MdB Andre­as Schwarz zu Besuch im Kli­ni­kum Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz

Liqui­di­tät der Kran­ken­häu­ser erhal­ten

Eine Rech­nung zu prü­fen ist ein all­täg­li­cher Vor­gang: Wur­den die ver­ein­bar­ten Lei­stun­gen erbracht, der gewünsch­te Arti­kel gelie­fert? Wenn alles stimmt, zahlt der Auf­trag­ge­ber den Rech­nungs­be­trag. Ungleich kom­ple­xer gestal­ten sich Abrech­nun­gen im Gesund­heits­we­sen, beson­ders wenn es um Ver­gü­tun­gen von Kran­ken­haus­lei­stun­gen durch die Kran­ken­kas­sen geht.

Das MDK-Reform­ge­setz, wel­ches zum 1.1.2020 in Kraft getre­ten ist, soll hier Abhil­fe schaf­fen. Die Idee, die hin­ter der Reform steht: Die Dien­ste, die die erbrach­ten Kran­ken­haus­lei­stun­gen prü­fen sowie deren Abrech­nung mit den Kran­ken­kas­sen, sol­len künf­tig als eigen­stän­di­ge Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts ein­heit­lich unter der Bezeich­nung „Medi­zi­ni­sche Dien­ste” (MD) geführt wer­den und damit unab­hän­gi­ger von den Kran­ken­kas­sen wer­den.

Ver­wal­tungs­wahn­sinn

Chefarzt der Allgemeinchirurgie Dr. Bernhard Drummer, Geschäftsführer Sven Oelkers, MdB Andreas Schwarz, Oberbürgermeister Dr. Uwe Kirschstein, Medizincontroller Thomas Grüner beim Prüfenden Dialog mit Vertretern des MD (nicht im Bild) der abgerechneten Fälle. © Franka Struve/Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz

Chef­arzt der All­ge­mein­chir­ur­gie Dr. Bern­hard Drum­mer, Geschäfts­füh­rer Sven Oel­kers, MdB Andre­as Schwarz, Ober­bür­ger­mei­ster Dr. Uwe Kirsch­stein, Medi­zin­con­trol­ler Tho­mas Grü­ner beim Prü­fen­den Dia­log mit Ver­tre­tern des MD (nicht im Bild) der abge­rech­ne­ten Fäl­le. © Fran­ka Struve/​Klinikum Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz

MdB Andre­as Schwarz (SPD), Mit­glied im Haus­halts­aus­schuss und Rech­nungs­prü­fungs­aus­schuss, der für das Amt des Land­ra­tes im Land­kreis Bam­berg zur Kom­mu­nal­wahl 2020 kan­di­diert, nahm einen Vor­mit­tag lang an der Prü­fung von 50 Fäl­len, also der Kran­ken­haus­be­hand­lung von 50 sta­tio­nä­ren Pati­en­ten, teil. Für die­se exem­pla­ri­schen Abrech­nun­gen des Kli­ni­kums Forch­heim mit einem Gesamt­vo­lu­men von rund 270.000 Euro wur­de der Medi­zi­ni­sche Dienst Bay­ern mit einer ärzt­li­chen, gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­me beauf­tragt, das heißt, die­se Abrech­nun­gen sind von der Kran­ken­kas­se zur Prü­fung an den MD gege­ben wor­den. Die­ser prüft dann vor Ort in den Kli­ni­ken die abge­rech­ne­ten Fäl­le, ob die ange­ge­be­nen Lei­stun­gen auch tat­säch­lich doku­men­tiert und erbracht wor­den sind. Andre­as Schwarz fasst sei­ne Ein­drücke zusam­men: „Wir trei­ben uns in den Ver­wal­tungs­wahn­sinn!“

Auf­rech­nungs­ver­bot muss gel­ten

Er sieht zwei Berei­che, die modi­fi­ziert wer­den müs­sen: Die strik­te gesetz­li­che Ver­an­ke­rung, dass die gestell­ten Kran­ken­haus­rech­nun­gen von den Kran­ken­kas­sen voll­stän­dig (ohne Abschlag oder Ein­be­halt) gezahlt wer­den müs­sen, und die Rege­lung der Straf­zah­lung von 300 Euro bei einer Rech­nungs­kor­rek­tur, gera­de wenn es um die Ände­rung der Ver­weil­dau­er oder erbrach­ter Lei­stun­gen geht.

Das MDK-Reform­ge­setz hat eigent­lich zum Ziel die Auf­rech­nung von Rück­for­de­run­gen der Kran­ken­kas­sen gegen Ver­gü­tungs­an­sprü­che der Kran­ken­häu­ser nur noch in fest­ge­leg­ten Aus­nah­me­fäl­len zuzu­las­sen. Auf­grund einer Über­gangs­re­ge­lung der Spit­zen­ver­bän­de der Kran­ken­kas­sen und Kran­ken­häu­ser bis zum Abschluss einer Prüf­ver­fah­rens­ver­ein­ba­rung kön­nen Kran­ken­kas­sen aber wei­ter auf­rech­nen. Im Gegen­zug dür­fen Kran­ken­häu­ser wei­ter­hin Rech­nun­gen nach­kor­ri­gie­ren.

