Uni Bay­reuth: Wie wirkt sich die Coro­na-Pan­de­mie auf das Mil­lio­nen­ge­schäft Fuß­ball und die klei­nen Ver­ei­ne aus?

Exper­te zu Fol­gen der Coro­na-Pan­de­mie auf das Mil­lio­nen­ge­schäft Fuß­ball und die klei­nen Ver­ei­ne

Heu­te fin­det die Mit­glie­der­ver­samm­lung der DFL statt – vir­tu­ell. Dort soll es um die Fol­gen der Coro­na-Kri­se auf den deut­schen Pro­fi­fuß­ball gehen. Prof. Dr. Mar­kus Kur­scheidt, Inha­ber des Lehr­stuhls Sport­wis­sen­schaft II – Sport Gover­nan­ce und Event­ma­nage­ment an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth ana­ly­siert vor­ab die Fol­gen des Lock­down für gro­ße und klei­ne Ver­ei­ne, das „Kul­tur­gut“ und die „Mar­ke“ Fuß­ball. Gro­ße Pro­ble­me sieht er für den Brei­ten­sport: Er befürch­tet, dass vie­le regio­na­le Ver­ei­ne die Kri­se nicht über­ste­hen wer­den.

(Hier Aus­zü­ge aus dem Inter­view, die voll­stän­di­ge Fas­sung fin­den Sie auf: https://​www​.uni​-bay​reuth​.de/​d​e​/​u​n​i​v​e​r​s​i​t​a​e​t​/​p​r​e​s​s​e​/​p​r​e​s​s​e​m​i​t​t​e​i​l​u​n​g​e​n​/​2​0​2​0​/​0​4​6​-​t​e​x​t​s​e​r​i​e​-​e​x​p​e​r​t​e​-​k​u​r​s​c​h​e​i​d​t​-​z​u​-​c​o​r​o​n​a​-​u​n​d​-​s​p​o​r​t​-​f​u​s​s​b​a​l​l​/​i​n​d​e​x​.​h​tml)

Kön­nen klei­ne Ver­ei­ne wei­ter bestehen?

Die Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se auf den Brei­ten- und Frei­zeit­sport sind zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch schwer abzu­schät­zen. Man­che Dorf- und Stadt­teil­ver­ei­ne wer­den sich mit unlös­ba­ren Finanz­la­gen kon­fron­tiert sehen. Vie­le klei­ne­re Spon­so­ren wer­den sich auf­grund eige­ner Wirt­schafts­pro­ble­me zurück­zie­hen. In den höhe­ren Ama­teur­klas­sen wird man kei­ne Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen mehr an Spie­ler zah­len kön­nen. Teil­wei­se könn­te der Spiel­be­trieb in Gefahr gera­ten, weil die Klubs nicht mal mehr die Rei­se­ko­sten zu Aus­wärts­spie­len bestrei­ten kön­nen. Eine mas­si­ve Kon­so­li­die­rung in den vie­len Spiel­klas­sen des Brei­ten­sports ist nicht aus­ge­schlos­sen. Aller­dings haben die Regio­nal­ver­bän­de und Städ­te diver­se Instru­men­te, um Här­ten in die­ser Situa­ti­on abzu­fe­dern. Ich befürch­te den­noch, dass eine nen­nens­wer­te Zahl an Ver­ei­nen die Kri­se nicht über­ste­hen wird. Ein Fokus soll­te sein, erfolg­rei­che Jugend­ab­tei­lun­gen vor der Schlie­ßung zu ret­ten. Denn hier wird im Brei­ten­sport zugleich her­vor­ra­gen­de sozia­le Arbeit gelei­stet.

Wird sich der Sport als Unter­hal­tungs­event nach Coro­na ver­än­dert haben?

