Früh­lings­er­wa­chen bei den Igeln

Igel. Foto: Pixabay/Alexas

Erste Igel bereits unter­wegs – Jetzt wie­der Igel in Bay­ern online und per App mel­den – natür­li­ches Fut­ter noch knapp

Mit dem Früh­lings­be­ginn kom­men auch die ersten Igel aus ihren Win­ter­quar­tie­ren. Des­halb sind ab sofort wie­der alle bay­ri­schen Naturfreund*innen auf­ge­ru­fen, jeden beob­ach­te­ten Igel dem LBV zu mel­den. Seit 2015 sam­meln die Natur­schüt­zer mit dem erfolg­rei­chen Bür­ger­for­scher-Pro­jekt „Igel in Bay­ern“ Daten, um mehr über den heim­li­chen Gar­ten­be­woh­ner her­aus­zu­fin­den. In den bis­he­ri­gen fünf Pro­jekt­jah­ren gin­gen knapp 90.000 Mel­dun­gen mit ins­ge­samt mehr als 115.000 gemel­de­ten Igeln über die Web­sei­te und die App ein. „Obwohl der Igel fle­xi­bel, anpas­sungs­fä­hig und ein wah­rer Über­le­bens­künst­ler ist, steht er mitt­ler­wei­le auf der Vor­warn­li­ste der ‚Roten Liste bedroh­ter Säu­ge­tie­re in Bay­ern‘. Sei­ne Gesamt­si­tua­ti­on ist bedenk­lich“, so das Fazit der LBV-Igel­ex­per­tin Anni­ka Lan­ge. Das sech­ste Pro­jekt­jahr soll nun wei­te­re wert­vol­le Daten lie­fern, um kon­kre­te Schutz­maß­nah­men für den Igel zu ent­wickeln. Mit­ma­chen ist ganz ein­fach: jeden leben­di­gen oder toten Igel unter www​.igel​-in​-bay​ern​.de oder über die prak­ti­sche Igel-App mel­den. Wer regel­mä­ßig die glei­che Strecke fährt, kann sich mit einer E‑Mail an igel@​lbv.​de als „Igel-Pendler*in“ regi­strie­ren.

Beginnt der Früh­ling, erwa­chen auch die ersten Igel aus dem Win­ter­schlaf. Abhän­gig von Wet­ter und Stand­ort des Win­ter­quar­tiers kann die­ser Zeit­punkt ganz unter­schied­lich sein. „Die ersten Mel­dun­gen von rund 270 in Bay­ern umher­wan­dern­den Igeln haben uns bereits erreicht“, sagt Lan­ge. „Lang­sam sind die mei­sten Igel wie­der rich­tig aktiv. Eini­ge Tie­re kön­nen aber noch schla­fen, manch­mal sogar bis in den Mai“. Igel­weib­chen schla­fen dabei mei­stens län­ger als Igel­männ­chen.

Insek­ten­fut­ter ist der­zeit noch rar, sodass die Tie­re auf ihrer Nah­rungs­su­che zum Teil wei­te Strecken zurück­le­gen müs­sen. Oft muss der Igel dabei gefähr­li­che Stra­ßen über­que­ren und wird häu­fig von Autos über­fah­ren. Der LBV bit­tet des­halb alle Auto­fah­rer an die hung­ri­gen Lang­schlä­fer zu den­ken und lang­sa­mer zu fah­ren, vor allem in der Däm­me­rung und nachts. „Igel flüch­ten nicht bei Gefahr, son­dern rol­len sich zu einem sta­che­li­gen Ball. Des­halb einen Igel auf der Stra­ße nach Mög­lich­keit immer zwi­schen die Räder neh­men“, rät die LBV-Igel­ex­per­tin.

Und wer dem sym­pa­thi­schen Gar­ten­be­woh­ner im eige­nen Gar­ten hel­fen möch­te, kann ihm eine Scha­le Was­ser bereit­stel­len: „Das Erste, was Igel nach dem Win­ter­schlaf haben, ist Durst“, erklärt die LBV-Arten­schüt­ze­rin. Solan­ge die Igel in der Natur noch nicht genug Nah­rung fin­den, kön­nen sie im Gar­ten kurz­fri­stig auch zuge­füt­tert wer­den. Am besten eig­net sich Kat­zen­fut­ter, schäd­lich hin­ge­gen ist Milch. „Spä­te­stens Ende April bis Anfang Mai kom­men die Igel dann aber pro­blem­los ohne Hil­fe zurecht und brau­chen auch kein zusätz­li­ches Fut­ter­an­ge­bot mehr“, so Lan­ge wei­ter.

Igel-Pendler*innen gesucht

Igelfreund*innen, die regel­mä­ßig eine feste Stecke pen­deln, kön­nen als Igel-Pendler*innen an einem aus­führ­li­che­ren Pro­jekt mit­ma­chen. Vor­aus­set­zung hier­für sind eine regel­mä­ßi­ge Pen­del­strecke von über zehn Kilo­me­tern mit dem Auto oder Fahr­rad sowie die Anmel­dung per E‑Mail über igel@​lbv.​de. Mit indi­vi­du­el­ler Pend­ler-Num­mer und einem dazu­ge­hö­ri­gen Igel-Fahr­ten­buch kön­nen dann tote Igel auf der ange­ge­be­nen Strecke gemel­det wer­den. Anhand die­ser Metho­dik las­sen sich von den LBV-Wissenschaftler*innen detail­lier­te Ver­glei­che dar­über anstel­len, wel­che Stra­ßen beson­ders gefähr­lich für den Igel sind. Aus den Daten kön­nen dann unter ande­rem Aus­sa­gen über die Akti­vi­täts­zei­ten der Igel und die Dich­te der Popu­la­ti­on getrof­fen wer­den. Mit den gewon­ne­nen Erkennt­nis­sen kön­nen in Zukunft dann loka­le Schutz­maß­nah­men durch den LBV ergrif­fen wer­den.