Hei­tec Vol­leys Elt­mann sie­gen vor 300 Zuschau­ern im Heim­spiel gegen die Netzhop­pers

Über­ra­gen­der Scorer: Elt­manns Richard Pee­mül­ler erspielt sich mit 32 Punk­ten die MVP Gold­me­dail­le Bild­rech­te: © Foto Dani­el Löb für HEI­TEC VOL­LEYS”

Spiel­be­richt HEI­TEC VOL­LEYS Elt­mann – Netzhop­pers Königs Wuster­hau­sen; Haupt­run­de Män­ner

Ach­ter­bahn der Gefüh­le: Elt­mann siegt über sich selbst

Es war kein hoch­klas­si­ges, aber ein sehr dra­ma­ti­sches Match am frü­hen Sonn­tag­abend in der Georg Schä­fer-Hal­le in Elt­mann. Nur 300 Zuschau­er woll­ten es sich trotz strah­len­den Son­nen­scheins nicht neh­men las­sen, ihre HEI­TEC VOL­LEYS anzu­feu­ern. Und sie kamen auf ihre Kosten: vol­le 2:17 Stun­den lang ging die Ach­ter­bahn­fahrt, die Mann­schaft und Zuschau­er ziem­lich rüt­tel­te und schüt­tel­te. Am Ende fei­er­ten sich die Main­fran­ken unten am Court und oben auf der Tri­bü­ne für ihren 3:2 Sieg gegen die Netzhop­pers. Und für die Ner­ven­stär­ke im ersten Satz mit Über­län­ge, das Come­back im vier­ten Durch­gang und ihr kon­se­quen­tes Spiel im packen­den Tie­break.

Mit 32 Zäh­lern, davon 10 wich­ti­gen Bre­ak­punk­ten, und einer Angriffs­quo­te von 62%, löste Dia­go­nal­an­grei­fer Richard Pee­mül­ler sei­nen selbst­kri­ti­schen Anspruch von Mit­te der Woche voll und ganz ein. Nach dem miss­ra­te­nen Spiel in Gie­sen hat­te er gefor­dert, dass man im Spiel gegen die Bran­den­bur­ger frech und kämp­fe­risch auf­tre­ten müs­se. Von Zuspie­ler Mer­ten Krü­ger in Sze­ne gesetzt, riss Pee­mül­ler mit sei­ner kämp­fe­ri­schen Lei­stung und vor allem einer posi­tiv aggres­si­ven Kör­per­spra­che das gesam­te Team mit sich und kas­sier­te zu Recht die MVP Gold-Medail­le als bester Spie­ler des Abends ein.

Das gebrauch­te Mitt­wochs­spiel in Gie­sen in den Kno­chen, Stamm­spie­ler Irfan Ham­za­gic wei­ter nicht ein­satz­be­reit, Tobi­as Wer­ner bis Sonn­tag noch krank­ge­schrie­ben. Dann knick­te am Frei­tag­abend der bereits am Rücken labo­rie­ren­de Außen­an­grei­fer Car­los Ant­o­ny im Trai­ning um. Es brauch­te kei­nen Kaf­fee­satz-Ana­ly­sten, um auf eine schwie­ri­ge Aus­gangs­la­ge der Main­fran­ken für das Match gegen die bran­den­bur­gi­schen Gäste zu tip­pen. Zudem durf­ten sich die Netzhop­pers mit ihrem vor­her­ge­hen­den Sieg gegen Lüne­burg berech­tig­te Hoff­nun­gen machen, in Elt­mann den sieb­ten Tabel­len­platz und damit die Play­offs-Chan­cen wei­ter zu festi­gen.

Den­noch star­te­ten die ver­blei­ben­den 9 Elt­man­ner und Head­coach Mar­co Donat mutig in die Par­tie, um nach einem 4:2 und 6:3 mit 8:6 in die erste Aus­zeit zu gehen. Bis 14:10 bestimm­te Elt­mann das Spiel­ge­sche­hen, doch bei 16:14 waren die Netzhop­pers wach­ge­wor­den und wehr­ten sich. Es ent­wickel­te sich ein span­nen­des Spiel und bis 20:17 konn­te sich kei­nes der bei­den Teams wirk­lich abset­zen.