Grund­sätz­lich erwar­te ich kei­ne gra­vie­ren­de Ver­än­de­rung des Geschäfts- und Unter­hal­tungs­mo­dells im Pro­fi­sport. Der Trend der so genann­ten Even­ti­sie­rung wird unge­bro­chen blei­ben, und die Fans freu­en sich schon jetzt dar­auf, wenn es wie­der los­geht. Die Coro­na-Kri­se ist aber defi­ni­tiv eine Zäsur im erfolgs-ver­wöhn­ten Spit­zen­sport. Zuletzt haben die Ver­ant­wort­li­chen im Pro­fi­sport unge­wohnt oft etwa vom „Kul­tur­gut“ Fuß­ball gespro­chen, wäh­rend vor­her mehr vom „Pre­mi­um­pro­dukt“ und der „Mar­ke“ die Rede war. In die­sen Tagen müs­sen alle schmerz­lich fest­stel­len, dass das Sport­bus­i­ness immer noch beim Wett­kampf und den sport­li­chen Wer­ten auf dem Platz beginnt – und zwar mit der Atmo­sphä­re durch die Fans und nicht in Gei­ster­spie­len wie im TV-Stu­dio. Ich erwar­te und hof­fe, dass die­se heil­sa­me Erfah­rung sich auch in ver­bes­ser­ten Bezie­hun­gen zwi­schen den Sport­funk­tio­nä­ren und den Fans nie­der­schlägt. Wir soll­ten nicht ver­ges­sen, dass im Fuß­ball vor der Kri­se die Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen den Anspruchs­grup­pen die Schlag­zei­len und Debat­ten bestimm­te.

Wird es noch Mil­lio­nen-Gehäl­ter und ‑Trans­fer­sum­men geben?

Infol­ge der Ein­nah­me­aus­fäl­le wird es vor­erst einen dämp­fen­den Effekt auf die Gehäl­ter und Trans­fer­zah­lun­gen geben. Die Fra­ge ist, wie ein­schnei­dend und nach­hal­tig dies der Fall sein wird. Ent­schei­dend wird im Fuß­ball zudem sein, wie stark Groß­bri­tan­ni­en und damit die eng­li­sche Pre­mier League noch unter der Coro­na-Kri­se lei­den wird. Denn die umsatz­star­ke Liga von der Insel war stets der Trei­ber in der Ent­wick­lung. Die ande­ren euro­päi­schen Kon­kur­renz­li­gen aus Ita­li­en, Spa­ni­en und Frank­reich sind bereits stark betrof­fen. Die spa­ni­sche Pri­me­ra Divi­si­on hat den Spiel­be­trieb auf unbe­stimm­te Zeit ein­ge­stellt. Im Eis-hockey und Bas­ket­ball hat man die beson­de­re Situa­ti­on, dass die vie­len nord­ame­ri­ka­ni­schen Spie­ler ihre Ver­trä­ge auf­ge­löst und sich in ihre Hei­mat­län­der ver­ab­schie­det haben. In Tei­len muss hier ohne­hin ein Neu­auf­bau der Kader statt­fin­den, des­sen Aus­gang noch unge­wiss ist.

Die Spen­de von Leip­zig, Bay­ern, Dort­mund und Lever­ku­sen – ist das nur PR? Zumal die Ver­ei­ne 12,5 der 20 Mio. Euro nicht direkt aus den Ver­eins­kas­sen zah­len, son­dern aus DFL-Rück­la­gen.

Zunächst habe ich mich gewun­dert und auch etwas gefreut, dass die Cham­pions League-Teil­neh­mer aus der Fuß­ball-Bun­des­li­ga aus frei­en Stücken auf die letz­te Tran­che der TV-Gel­der ver­zich­ten plus eine gewis­se Zusatz­zah­lung. Auf den zwei­ten Blick ist es aber in Pro­zent­punk­ten vom Gesamt­um­satz kein gro­ßer Ver­zicht für die­se Spit­zen­klubs. Auch ist noch unklar, ob die Inha­ber der TV-Rech­te die vol­le Sum­me zah­len wer­den. Denn die Lei­stung hier­für, näm­lich mit­rei­ßen­de Spie­le vor begei­ster­ten Zuschau­ern im Sta­di­on, kann ja nicht in vol­lem Umfang erfüllt wer­den. Man muss, wenn über­haupt, die Sai­son wohl vor lee­rer Kulis­se zu Ende spie­len. Die gro­ße Soli­da­ri­tät war das noch nicht. Böse inter­pre­tiert war es ein geschick­ter Schach­zug, um erwart­ba­ren For­de­run­gen nach einem Aus­gleichs­fonds pro­ak­tiv ent­ge­gen­zu­kom­men. Posi­ti­ver gese­hen ist es ein löb­li­cher Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung.