Exper­tin der Uni­ver­si­tät Bay­reuth: Kunst und Kul­tur müs­sen trotz Coro­na-Kri­se allen zugäng­lich sein

Foto: Temi­dayo Oyeniran

Das Iwa­le­wa­haus der Uni­ver­si­tät Bay­reuth beschrei­tet digi­ta­le Wege, um einen Zugang zur Kul­tur auch mit Aus­gangs­be­schrän­kun­gen auf­recht zu erhal­ten. Dr. Katha­ri­na Fink, stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin und Kura­to­rin am Iwa­le­wa­haus, berich­tet im Inter­view von den Her­aus­for­de­run­gen für Künst­ler und Künst­le­rin­nen in der Pan­de­mie. Fink sieht dar­in auch gro­ße Chan­cen und sagt: „Als öffent­li­che Ein­rich­tung sind wir der Öffent­lich­keit, die schlag­ar­tig grö­ßer wur­de, ver­pflich­tet.“ Das kom­plet­te Inter­view fin­den Sie hier: https://​www​.uni​-bay​reuth​.de/​d​e​/​u​n​i​v​e​r​s​i​t​a​e​t​/​p​r​e​s​s​e​/​p​r​e​s​s​e​m​i​t​t​e​i​l​u​n​g​e​n​/​2​0​2​0​/​0​7​5​-​e​x​p​e​r​t​i​n​-​f​i​n​k​-​z​u​-​k​u​n​s​t​-​k​u​l​t​u​r​-​w​a​e​h​r​e​n​d​-​c​o​r​o​n​a​-​k​r​i​s​e​/​i​n​d​e​x​.​h​tml

Lee­re Muse­en, geschlos­se­ne Thea­ter und Kon­zert­sä­le, fru­strier­te Men­schen zuhau­se …seit die­ser Woche dür­fen die Men­schen zumin­dest wie­der ins Museum. 

Ja, wir ler­nen gera­de, wel­che Pri­vi­le­gi­en wir sonst genie­ßen, wie exklu­siv unse­re kul­tu­rel­le Welt ist, die wir oft als so offen und zugäng­lich beschrei­ben. Denn so, wie jetzt gera­de uns, geht es vie­len Leu­ten stän­dig: Kul­tur ist eben nicht immer für alle zugäng­lich, son­dern unver­ständ­lich, teu­er oder uner­reich­bar. Jetzt ler­nen wir, dass Kunst und Kul­tur­ange­bo­te eben nicht selbst­ver­ständ­lich sind. Das zu ändern, ist eine wich­ti­ge Aufgabe.

Sind die Sofort­maß­nah­men des Staa­tes eine ech­te Hilfe? 

Es ent­ste­hen den­noch vor allem für die Künstler*innen mas­si­ve Pro­ble­me: Durch weg­bre­chen­de Auf­trä­ge, durch abge­sag­te Aus­stel­lun­gen etc. Den Muse­en feh­len die Besucher*innen. Den Zei­tun­gen gehen die Anzei­gen­kun­den ver­lo­ren – und die Abonnent*innen. Wir müs­sen die kul­tu­rel­le Land­schaft, die wir schät­zen, jetzt auch pri­vat mit allen Mit­teln stär­ken, lokal und glo­bal: dadurch, dass wir Restau­rant-Gut­schei­ne ver­schen­ken und zum Bei­spiel die loka­len Buch­bin­der-Gewer­be unter­stüt­zen. Auch dadurch, dass man Mit­glied in Freun­des­krei­sen für Muse­en wird – das Iwa­le­wa­haus hat auch einen. Insti­tu­tio­nell gespro­chen bedeu­tet das: alter­na­ti­ve For­men für abge­spro­che­ne Pro­jek­te fin­den. Wir müs­sen nun als Insti­tu­tio­nen Partner*innen für Künstler*innen und Kul­tur­schaf­fen­de sein. Das Wort, das unse­ren Beruf beschreibt, „Kura­ti­on”, beinhal­tet das ja: sich küm­mern um, Sor­ge tra­gen für – das gilt für Objek­te und Wer­ke, für Häu­ser und Insti­tu­tio­nen, vor allem aber auch für Men­schen und unse­re Beziehungen.

Was heißt das konkret?

Wir müs­sen dafür sor­gen, dass Hono­ra­re schnell und pro­blem­los gezahlt wer­den, dass gemein­sa­me Pro­jek­te auch zunächst digi­tal gesteu­ert und umge­setzt wer­den kön­nen, dass alles wei­ter­geht und zwar bes­ser und gerech­ter. Da haben wir mit unse­rem inter­na­tio­na­len Ansatz eini­ges an Erfah­rung, spä­te­stens jetzt muss aber auch die Infra­struk­tur dafür stim­men. Wir kön­nen jetzt von Insti­tu­tio­nen ler­nen, die sich per­ma­nent in einem von uns als „Aus­nah­me” beschrie­be­nen Zustand befin­den. In Palä­sti­na zum Bei­spiel in Sachen ver­sperr­te Zugän­ge. In Süd­afri­ka zum Bei­spiel in Sachen über­teu­er­tes und damit für vie­le Men­schen schwer zugäng­li­ches Inter­net. Gleich­zei­tig dür­fen wir – das haben wir in den letz­ten Wochen gelernt – nicht dem digi­ta­len Hype erlie­gen. Man­che Din­ge, die den Zau­ber unse­rer Arbeit aus­ma­chen, kann man nicht digi­tal umset­zen. Sie brau­chen uns als Men­schen mit ganz unter­schied­lich aus­ge­präg­ten Sin­nen, brau­chen uns in einem atmen­den Raum.