Dies führt dazu, dass den Kran­ken­häu­sern – auch dem Kli­ni­kum in Forchheim–Fränkische Schweiz gGmbH – wert­vol­le Liqui­di­tät ent­zo­gen wird: Das Kran­ken­haus bleibt auf den Kosten der Behand­lung sit­zen und kann nur den teu­ren, lang­wie­ri­gen und unge­wis­sen Kla­ge­weg beschrei­ten. Der Geschäfts­füh­rer des Kli­ni­kums Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz, Sven Oel­kers, fin­det es gut, dass Andre­as Schwarz als Ver­tre­ter und Mit­ent­schei­der des Bun­des­tags sich die Zeit nimmt eine MDK-Prü­fung zu beglei­ten. Damit kann man den Ent­schei­dern in Ber­lin vor Ort zei­gen, wel­che Pro­ble­me in der Pra­xis durch das MDK-Reform­ge­setz in den Kli­ni­ken ent­ste­hen und wo drin­gen­der Ände­rungs­be­darf besteht.

Min­de­stens-300 Euro-Auf­schlag für bean­stan­de­te Kran­ken­haus­rech­nun­gen

Die Geset­zes­än­de­rung des Absatz 3 des § 275 Sozi­al­ge­setz­buch V wird begrün­det: Für Kran­ken­häu­ser wird eine Straf­zah­lung in Höhe von 10 Pro­zent auf die Dif­fe­renz zwi­schen dem ursprüng­lich vom Kran­ken­haus berech­ne­ten Rech­nungs­be­trag und dem nach der Abrech­nungs­prü­fung durch den Medi­zi­ni­schen Dienst geän­der­ten Rech­nungs­be­trag ein­ge­führt, min­de­stens aber 300 Euro. Neben der gestaf­fel­ten Prüf­quo­te soll ein wei­te­rer Anreiz für Kran­ken­häu­ser geschaf­fen wer­den, „regel­kon­for­me“ Rech­nun­gen zu stel­len.

Beim Blick auf die prak­ti­sche Umset­zung stellt Andre­as Schwarz fest: „Die Bean­stan­dung der Rech­nung und damit ein­her­ge­hen­den Straf­zah­lun­gen sind Aus­le­gungs­sa­che und gehen an der medi­zi­ni­schen Rea­li­tät in den Kli­ni­ken vor­bei. Die medi­zi­ni­schen Ent­schei­dun­gen, die vor rund einem drei­vier­tel Jahr – als der Pati­ent sta­tio­när im Kli­ni­kum behan­delt wur­de – getrof­fen wur­den, kann man fach­lich so oder so sehen. Im Nach­hin­ein ist man schlau­er und kann beur­tei­len, ob der Pati­ent hät­te ent­las­sen wer­den kön­nen oder lie­ber noch einen Tag län­ger sta­tio­när blei­ben soll­te. Aber zum Zeit­punkt des Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes lie­gen bei­spiels­wei­se eini­ge Unter­su­chungs­er­geb­nis­se noch nicht vor. Wich­tig ist doch, dass dem Pati­en­ten gehol­fen wird. Wenn eine Wei­ter­be­hand­lung in einem Pfle­ge­heim oder einer Reha­ein­rich­tung nicht naht­los mög­lich ist, kann man nicht die Kli­nik dafür zusätz­lich mit min­de­stens 300 Euro finan­zi­ell bestra­fen.“

Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te wehrt sich dage­gen, dass die Aus­ga­ben für die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung an die Kom­mu­nen dele­giert wer­den: „Wir wer­den immer älter. Wir müs­sen uns der Bela­stung von stei­gen­den Gesund­heits­ko­sten stel­len.“

Hin­ter­grund:

Das Auf­rech­nungs­ver­bot ergibt sich aus § 109 Abs. 6 Satz 1 SGB V:

Gegen For­de­run­gen von Kran­ken­häu­sern, die auf­grund der Ver­sor­gung von ab dem 1. Janu­ar 2020 auf­ge­nom­me­nen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten ent­stan­den sind, kön­nen Kran­ken­kas­sen nicht mit Ansprü­chen auf Rück­for­de­rung gelei­ste­ter Ver­gü­tun­gen auf­rech­nen.

Die Kom­pe­tenz davon abzu­wei­chen hat der Gesetz­ge­ber für GKV-Spit­zen­ver­band und DKG gleich danach in Satz 2 nor­miert:

Die Auf­rech­nung ist abwei­chend von Satz 1 mög­lich, wenn die For­de­rung der Kran­ken­kas­se vom Kran­ken­haus nicht bestrit­ten wird oder rechts­kräf­tig fest­ge­stellt wur­de. In der Ver­ein­ba­rung nach § 17c Absatz 2 Satz 1 des Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes kön­nen abwei­chen­de Rege­lun­gen vor­ge­se­hen wer­den.

Die Ver­ein­ba­rung nach § 17c Absatz 2 Satz 1 KHG ist die PrüfvV. In der Über­gangs-PrüfvV heißt es in § 1 Abs. 3 Satz 2:

Außer­halb eines Prüf­ver­fah­rens vor­ge­nom­me­ne, nach Maß­ga­be der gel­ten­den Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts zuläs­si­ge Auf­rech­nun­gen von Erstat­tungs­an­sprü­chen der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen gegen Ver­gü­tungs­an­sprü­che der Kran­ken­häu­ser sind eben­falls wei­ter­hin mög­lich.