Bund Natur­schutz Bam­berg: “Kei­ne Kuh auf der Wei­de – Fol­gen der Trocken­heit in der Land­wirt­schaft”

Das Gras wächst ein­fach nicht auf und ist teils schon ver­trock­net. Der Regen­mess­be­cher ist leer. Kri­ti­sche Blicke von Bio­bau­er Otto Weiß und BN-Geschäfts­füh­re­rin Chri­sti­ne Hertrich. / Foto: Pri­vat

BUND Natur­schutz Bam­berg for­dert am glo­ba­len Kli­ma­ak­ti­ons­tag eben­so ent­schie­de­nes poli­ti­sches Han­deln wie bei der Coro­na-Pan­de­mie.

Nor­ma­ler­wei­se gra­sen zu die­ser Zeit zufrie­de­ne Mut­ter­kü­he mit ihren Käl­bern auf saf­ti­gen Wie­sen rund um den Natur­land­hof von Otto und Ire­ne Weiß in Lai­barös. Doch Lee­re herrscht auf den Wei­den, die gar nicht so saf­tig sind. Die Rin­der müs­sen noch län­ger im Stall aus­har­ren, denn auf den Wie­sen fehlt das Fut­ter. Seit nahe­zu sie­ben Wochen hat es so gut wie gar nicht gereg­net. Grä­ser und Kräu­ter sind auf den Wei­de­flä­chen kaum gewach­sen, so dass die Tie­re hier nicht genug zu fres­sen hät­ten.

„Es ist sehr trau­rig mit anzu­se­hen. Du berei­test alles vor, bringst Mist als Dün­ger aus, bear­bei­test den Boden, säst an und dann herrscht Still­stand auf den Fel­dern, weil es nicht reg­net“, sorgt sich Otto Weiß. Nicht nur das Fut­ter auf den Wie­sen wächst nicht nach, auch das Getrei­de steht nur schwach auf den Äckern, teil­wei­se lie­gen die Kör­ner der Brau­ger­ste trocken im Boden und kei­men nicht. „Wenn es in den näch­sten ein bis zwei Wochen nicht reg­net, dann wird es rich­tig bit­ter“, so der Öko­land­wirt.

Zum glo­ba­len Kli­ma­ak­ti­ons­tag der Fri­days­for­Fu­ture-Bewe­gung am Frei­tag, 24. April mach­te der BUND Natur­schutz (BN) Bam­berg bei einem Vor­ort-Ter­min gemein­sam mit dem Natur­land­hof auf die Fol­gen der Kli­ma­kri­se für die Land­wirt­schaft auf­merk­sam und for­der­te von der Poli­tik ein ent­schie­de­nes Han­deln für den Kli­ma­schutz.

Otto Weiß, der auch Vor­sit­zen­der des Was­ser­zweck­ver­bands auf dem Jura ist, geht davon aus, dass auf­grund des Kli­ma­wan­dels lang­an­hal­ten­de Trocken­pha­sen in Fran­ken eher der Nor­mal­zu­stand wer­den und sich die Land­wirt­schaft dar­auf ein­stel­len muss. Heu­er sei zwar im Febru­ar über­durch­schnitt­lich viel Regen gefal­len, aber das rei­che nicht, um die Trocken­heit in den tie­fe­ren Boden­schich­ten aus­zu­glei­chen. Zudem sei gera­de jetzt im Früh­jahr der Regen extrem wich­tig, damit die Saa­ten auf­ge­hen und der aus­ge­brach­te orga­ni­sche Dün­ger sich zer­set­zen kann und so erst den Pflan­zen als Nah­rung zur Ver­fü­gung steht. Wenn der Regen wei­ter aus­bleibt, dann wer­de es schwie­rig, die Tie­re zu ernäh­ren und auch die Erträ­ge bei den typi­schen Getrei­de­sor­ten der Regi­on wür­den sin­ken.

Die Daten der Wet­ter­sta­ti­on Bam­berg bestä­ti­gen die Beob­ach­tun­gen in Lai­barös. Seit dem 10. März fiel kein nen­nens­wer­ter Nie­der­schlag mehr. Die trocke­ne Pha­se hält mitt­ler­wei­le schon fast 7 Wochen an und Regen ist wei­ter­hin nicht in Sicht. Im Ver­gleich zur Peri­ode von 1961 bis 1990 fie­len in Bam­berg im März mit 30 Litern nur 65% und im April bis­her mit 7 Litern erst 15% des durch­schnitt­li­chen Nie­der­schlags. Auch die Tem­pe­ra­tu­ren der letz­ten Mona­te waren extrem. Im Ver­gleich zur Peri­ode 1961 bis 1990 war der Win­ter 2019/2020 in Bam­berg um sat­te 3,6 Grad wär­mer. Beson­ders sticht der Febru­ar mit 5 Grad über dem Durch­schnitt her­vor. Nach Ansicht von Kli­ma­for­schern könn­te die Ursa­che für die lan­gen sta­bi­len Wet­ter­la­gen ein schwä­cher wer­den­der Jet-Stream sein. Die­ser star­ke Höhen­wind wird als Fol­ge des Kli­ma­wan­dels abge­schwächt. Das könn­te weni­ger Abwechs­lung beim Wet­ter­ge­sche­hen bedeu­ten, das heißt Hoch- oder auch Tief­druck­ge­bie­te ver­blei­ben län­ger an einem Ort und zie­hen nicht, wie sonst üblich, schnell wei­ter. Die Fol­gen kön­nen Wet­ter­ex­tre­me sein, so zum Bei­spiel lang anhal­ten­de Trocken­heit, wie wir sie in Fran­ken nun schon den drit­ten Früh­ling hin­ter­ein­an­der erle­ben.

Otto Weiß ver­sucht sich mit dem Anbau unge­wohn­ter Feld­früch­te wie Hir­se oder Lin­sen, die mit Trocken­pha­sen recht gut klar kom­men, auf die Kli­ma­ver­än­de­run­gen ein­zu­stel­len. Auch mit der Art der Bewirt­schaf­tung lässt sich eini­ges errei­chen, um der Trocken­heit zu begeg­nen. Das wich­tig­ste ist dabei der Humus­auf­bau und die För­de­rung des Boden­le­bens. Ein humo­ser Boden kann viel mehr Was­ser spei­chern und trägt außer­dem direkt zum Kli­ma­schutz bei, da er Koh­len­stoff spei­chert.

Bei den lang­fri­sti­gen Maß­nah­men und Stra­te­gien, um gegen die Kli­ma­kri­se zu steu­ern, sind sich Erich Spran­ger, 2. Vor­sit­zen­der des BUND Natur­schutz Bam­berg und Otto Weiß einig. Eine Abkehr der Land­wirt­schaft von der Pro­duk­ti­on für den glo­ba­len Markt hin zur Stär­kung regio­na­ler Struk­tu­ren und Kreis­läu­fe sei not­wen­dig. Das wür­de Trans­port­we­ge redu­zie­ren, den ener­gie­in­ten­si­ven Import von Fut­ter­mit­teln über­flüs­sig machen, Über­pro­duk­ti­on und Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung redu­zie­ren. Dies sei aber nur zu errei­chen, wenn Gesell­schaft, Land­wirt­schaft und Poli­tik gemein­sam in die glei­che Rich­tung gehen.

Für die poli­ti­sche Ebe­ne bedeu­tet das laut Erich Spran­ger: “Die neue För­der­pe­ri­ode der EU Agrar­po­li­tik muss jetzt genutzt wer­den, um eine klima‑, boden- und was­ser­schüt­zen­de Land­be­wirt­schaf­tung vor­an­zu­brin­gen, statt Mil­li­ar­den Euro nur nach Flä­chen­be­sitz zu ver­tei­len.” Die Land­wirt­schaft müs­se ins­ge­samt kli­ma­scho­nend wer­den. „Der öko­lo­gi­sche Land­bau zeigt den Weg zu einer kli­ma­freund­li­chen Land­wirt­schaft bereits auf. Er ver­zich­tet auf mine­ra­li­sche Dün­ge­mit­tel, die mit hohem Ener­gie­auf­wand pro­du­ziert wer­den. Die Anzahl der Tie­re ist an die Flä­che gebun­den und durch den Humus­auf­bau wird Koh­len­stoff im Boden gespei­chert. Das lei­stet einen posi­ti­ven Bei­trag zum Schutz vor der Erd­er­wär­mung“, so Otto Weiß. Ent­täuscht zeig­ten sich die Akteu­re in die­sem Zusam­men­hang von der baye­ri­schen Poli­tik. Obwohl durch das Volks­be­geh­ren „Arten­viel­falt“ eine zügi­ge Erhö­hung der Bio­an­bau­flä­che beschlos­sen wur­de, sei die Staats­re­gie­rung nicht wil­lens oder fähig die­ses Ziel auch umzu­set­zen.

Doch nicht nur die Land­wirt­schaft selbst, die bereits heu­te die Fol­gen der Kli­ma­kri­se direkt spürt, muss kli­ma­freund­li­cher wer­den. „Wir brau­chen beim Kli­ma­schutz ein eben­so ent­schie­de­nes Han­deln wie bei der Coro­na-Kri­se. Wir müs­sen viel schnel­ler aus der Koh­le aus­stei­gen wie der­zeit vor­ge­se­hen. Ener­gie­spa­ren und Ener­gie­ef­fi­zi­enz muss auf allen Ebe­nen gesetz­lich fest­ge­schrie­ben wer­den. Die Erneu­er­ba­ren zur Strom­erzeu­gung, ins­be­son­de­re Wind­ener­gie und Pho­to­vol­ta­ik, müs­sen mas­siv aus­ge­baut wer­den, in Bay­ern und auch in der Regi­on Bam­berg“ fasst Chri­sti­ne Hertrich, Geschäfts­füh­re­rin des BUND Natur­schutz Bam­berg eini­ge der wich­tig­sten For­de­run­gen zusam­men.

Damit die Rin­der von Otto Weiß nun doch bald auf die Wei­de dür­fen, braucht es rasch und kräf­tig Regen. Dar­auf haben wir Men­schen lei­der kei­nen direk­ten Ein­fluss. „Doch damit lang­fri­stig die Land­wirt­schaft in der Regi­on Bam­berg eine Zukunft hat, müs­sen Gesell­schaft und Poli­tik jetzt zu einer kli­ma­freund­li­chen Lebens- und Wirt­schafts­wei­se umsteu­ern. Das haben wir in der Hand“ so Bio­bau­er Otto Weiß.