Wel­che grund­sätz­li­chen Her­aus­for­de­run­gen muss das Iwa­le­wa­haus bewältigen? 

Wir sind ver­ant­wort­lich dafür, dass die Aus­stel­lun­gen, Wer­ke, die Samm­lun­gen und For­schungs-Pro­jek­te sicht­bar wer­den. Als öffent­li­che Ein­rich­tung sind wir der Öffent­lich­keit, die jetzt schlag­ar­tig grö­ßer wur­de, ver­pflich­tet. Und natür­lich müs­sen wir am Iwa­le­wa­haus Kon­zep­te erar­bei­ten, wie wir den Ein­lass regu­lie­ren, Min­dest­ab­stän­de aus­wei­sen und ver­stärk­te hygie­ni­sche Maß­nah­men ergreifen

Wel­che Ver­än­de­run­gen erwar­ten Sie in der Kunst­dar­bie­tung und ‑ver­mitt­lung?

Für Kura­ti­on und Ver­mitt­lung sind jetzt neue Wege gefragt. Auf denen sind wir ja bereits unter­wegs gewe­sen – aber oft eher vor­sich­ti­gen Schrit­tes. Die Kura­ti­on muss jetzt mutig und visio­när sein – vor allem mutig. Und sich auch mal der For­de­rung nach schnel­len Lösun­gen wider­set­zen und dar­auf behar­ren, dass wir nicht immer lie­fern kön­nen. Es geht ja um eini­ges, eigent­lich alles: Kunst ist immer auch Über­le­bens-Kunst, sie nimmt Kata­stro­phen und Revo­lu­tio­nen vor­weg, sie kann hei­len, durch Erleb­nis­se inspi­rie­ren und Welt­bil­der mit­tels ihrer poe­ti­schen Kraft völ­lig ändern. Und gera­de geht es, im kon­kre­ten und im über­tra­ge­nen Sin­ne ums Wei­ter-Leben: Wie kön­nen Muse­en sinn­vol­le, sinn­li­che Erfah­run­gen bereit­hal­ten, beglücken­de Momen­te in beweg­ten Zei­ten stif­ten, anre­gend sein? Wie kön­nen wir unse­re oben beschrie­be­nen Kern­qua­li­tä­ten in die­se Zeit über­tra­gen, sie auch ver­tei­di­gen? Es ist auch eine gute Zeit um ein­zu­ge­ste­hen, dass wir Hil­fe brau­chen. Und dass wich­ti­ge Museumstechniker*innen jetzt nicht nur die groß­ar­ti­gen Schreiner*innen sind, son­dern auch die Daten-Architekt*innen.

Info:

Das Iwa­le­wa­haus macht die näch­ste Aus­stel­lung „Som­mer­la­bor“ digi­tal erleb­bar. Sie umfasst meh­re­re Pro­jek­te, dar­un­ter fünf eigen­stän­di­ge Aus­stel­lungs­be­rei­che: Stacey Gil­li­an Abe, Odins Gesang, Life Clas­ses, Encha­sing Yoru­ba und Hid­den Per­sua­ders. Die Kurator*innen des Iwa­le­wa­hau­ses sind dafür mit einem Kame­ra­mann durch das „Som­mer­la­bor“ gegan­gen und haben ein- bis zwei­mi­nü­ti­ge Sequen­zen zu den Kunst­wer­ken und Künstler*innen zusam­men­ge­stellt. Die­se wer­den sicht­bar, wenn man mit der aug­men­ted rea­li­ty App von ARTI­VI­VE das Pla­kat zur Aus­stel­lung betrach­tet. Nor­ma­ler­wei­se wird die­se Tech­nik in Muse­en selbst ange­wen­det und sorgt dort für Aha- Effek­te. Weil aber die momen­ta­ne Situa­ti­on den Besuch im Haus nur bedingt zulässt, kommt die Kunst nach drau­ßen. Damit der musea­le Pla­kat-Besuch nicht lang­wei­lig wird, sor­gen in regel­mä­ßi­gen Abstän­den neue Sequen­zen für Abwechs­lung. Auch der Inter­na­tio­na­le Muse­ums­tag am 17.5. wird am Iwa­le­wa­haus digi­tal stattfinden.

Links:

https://​www​.face​book​.com/​I​w​a​l​e​w​a​h​a​us/

insta​gram​.com/​i​w​a​l​e​w​a​h​aus

https://​vimeo​.com/​i​w​a​l​e​w​a​h​aus

www​.freun​des​kreis​i​wa​le​wa​haus​.com

Zur Arbeit von San­za San­di­le: https://​www​.yeo​vil​le​din​ner​club​.com/

Zur Arbeit von Robert Machi­ri: https://​sav​vy​-con​tem​pora​ry​.com/​e​n​/​e​v​e​n​t​s​/​2​0​1​9​/​u​n​t​r​a​i​n​i​n​g​-​t​h​e​-​e​a​r​-​l​i​s​t​e​n​i​n​g​-​s​e​s​s​i​o​n​-​p​u​n​g​we/

Zum kom­plet­ten Inter­view: https://​www​.uni​-bay​reuth​.de/​d​e​/​u​n​i​v​e​r​s​i​t​a​e​t​/​p​r​e​s​s​e​/​p​r​e​s​s​e​m​i​t​t​e​i​l​u​n​g​e​n​/​2​0​2​0​/​0​7​5​-​e​x​p​e​r​t​i​n​-​f​i​n​k​-​z​u​-​k​u​n​s​t​-​k​u​l​t​u​r​-​w​a​e​h​r​e​n​d​-​c​o​r​o​n​a​-​k​r​i​s​e​/​i​n​d​e​x​.​h​tml