Bam­ber­ger Poli­tik-Exper­te: Deutsch­land erlebt eine „poli­ti­sche Pola­ri­sie­rung“

Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Tho­mas Saal­feld gibt Denk­an­stö­ße, wie man die­se Kluft über­win­den kann. Jede und jeder ist gefragt.

Die Spal­tung in der deut­schen Poli­tik und Gesell­schaft tritt immer deut­li­cher zuta­ge: Wird etwa FDP-Poli­ti­ker Tho­mas Kem­me­rich mit Stim­men der AfD zum Vor­sit­zen­den des Thü­rin­ger Mini­ster­prä­si­den­ten gewählt, reagie­ren vor allem gemä­ßig­te Par­tei­en dar­auf mit schar­fer Ableh­nung. Was sind die Ursa­chen für eine Pola­ri­sie­rung wie die­se – und wie könn­te man sie über­win­den? Prof. Dr. Tho­mas Saal­feld, Inha­ber des Lehr­stuhls für Ver­glei­chen­de Poli­tik­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät Bam­berg, erklärt:

„In Deutsch­land erle­ben wir der­zeit ein hohes Maß an poli­ti­scher Pola­ri­sie­rung zwi­schen links und rechts, ins­be­son­de­re durch das Auf­tre­ten der AfD. Wir sehen die Pola­ri­sie­rung auf Demon­stra­tio­nen, in sozia­len Medi­en und Par­la­men­ten. Das ist kein ein­zig­ar­tig deut­sches Phä­no­men. Wir beob­ach­ten es in den mei­sten demo­kra­ti­schen Indu­strie­ge­sell­schaf­ten. In der For­schung haben wir fest­ge­stellt, dass es dafür tie­fer­ge­hen­de und all­ge­mei­ne gesell­schaft­li­che Ursa­chen gibt: zuneh­men­de Ungleich­heit zwi­schen den Ein­kom­men, zwi­schen beruf­li­cher Sicher­heit und pre­kä­rer Beschäf­ti­gung, zwi­schen Stadt und Land. Des­we­gen wäre es zu kurz gegrif­fen, nur auf poli­ti­scher Ebe­ne Lösun­gen anzu­set­zen.

Ich glau­be, die Pola­ri­sie­rung kann nur dadurch über­wun­den wer­den, dass zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen die Men­schen wie­der mit­ein­an­der ins Gespräch brin­gen. Ver­ei­ne, Gewerk­schaf­ten, Par­tei­en oder auch Kir­chen könn­ten mehr und offe­ne­re dis­kur­si­ve Are­nen schaf­fen, in denen Kon­flik­te aus­ge­tra­gen wer­den. Man sieht zum Bei­spiel an der Kom­mu­nal­po­li­tik in den USA, dass es sehr gut funk­tio­nie­ren kann, wenn Bür­ge­rin­nen und Bür­ger über kon­kre­te loka­le Pro­ble­me dis­ku­tie­ren. Sie erar­bei­ten zusam­men Lösungs­vor­schlä­ge und set­zen die­se durch die Ver­wal­tung der jewei­li­gen Kom­mu­ne um. Wich­tig ist, dass es sich nicht um ein Erzie­hungs­in­stru­ment han­delt, son­dern dass Bür­ge­rin­nen und Bür­ger bes­ser an kon­kre­ten Ent­schei­dun­gen betei­ligt wer­den. Offe­ne Ent­schei­dungs­pro­zes­se kön­nen dazu bei­tra­gen, die gro­ße Kluft in unse­rer Gesell­schaft zu über­win­den.“

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