In der crunch time kam Pee­mül­ler auf Betriebs­tem­pe­ra­tur, der 22jährige Dresd­ner avan­cier­te im letz­ten Satz­ab­schnitt zum ner­ven­star­ken Dia­go­nal­an­grei­fer und leg­te ab 24:22 mit gan­zen vier Satz­ball­punk­ten vor. Die Gäste aus Bran­den­burg hiel­ten jedoch bis 30:30 dage­gen, dann mar­kier­te Pee­mül­ler sei­nen fünf­ten Satz­ball und leg­te mit eige­nem Auf­schlag vor. In der fol­gen­den, lan­gen Ral­lye behal­ten die Main­fran­ken die Ner­ven und Fil­ho deckelt mit einem sat­ten Block den ersten Durch­gang mit 32:30 für die Gast­ge­ber.

Elt­mann mach­te auch im zwei­ten Satz bel­la figu­ra – bis 4:1. Dann berap­pel­ten sich die Dah­me­län­der und gli­chen aus. Bei 8:6 noch knapp in Füh­rung, ver­lo­ren die HEI­TEC VOL­LEYS deut­lich an Fahrt und über 9:10, 10:14 12:16, 14:19 und 17:24 domi­nier­ten nun die Netzhop­pers das Spiel­ge­sche­hen. Auch Libe­ro Shun­suke Watan­a­be konn­te mit einer tol­len Lauf­ar­beit nicht mehr viel zum Satz­er­geb­nis bei­tra­gen. Pee­mül­ler wehr­te den ersten Satz­ball noch ab, doch beim zwei­ten Ver­such sind die Bran­den­bur­ger erfolgt, 18:25 und damit 1:1 nach Sät­zen.

Die 10min-Pau­se nutz­ten bei­de Teams für eine erste tak­ti­sche Ana­ly­se in ihren Kabi­nen. Jedoch nutz­te Königs Wuster­hau­sen den Lauf aus dem vor­her­ge­hen­den Satz und star­te­te gleich mit 1:5 in die näch­ste Run­de. Und die­sen Rück­stand konn­ten die Fran­ken nicht mehr zurück­ho­len. Mit 3:8 ging es in die erste tech­ni­sche Aus­zeit und bei 5:9 schie­nen die Gast­ge­ber end­lich auf­zu­wa­chen, denn Tomas Halan­da und Jonas Sag­stet­ter über Außen, Mit­tel­blocker Roo­se­welt Fil­ho und – klar- Pee­mül­ler wehr­ten sich mit aller Kraft gegen die Domi­nanz der Bran­den­bur­ger. Fil­ho schaff­te bei 18:21 ein wich­ti­ges Break mit sei­nem Ass auf die Sei­ten­li­nie, doch das Team von Chef­trai­ner Mir­ko Culic schal­te­te einen Gang höher und stell­te auf 19:23 und dann auf 21:24. Jur­ko­vics wehr­te sich noch ein­mal (22:24), doch auch hier sitzt der zwei­te Satz­ball und das 22:25 nur die Kon­se­quenz des anfäng­li­chen Punk­te­rück­stands.

Die Fans der HEI­TEC VOL­LEYS hat­ten das Spiel wohl schon abge­schrie­ben, doch sie­he da: ein Ruck schien durch das Team gegan­gen zu sein und Elt­mann mach­te end­lich wie­der das, was man sich in der Woche vor­ge­nom­men hat­te. Mutig star­te­ten sie in den vier­ten Satz und leg­ten bis zum 6:2 sehr ordent­lich vor. Spie­gel­bild­lich zum zwei­ten Satz: die Netzhop­pers kon­ter­ten und waren bei 8:7 wie­der da. Sie nutz­ten das Momen­tum für eine zwi­schen­zeit­li­che 9:12, konn­ten aber bei 12:12 wie­der ein­ge­fan­gen wer­den. Uner­klär­lich die nun blank lie­gen­den Ner­ven bei den Gästen, denn rei­hen­wei­se gin­gen die Auf­schlä­ge bei den Gästen dane­ben. Selbst der sonst stoi­sche Haupt­an­grei­fer Casey Adam Schou­ten schüt­tel­te ungläu­big den Kopf, als auch sein Auf­schlag mit­ten im Netz zap­pel­te. In der anschlie­ßen­den wich­ti­gen Pha­se des Spiels über­zeug­ten wie­der­um Fil­ho und ein­mal mehr Pee­mül­ler, der mit sechs Punk­ten in der zwei­ten Satz­hälf­te toll ablie­fer­te. Die Geschich­te des sieg­rei­chen vier­ten Sat­zes wäre aber ohne Mat­hä­us Jur­ko­vics Ner­ven­stär­ke an der Auf­schlag­li­nie nicht voll­stän­dig erzählt. Bei 13:13 ging der 21 Jah­re alte öster­rei­chi­sche Natio­nal­spie­ler an die Auf­schlag­li­nie. Sei­ne Spe­zia­li­tät: der Flat­ter­auf­schlag. Jur­ko­vics Ner­ven flat­ter­ten nicht, der Ball sehr wohl – fünf lupen­rei­ne Floats lie­fer­te der 2,11 m gro­ße Mit­tel­blocker ab, sorg­te für mäch­ti­ges Rumo­ren in der Annah­me der Netzhop­pers und lie­fer­te für vier Punk­te in Fol­ge die per­fek­te Vor­la­gen, für die sich Fil­ho und Pee­mül­ler im Block bzw. im Gegen­an­griff bedank­ten. Die Main­fran­ken tank­ten durch die Mini-Serie bis 17:13 ordent­lich Selbst­be­wusst­sein, die­sen gei­sti­gen „Sprit“ wur­de durch die die toben­de Hal­le zusätz­lich zu hoch­pro­zen­ti­gem Oktan ver­edelt. Damit zün­de­ten die HEI­TEC VOL­LEYS die Nach­bren­ner, um nichts mehr anbren­nen zu las­sen. Beson­ders wir­kungs­voll war die prak­ti­zier­te Mischung aus Här­te und Köpf­chen beim Auf­schlag bzw. gegen den Bran­den­bur­ger Block. Halan­da hat­te sei­nen Ser­vice erfolg­reich umge­stellt und Pee­mül­ler zeig­te viel Spiel­über­blick mit dem wei­chen Lob über die geg­ne­ri­sche Wand. Über 19:15 und 22:18 pirsch­te sich Elt­mann an den kaum mehr geglaub­ten Tie­break her­an, bei 22:19 nutz­te Donat die Aus­zeit für letz­te tak­ti­sche Ansa­gen. Pee­mül­ler leg­te bei 24:22 zum Satz­ball vor, doch Königs Wuster­hau­sen beißt zurück und ver­kürzt auf 24:22. Sym­pto­ma­tisch dann der letz­te Auf­schlag der Gäste: der Ball geht ins Aus und Elt­mann steht mit 25:22 im Tie­break.

Der ent­schei­den­de Satz die näch­ste Berg- und Tal­fahrt in einer Ach­ter­bahn vol­ler Gefüh­le. Bei­de Teams hell­wach und wild ent­schlos­sen, den zwei­ten Punkt für die Tabel­le mit­zu­neh­men. Ent­spre­chend wog­te das Spiel hin und her, Krü­gers ent­schlos­sen gedrück­ter Ball gegen West­phal sorg­te mit einem hauch­dün­nen 8:7 für den Sei­ten­wech­sel. Auch danach war es kein Spiel für schwa­che Ner­ven, denn bis 12:12 woll­te kei­ner nach­ge­ben, Elt­mann pro­fi­tier­te dabei mäch­tig von sei­nen Fans, die ihr Team förm­lich nach vor­ne schrien und trom­mel­ten. Erst Fil­hos und Haland­as Dop­pel­block gegen Schou­ten reißt die Tür auf, es steht 13:12 und nur noch zwei Punk­te feh­len bis zum Sieg. Wie­der gehen bei den Netzhop­pers die Ner­ven durch, denn der Angriff fliegt ohne Block­be­rüh­rung ins Elt­man­ner Aus, Match­ball und letz­te Aus­zeit von Mir­ko Culic. Jetzt steht die gan­ze Hal­le: Fil­ho schlägt auf, West­phal nimmt an und der Pass geht über Kopf zu Schou­ten. Und der wird wie­der fett durch Halan­da geblockt, der Ball prallt kei­ne 2m hin­ter dem Netz auf! Halan­da dreht sich um, reißt die Arme nach oben und schreit alle sei­ne Emo­tio­nen her­aus, denn sein Punkt mar­kiert den 3:2 Sieg und das Come­back der HEI­TEC VOL­LEYS gegen die Netzhop­pers Königs Wuster­hau­sen.

