Frau­en­tag: So groß sind die Lohn­un­ter­schie­de zwi­schen den Geschlech­tern im Kreis Kulm­bach

Frau­en­tag am 8. März – Gewerk­schaft NGG kri­ti­siert Lohn­lücke: Im Kreis Kulm­bach ver­die­nen Frau­en 420 Euro weni­ger als Män­ner

Sie arbei­ten genau­so lang, zie­hen aber beim Ver­dienst den Kür­ze­ren: Frau­en, die im Land­kreis Kulm­bach eine Voll­zeit-Stel­le haben, ver­die­nen rund 420 Euro weni­ger im Monat als ihre männ­li­chen Kol­le­gen. Dar­auf hat die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten zum Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag am 8. März hin­ge­wie­sen. Die NGG beruft sich dabei auf aktu­el­le Zah­len der Bun­des­agen­tur für Arbeit. Danach liegt das durch­schnitt­li­che Voll­zeit-Ein­kom­men von Frau­en im Kreis Kulm­bach aktu­ell bei 2.737 Euro im Monat – Män­ner mit der glei­chen Arbeits­zeit kom­men auf 3.152 Euro. Das macht einen Unter­schied von 13 Pro­zent.

„Es kann nicht sein, dass Frau­en auf dem Arbeits­markt noch immer so stark benach­tei­ligt sind. Vie­le Unter­neh­men in der Regi­on nut­zen das Lohn­ge­fäl­le aus, obwohl sie mehr zah­len müss­ten“, kri­ti­siert Micha­el Grundl von der NGG-Regi­on Ober­fran­ken. Beson­ders pro­ble­ma­tisch sei die Situa­ti­on in frau­en­do­mi­nier­ten Beru­fen – etwa im Ser­vice einer Gast­stät­te oder im Ver­kauf einer Bäcke­rei. Wenn hier nicht nach Tarif gezahlt wer­de, trä­fen nied­ri­ge Löh­ne häu­fig auf Teil­zeit­jobs und befri­ste­te Stel­len. „Die Fol­ge sind gerin­ge Ein­kom­men und im Alter Mini-Ren­ten, die Frau­en dann beim Amt auf­stocken müs­sen“, so Grundl.

Nach Ein­schät­zung des Gewerk­schaf­ters dürf­te der tat­säch­li­che „Gen­der Pay Gap“, die Lohn­lücke zwi­schen den Geschlech­tern, im Land­kreis Kulm­bach bei deut­lich über 13 Pro­zent lie­gen. „Bezieht man Teil­zeit­stel­len und Mini­jobs in die Rech­nung ein, wird die Kluft noch grö­ßer. Denn hier arbei­ten mehr Frau­en als Män­ner. Zugleich sind die Löh­ne im Schnitt deut­lich nied­ri­ger“, sagt der NGG-Geschäfts­füh­rer. Das zei­ge sich gera­de im Gast­ge­wer­be: Nach Anga­ben der Arbeits­agen­tur wer­den im Kreis aktu­ell 69 Pro­zent aller Teil­zeit- und Mini­jobs in der Bran­che von Frau­en erle­digt.

„Hin­zu kommt, dass noch immer zu vie­le Frau­en zu Hau­se blei­ben – nicht zuletzt auch, weil das Ehe­gat­ten-Split­ting bei der Steu­er die Rol­len­tei­lung ver­stärkt“, so Grundl. Damit gehe dem hei­mi­schen Arbeits­markt eine gro­ße Chan­ce durch die Lap­pen. Mit Blick auf die Alte­rung der Gesell­schaft und den Fach­kräf­te­man­gel müss­ten eigent­lich schon heu­te viel mehr Frau­en ins Berufs­le­ben ein­stei­gen.

Die NGG for­dert die Unter­neh­men auf, die unter­schied­li­che Bezah­lung von Frau­en und Män­nern in ver­gleich­ba­ren Posi­tio­nen zu been­den. Auch die Poli­tik sei gefor­dert. „Statt immer neu­er Lip­pen­be­kennt­nis­se zum Frau­en­tag brau­chen wir einen gesetz­li­chen Anspruch auf glei­ches Geld für gleich­wer­ti­ge Arbeit, der Wir­kung zeigt und in den Betrie­ben zwin­gend umge­setzt wer­den muss. Alles ande­re ist im Jahr 2020 von vor­ge­stern“, so Grundl.