Bam­ber­ger Vol­ker-Hin­ni­ger-Preis 2020 geht an Ste­fa­nie Brehm

Ste­fa­nie Brehm erhält den Vol­ker-Hin­ni­ger-Preis 2020 / Foto: Pri­vat

Der Senat für Bil­dung, Kul­tur und Sport der Stadt Bam­berg hat die Ent­schei­dung der Jury befür­wor­tet, den der­zeit mit einem Preis­geld von 3.000 € dotier­ten Vol­ker-Hin­ni­ger-Preis 2020 der Künst­le­rin Ste­fa­nie Brehm zu ver­lei­hen.

Ste­fa­nie Brehm (*1980 in Bam­berg) begann ihre künst­le­ri­sche Lauf­bahn 2002 mit einer Aus­bil­dung zur Kera­mi­ke­rin an der Berufs­fach­schu­le für Kera­mik in Lands­hut. Die Aus­rich­tung auf Kera­mik bestimm­te auch das Stu­di­um an der Aka­de­mie der Bil­den­den Kün­ste in Mün­chen ab 2006 bei Nor­bert Pran­gen­berg, das sie 2016 mit einem Diplom abschloss.

Ste­fa­nie Brehm hat sich ganz inten­siv der Kera­mik ver­schrie­ben: weg von der Gebrauchs­wa­re, weg von Funk­tio­na­li­tät zum frei­en Kunst­ob­jekt. Nach anfäng­li­chen expe­ri­men­tel­len Stu­di­en im Bereich pla­sti­scher Gestal­tung aus Ton sowie Erfah­run­gen in Per­for­mance Kunst wid­met sie sich der Her­stel­lung far­bi­ger Säu­len unter­schied­lich­ster Grö­ßen. Die­se ent­ste­hen in ein­zel­nen Wachs­tums­schrit­ten auf der Dreh­schei­be. Nach dem ersten Brand wird die Säu­le mit far­bi­ger Gla­sur über­zo­gen, ein auf­wän­di­ger Akt, der den kon­trol­lier­ten Zufall, das Unvor­her­seh­ba­re als Mit­spie­ler ein­be­zieht, wir­ken die­se auf­ge­sprüh­ten Far­ben nach dem Brand doch ganz anders als beim Auf­tra­gen. Im fer­ti­gen Zustand begeg­nen sich die Kraft der Grund­form und die Schön­heit der Gla­sur.

Im Namen der Jury begrün­det Dr. Bar­ba­ra Kah­le die Ent­schei­dung fol­gen­der­ma­ßen: Ste­fa­nie Brehms Arbei­ten zei­gen, dass die Kera­mik eine Wech­sel­wir­kung zwi­schen Male­rei, Bild­haue­rei und Objekt­kunst ent­fal­tet und die ver­schie­de­nen Gat­tun­gen ver­eint. Mal farb­kräf­tig, mal zart schil­lernd erin­nern Far­ben und Moti­ve bis­wei­len an Graf­fi­ti, gestisch gesetz­te Farb­kom­po­si­tio­nen und ein star­ker Duk­tus sind imstan­de, immer wie­der neue Far­ben­spie­le zu ent­fes­seln.”

Far­be zur Gel­tung zu brin­gen und das in direk­ter Unmit­tel­bar­keit, ist auch das The­ma von Ste­fa­nie Brehms zwei­tem künst­le­ri­schen Feld: den groß­flä­chi­gen, reli­ef­ar­ti­gen Bil­dern aus Kunst­stoff (Poly­ure­than). „Die­se Farb­stücke bre­chen in kul­tu­rell tra­dier­te Sicht­wei­sen und kunst­hi­sto­risch fest­ge­leg­te Gat­tun­gen ein, ohne aber ihre Bezie­hung zur abstrak­ten Male­rei der Gegen­wart wie zur Pla­stik gänz­lich auf zu geben”, so Kah­le wei­ter. „Es han­delt sich um halb­trans­pa­ren­te, für sich sei­en­de fla­che Objek­te in dyna­misch krei­sen­den For­men oder Dia­go­nal­be­we­gun­gen, die im Glanz des Mate­ri­als und den sich inein­an­der ver­men­gen­den Farb­räu­men eine beson­de­re Aura ent­fal­ten.

Ste­fa­nie Brehms Krea­ti­vi­tät und Leich­tig­keit im Umgang mit so unter­schied­li­chen Mate­ria­li­en wie der alt­her­ge­brach­ten Kera­mik einer­seits und neu­en Werk­stof­fen wie dem Poly­ure­than, das mühe­lo­se Auf­bre­chen fest­ge­leg­ter Gat­tungs­gren­zen hat die Jury über­zeugt, sie für den Vol­ker-Hin­ni­ger-Preis 2020 vor­zu­schla­gen.”

Vol­ker Hin­ni­ger

Der Vol­ker-Hin­ni­ger-Preis wird seit 1992 in zwei­jäh­ri­gem bzw. seit dem Jahr 2002 in drei­jäh­ri­gem Tur­nus ver­lie­hen. 1990 hat­te die Bam­ber­ge­rin Gre­tel Hin­ni­ger den Preis gestif­tet, zum Geden­ken an ihren 1988 ver­un­glück­ten Sohn, den Künst­ler Vol­ker Hin­ni­ger. Der Preis soll der För­de­rung jun­ger Künst­ler die­nen. Laut Stif­tungs­sat­zung wird der Preis an eine jun­ge Künst­le­rin bzw. einen jun­gen Künst­ler ver­lie­hen, die/​der zum Zeit­punkt der Preis­ver­lei­hung nicht älter als 41 Jah­re sein darf. Der Preis ist aus­schließ­lich auf die bil­den­de Kunst beschränkt. Die Jury­mit­glie­der stel­len mög­li­che Kandidatinnen/​Kandidaten in der Jury­sit­zung vor. Die Höhe des Preis­gel­des errech­net sich aus den Erträ­gen des Schen­kungs­ka­pi­tals. Die Preis­ver­lei­hung ist meist mit einer Aus­stel­lung der Wer­ke der Preisträgerin/​des Preis­trä­gers in der Stadt­ga­le­rie Bam­berg – Vil­la Des­sau­er ver­bun­den. Ste­fa­nie Brehm wird ihre Wer­ke dort vom 13. Dezem­ber 2020 bis zum 17. Janu­ar 2021 aus­stel­len.