GEW Bay­ern zur Erwei­te­rung der Not­be­treu­ung: “Wir brau­chen mehr Zeit”

GEW Bay­ern zur Erwei­te­rung der Notbetreuung:
Wir brau­chen mehr Zeit, mehr Mate­ri­al und viel­leicht erst ein­mal einen modell­haf­ten Ein­stieg bei weni­gen Trägern!

Ab kom­men­den Mon­tag soll die Not­be­treu­ung in Kitas, Krip­pen, Hor­ten, SVE (schul­vor­be­rei­ten­den Ein­rich­tun­gen – die Kitas der Behin­der­ten­hil­fe) und HPT (Heil­päd­ago­gi­schen Tages­stät­ten) erwei­tert wer­den. Es gibt kei­ner­lei Vor­er­fah­rung, daher muss die Aus­wei­tung der Not­be­treu­ung bes­ser vor­be­rei­tet wer­den. Der Gesund­heits­schutz der Kolleg*innen und der Infek­ti­ons­schutz der Kin­der muss an erster Stel­le ste­hen, im Inter­es­se aller Bürger*innen.

Wenn nun der Not­be­trieb in der frü­hen Bil­dung und Erzie­hung erwei­tert wird, sind vie­le Din­ge in bis­her nie dage­we­se­ner Wei­se zu beden­ken. „Vor­er­fah­run­gen haben wir prak­tisch kei­ne, das kann nicht mit ande­ren Krank­heits­er­re­gern ver­gli­chen wer­den“, bekräf­tigt Hil­ger Uhlen­b­rock, Mit­glied im Vor­stand der Lan­des­fach­grup­pe der sozi­al­päd­ago­gi­schen Beru­fe der GEW Bay­ern. Im Sozi­al­mi­ni­ste­ri­um erar­bei­tet ein Expert*innengremium der­zeit kon­kre­te Plä­ne und Emp­feh­lun­gen für die Trä­ger. Die GEW Bay­ern ist gespannt und skep­tisch. „Unse­re Expert*innen haben jahr­zehn­te­lan­ge Erfah­rung in der Bil­dungs­ar­beit mit Kin­dern und sie sind sich einig: Distanz­hal­ten im All­tag ist eine Illu­si­on“, ver­deut­licht Hil­ger Uhlen­b­rock die Exper­ti­se der GEW.

Wenn nun kein Abstand von 1,5 Metern ein­ge­hal­ten wer­den kann, dann ist die arbeits­schutz­recht­li­che Lage anhand die­ser Vor­ga­be zu beur­tei­len. Huber­tus Heil hat mit der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung Vor­ga­ben erar­bei­tet, die nun gel­ten­de Stan­dards sind. Der Sicher­heits­ab­stand von min­de­stens 1,5 Metern sol­le uni­ver­sell auch bei der Arbeit ein­ge­hal­ten wer­den, und zwar sowohl in Gebäu­den als auch im Frei­en. Gelingt dies nicht, muss der Arbeit­ge­ber einen Mund-Nase-Schutz bereit­stel­len, so wie wir es z.B. von Bau­märk­ten ken­nen. Von kom­men­der Woche an wird er zur Pflicht in allen ÖPNV und Läden, aber nicht in der Kita. Da den Kin­dern sicher kei­ne Mas­ke ver­ord­net wer­den kann, ist aus Sicht der GEW kein prak­ti­ka­bler Schutz vor Infek­tio­nen in den Ein­rich­tun­gen mög­lich. Es gibt nach den Recher­chen der GEW auch kei­ne wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Erkennt­nis­se, die hier irgend­ei­nen andern Schluss zulassen.

„Bei Kolleg*innen, die klei­ne Kin­der auf den Schoß neh­men müs­sen, wie es beson­ders in Krip­pen all­täg­lich ist, wäre zudem auch über Schutz­bril­len nach­zu­den­ken“, führt Mario Schwandt, Gewerk­schafts­se­kre­tär der GEW aus. Bei ent­spre­chen­den Vor­er­kran­kun­gen sei an eine Arbeit ohne FFP3-Mas­ken nicht zu den­ken, erläu­tert er. „Eine Kolleg*in mit star­kem Asth­ma oder einer ande­ren Lun­gen­er­kran­kung muss sich nun beson­ders schüt­zen kön­nen, dafür trägt der Arbeit­ge­ber die Ver­ant­wor­tung und Haf­tung. Die ent­spre­chen­den Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen müs­sen aktu­ell ange­passt wer­den und die Betriebsärzt*innen auch im Ein­zel­fall bera­ten und Maß­nah­men defi­nie­ren“, erläu­tert er. Ohne eine an Coro­na ange­pass­te Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sei die Haf­tungs­fra­ge im Scha­dens­fall schnell zula­sten der Arbeit­ge­ber zu sehen.

Falls all dies nicht gewähr­lei­stet wer­den kön­ne, wür­den Kitas schnell zu „Viren­schleu­dern“ wer­den. „Wir kön­nen nur hof­fen, dass die Epidemiolog*innen hier gute Model­le haben und das Sozi­al­mi­ni­ste­ri­um gut bera­ten haben, Expert*innen sind wir dafür ja nicht. Was wir aber schon mit­be­kom­men, ist, dass in ein­zel­nen Kitas ab Mon­tag fast alle Kin­der wie­der betreut wer­den müs­sen. So gibt es Groß­be­trie­be der kri­ti­schen Infra­struk­tur wie Mol­ke­rei­en in länd­li­chen Gegen­den, wo fast alle Mitarbeiter*innen ihre Kin­der in weni­gen Kitas haben. Dort sind die Grup­pen ab Mon­tag fast wie­der voll, wenn alle Eltern ihre Rech­te nut­zen“, ver­deut­licht Mario Schwandt, Gewerk­schafts­se­kre­tär der GEW.

Wei­te­re wich­ti­ge Punk­te, falls die Not­be­treu­ung erwei­tert wird, sind:

· Kein Ein­satz von Mit­ar­bei­ten­den aus Risi­ko­grup­pen! 29 Pro­zent der Fach­kräf­te sind aktu­ell älter als 50 Jah­re, in 22 Pro­zent der Kita-Teams ist min­de­stens die Hälf­te des Per­so­nals in die­sem Alter

· Betreu­ung in Klein­grup­pen von maxi­mal 5 Kindern

· Betreu­ung durch kon­stan­te (getrenn­te) Teams, um unnö­ti­ge Kon­tak­te zu vermeiden

· Anpas­sung der Betreu­ungs­an­ge­bo­te an die Schutz­maß­nah­men: Viel nach drau­ßen gehen, auch Wald­spiel­plät­ze bei gutem Wet­ter nut­zen (was erlaubt wer­den muss), Turn­hal­len, abge­le­ge­ne­re Spielplätze

· Aus­rei­chend Schutz­ma­te­ri­al in pro­fes­sio­nel­ler Qua­li­tät, auch Des­in­fek­ti­ons­mit­tel, Bril­len, Masken

· Auf­ge­stock­tes Per­so­nal, damit die Kin­der beim Hän­de­wa­schen, Toi­let­ten­gang, etc. beglei­tet wer­den können

Die GEW ist abschlie­ßend der Ansicht, dass ohne wis­sen­schaft­li­che Grund­la­ge die Erwei­te­rung in Kitas auf kei­nen Fall ohne Modell­pro­jek­te und syste­ma­ti­sche Aus­wer­tung der Erfah­run­gen statt­fin­den darf.

Für Fra­gen ste­hen ger­ne zur Verfügung:

Mario Schwandt, Gewerk­schafts­se­kre­tär der GEW Bayern