-Pan­de­mie ergan­gen? Wie hat sich Ihr All­tag ver­än­dert? Was macht Ihnen Sor­gen, was hat sich viel­leicht auch zum Posi­ti­ven ent­wickelt? Alle so erho­be­nen Daten las­sen sich her­an­zie­hen, um ein dif­fe­ren­zier­tes Bild der Coro­na-Aus­wir­kun­gen auf die Bil­dungs­bio­gra­fien der Befrag­ten zu erhal­ten.

Durch die im Natio­na­len Bil­dungs­pa­nel erho­be­nen Daten ste­hen For­sche­rin­nen und For­schern inter­na­tio­nal ein­zig­ar­ti­ge Lang­zeit­da­ten zur Ver­fü­gung, die nicht nur eine Moment­auf­nah­me wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie ermög­li­chen. Damit lie­fern die für Deutsch­land reprä­sen­ta­ti­ven Stu­di­en des NEPS einen wich­ti­gen Bei­trag für die Auf­ar­bei­tung der Kri­se und kön­nen genutzt wer­den, um das Bil­dungs­sy­stem lang­fri­stig zu stär­ken und auf zukünf­ti­ge Kri­sen vor­zu­be­rei­ten. Auch die Aus­wir­kun­gen der aktu­el­len Situa­ti­on auf die Digi­ta­li­sie­rung des Ler­nens, die Ent­wick­lung sozia­ler Bil­dungs­un­gleich­heit und die Fol­gen für ver­schie­den­ste Bil­dungs­er­geb­nis­se kön­nen mit­hil­fe der Längs­schnitt­in­for­ma­tio­nen des NEPS unter­sucht wer­den.

„Wir beglei­ten die Teil­neh­men­den seit vie­len Jah­ren”, so Prof. Dr. Cor­du­la Artelt, Lei­te­rin des Natio­na­len Bil­dungs­pa­nels. „Durch die Auf­nah­me die­ser zusätz­li­chen Befra­gun­gen in unse­re kon­ti­nu­ier­li­chen Erhe­bun­gen, kön­nen wir wich­ti­ge Erkennt­nis­se dazu gewin­nen, wel­chen Ein­schnitt die Coro­na-Pan­de­mie in den Bil­dungs­bio­gra­fien der Men­schen hin­ter­lässt und wie sie sich auch in Zukunft aus­wir­ken wird.”

In den nun gestar­te­ten Zusat­zerhe­bun­gen wer­den vier gro­ße The­men­be­rei­che des Lebens­all­tags abge­fragt: aktu­el­ler Erwerbs­sta­tus, All­tag und Ler­nen, Ver­trau­en in Poli­tik und Gesell­schaft sowie Gesund­heit und Wohl­be­fin­den. Dar­über hin­aus wer­den die Teil­neh­men­den auch zu ihren Zukunfts­er­war­tun­gen und ihrer per­sön­li­chen Risi­ko­be­reit­schaft sowie zur ver­än­der­ten Nut­zung von Lern­an­ge­bo­ten und Medi­en in der Schu­le und der pri­va­ten und beruf­li­chen Wei­ter­bil­dung befragt.

Das Natio­na­le Bil­dungs­pa­nel wird getra­gen von einem inter­dis­zi­pli­när zusam­men­ge­setz­ten, deutsch­land­wei­ten Exzel­lenz­netz­werk, in dem zwölf renom­mier­te For­schungs­in­sti­tu­te zusam­men­ar­bei­ten. Gelei­tet wird das NEPS von Prof. Dr. Cor­du­la Artelt vom Leib­niz-Insti­tut für Bil­dungs­ver­läu­fe in Bam­berg. Wie bei allen im Rah­men des NEPS durch­ge­führ­ten Befra­gun­gen üblich, wer­den auch die Daten der Coro­na-Zusatz­be­fra­gun­gen sorg­fäl­tig anony­mi­siert und durch das LIf­Bi Bil­dungs­for­schen­den welt­weit zugäng­lich gemacht. Die Auf­be­rei­tung dau­ert übli­cher­wei­se bis zu 18 Mona­te. Auf­grund des hohen Inter­es­ses an reprä­sen­ta­ti­ven Daten zur Coro­na-Pan­de­mie wird der­zeit geprüft, ob die­ser Pro­zess ver­kürzt wer­den kann.

Über das Leib­niz-Insti­tut für Bil­dungs­ver­läu­fe (LIf­Bi)

Das Leib­niz-Insti­tut für Bil­dungs­ver­läu­fe e.V. (LIf­Bi) an der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg för­dert die bil­dungs­wis­sen­schaft­li­che Längs­schnitt­for­schung in Deutsch­land. Hier­zu stellt das LIf­Bi grund­le­gen­de, über­re­gio­nal und inter­na­tio­nal bedeut­sa­me, for­schungs­ba­sier­te Infra­struk­tu­ren für die empi­ri­sche Bil­dungs­for­schung zur Ver­fü­gung. Das größ­te Pro­jekt ist das Natio­na­le Bil­dungs­pa­nel (NEPS – Natio­nal Edu­ca­tio­nal Panel Stu­dy), ein inter­dis­zi­pli­nä­res Exzel­lenz­netz­werk, das deutsch­land­weit die Exper­ti­se von rund 220 Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern an mehr als 30 Stand­or­ten ver­eint. Mit mehr als 60.000 gete­ste­ten und befrag­ten Ziel­per­so­nen von der Geburt über Aus­bil­dungs- und Erwerbs­pha­se bis hin­ein in die Nach­er­werbs­pha­se sowie 40.000 zusätz­lich befrag­ten Per­so­nen aus deren Umfeld eröff­net das NEPS fun­dier­te Ana­ly­se­mög­lich­kei­ten für die Bil­dungs­for­schung.