IMPULS wäh­rend der stil­len Zeit ohne Gottesdienste

Zeit zum Leben und Lieben

Das Para­dox unse­rer Zeit ist: Wir haben hohe Gebäu­de, aber eine nied­ri­ge Tole­ranz, brei­te Auto­bah­nen, aber enge Ansichten.

Wir ver­brau­chen mehr, aber haben weni­ger, machen mehr Ein­käu­fe, aber haben weni­ger Freude.

Wir haben grö­ße­re Häu­ser, aber klei­ne­re Fami­li­en, mehr Bequem­lich­keit, aber weni­ger Zeit, mehr Exper­ten, aber auch mehr Pro­ble­me, mehr Medi­zin, aber weni­ger Gesundheit.

Wir lachen zu wenig, regen uns zu schnell auf.

Wir gehen zu spät schla­fen, ste­hen zu müde auf; wir lesen zu wenig, sehen zu viel fern, beten zu selten.

Wir haben unse­ren Besitz ver­viel­facht, aber unse­re Wer­te reduziert.

Wir spre­chen zu viel, wir lie­ben zu sel­ten und wir has­sen zu oft.

Wir wis­sen, wie man sei­nen Lebens­un­ter­halt ver­dient, aber nicht mehr, wie man lebt.

Wir haben dem Leben Jah­re hin­zu­ge­fügt, aber nicht den Jah­ren Leben.

Wir kom­men zum Mond, aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn.

Wir haben den Welt­raum erobert, aber nicht den Raum in uns.

Wir machen grö­ße­re Din­ge, aber nicht bessere.

Wir haben die Luft gerei­nigt, aber die See­len verschmutzt.

Wir kön­nen Ato­me spal­ten, aber nicht unse­re Vorurteile.

Wir haben gelernt schnell zu sein, aber wir kön­nen nicht warten.

Es ist die Zeit des schnel­len Essens und der schlech­ten Ver­dau­ung, der gro­ßen Män­ner und der klein­ka­rier­ten See­len, der leich­ten Pro­fi­te und der schwie­ri­gen Beziehungen.

Es ist die Zeit des grö­ße­ren Fami­li­en­ein­kom­mens und der Schei­dun­gen, der schö­ne­ren Häu­ser und des zer­stör­ten Zuhause.

Es ist die Zeit der schnel­len Rei­sen, der Weg­werf­win­deln und der Weg­werf­mo­ral, der Bezie­hun­gen für eine Nacht und des Übergewichts.

Es ist die Zeit der Pil­len, die alles kön­nen: sie erre­gen uns, sie beru­hi­gen uns, sie töten uns.

Ver­gesst nicht, mehr Zeit denen zu schen­ken, die Ihr liebt, weil sie nicht immer mit Euch sein werden.

Schenkt dem Men­schen neben Euch eine hei­ße Umar­mung, denn sie ist der ein­zi­ge Schatz, der von Eurem Her­zen kommt und Euch nichts kostet.

Sagt dem gelieb­ten Men­schen: „Ich lie­be Dich” und meint es auch so.

Ein Kuss und eine Umar­mung, die von Her­zen kom­men, kön­nen alles Böse wiedergutmachen.

Geht Hand in Hand und schätzt die Augen­blicke, wo Ihr zusam­men seid, denn eines Tages wird die­ser Mensch nicht mehr neben Euch sein.

Fin­det Zeit Euch zu lie­ben, fin­det Zeit, mit­ein­an­der zu spre­chen, fin­det Zeit, alles was Ihr zu sagen habt mit­ein­an­der zu tei­len, denn das Leben wird nicht gemes­sen an der Anzahl der Atem­zü­ge, son­dern an der Anzahl der Augen­blicke, die uns den Atem rauben.

(von Geor­ge Car­lin, ame­ri­ka­ni­scher Schau­spie­ler und Komi­ker; ver­fasst anläss­lich des Todes sei­ner Frau; Car­lin starb im Juni 2008. Leicht gekürz­te Fas­sung von Ger­hard Reichel.)

IMPULS ist eine Arti­kel­se­rie des Katho­li­schen Seel­sor­ge­be­reichs Hausen-Heroldsbach
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