SIL­BER MVP bei den Netzhop­pers Königs Wuster­hau­sen wird Casey Adam Schou­ten (#3), GOLD MVP bei den HEI­TEC VOL­LEYS Elt­mann Richard Pee­mül­ler mit der #10.

State­ments von HEI­TEC VOL­LEYS Elt­mann Head­coach Mar­co Donat und MVP GOLD-Gewin­ner Richard Pee­mül­ler (#10):

GOLD MVP Richard Pee­mül­ler: „Ich bin sehr glück­lich über den heu­ti­gen Sieg. Stolz bin ich auf das Team, dass wir trotz des enor­men Drucks, der wir hat­ten, den Sieg in Elt­mann behal­ten konn­ten. Ich hof­fe, dass wir in den näch­sten Spie­len frü­her auf Betriebs­tem­pe­ra­tur kom­men und kon­stan­ter spie­len. Wenn wir unter der Woche hart dar­an arbei­ten, kön­nen wir unser Ziel, den sport­li­chen Klas­sen­er­halt schaf­fen. Heu­te genie­ßen wir den Sieg und ab mor­gen wird wie­der hart gear­bei­tet!“

Mar­co Donat: „Uns fal­len eini­ge Stei­ne vom Her­zen, denn wir woll­ten uns nach dem Gie­sen-Spiel vor unse­ren Fans in Elt­mann reha­bi­li­tie­ren. Das haben wir heu­te geschafft. Es war ein sehr star­kes Kampf­spiel, was zwi­schen­zeit­lich von viel Ner­vo­si­tät auf bei­den Sei­ten geprägt war. So ein Match gewinnt man nur mit fan­ta­sti­schen Fans im Rücken und das hat­ten wir heu­te. Das war ein aus­schlag­ge­ben­der Fak­tor neben unse­ren jun­gen Spie­lern, die frech und frei auf­ge­spielt haben. Allen vor­an natür­lich Richard Pee­mül­ler, der heu­te ver­dient die Gold-Medail­le bekom­men hat und mit sei­nen fan­ta­sti­schen Wer­ten Garant für den Sieg gegen die Netzhop­pers war.“

HEI­TEC VOL­LEYS Elt­mann – Netzhop­pers Königs Wuster­hau­sen; Haupt­run­de Män­ner

  • Sams­tag, 01.März 2020, 17:00 Uhr, Georg-Schä­fer-Hal­le Elt­mann
  • Spiel­stand: 3:2 I 32:30 18:25 22:25 25:22 15:12 I Spiel­mi­nu­ten: 117 min I Zuschau­er: 305
  • MVP GOLD: HEI­TEC VOL­LEYS Elt­mann #10 Richard Pee­mül­ler
  • MVP SIL­BER: Netzhop­pers Königs Wuster­hau­sen #3 Casey Adam Schou­ten
  • Start­auf­stel­lung Elt­mann: Sag­stet­ter, Fil­ho, Krü­ger, Halan­da, van der Ent, Pee­mül­ler
  • Start­auf­stel­lung Haching: Tim­mer­mann, Uteau, Schou­ten, West­phal, Ofaha, Herr