Forch­heim wan­delt sich – Bericht zur Ver­an­stal­tung am 29. Janu­ar 2020

Mit gut 40 Akti­ven und Inter­es­sier­ten war der Ver­net­zungs­abend zu „Forch­heim wan­delt sich“ am 29. Janu­ar im Don Bos­co Stüberl in Forch­heim gut besucht. Die Ver­an­stal­ter, Ener­gie- und Kli­ma-Alli­anz Forch­heim, Katho­li­sche Erwach­se­nen­bil­dung Forch­heim sowie die jun­ge Initia­ti­ve „Tran­si­ti­on Forch­heim“, hat­ten neben ört­li­chen Grup­pie­run­gen auch „Zukunft Göß­wein­stein“ und „Blue­pin­gu Fürth“ für einen Input und Ideen von „Außen“ ein­ge­la­den.

Nach Begrü­ßung durch Kla­ra Gün­ther, der Koor­di­na­to­rin von „Tran­si­ti­on Forch­heim“, berich­te­te Dr​.med. Klaus-Die­ter Preis vom Ver­ein „Zukunft Göß­wein­stein“ und den dor­ti­gen Ent­wick­lun­gen, auch im Zusam­men­hang mit der neu gegrün­de­ten „Öko-Modelle­re­gi­on Frän­ki­sche Schweiz“. „Nicht weni­ge Land­wir­te in der Frän­ki­schen Schweiz füh­ren bereits Bio­be­trie­be oder arbei­ten gezielt regio­nal und tier­ver­träg­lich“, so Preis. Im Rah­men der bei­den letzt­jäh­ri­gen Göß­wein­stei­ner Ver­an­stal­tun­gen wur­den neue Erzeu­ger-Ver­brau­cher-Kon­tak­te geknüpft und den Pro­jekt­ma­na­gern der Öko­mo­dell­re­gi­on konn­ten wich­ti­ge struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen mit­ge­ge­ben wer­den, wie z.B. ein Getrei­de­la­ger, die För­de­rung der Sil­phie­pflan­ze (als Ersatz für den boden­schä­di­gen­den Mais­an­bau) sowie die Idee einer mobi­len Schlach­te­rei. Preis wei­ter: „Vie­le Men­schen haben den Wunsch, über die Land­wirt­schaft hin­aus eine zukunfts­fä­hi­ge, lebens- und enkel­freund­li­che Ent­wick­lung der Frän­ki­schen Schweiz zu errei­chen“. Inter­es­sier­te sind zu einer wei­te­ren Ver­an­stal­tung am 27. Febru­ar, 19 Uhr in den Gast­hof „Zur guten Ein­kehr“ in Mor­schreuth ein­ge­la­den.

Simon Rebit­zer, Kli­ma­schutz­ma­na­ger des Land­krei­ses Erlan­gen-Höchstadt, berich­te­te dann von Blue­pin­gu Fürth und Nürn­berg, einer in Nürn­berg bereits seit vie­len Jah­ren bestehen­de Tran­si­ti­on-Initia­ti­ve, die seit 2018 nun auch in Fürth aktiv ist. Eines der Pro­jek­te ist „SDGs go local“. Ziel ist es, die SDGs, die 17 Nach­hal­tig­keits­zie­le der Ver­ein­ten Natio­nen, „auf die Stra­ße“, d.h. ganz kon­kret unter die Men­schen zu brin­gen. Hier­zu gibt es Modell­pro­jek­te in St. Johan­nis, Nürn­berg, und in der Für­ther Süd­stadt. Dane­ben gibt es die AG Mobi­li­tät (die den Rad­ent­scheid unter­stützt und einen Lasten­rad­ver­leih im Quar­tier auf­baut) und eine AG Gemein­schafts­or­te (ein Stadt­gar­ten­pro­jekt). In Pla­nung befin­det sich das Zero Waste Festi­val Fürth. Geför­dert wird Blue­pin­gu inzwi­schen vom Umwelt­bun­des­amt und einer Nürn­ber­ger Stif­tung, so dass die Akti­vi­tä­ten nicht nur ehren­amt­lich gestemmt wer­den müs­sen, son­dern mit fünf bezahl­ten Stel­len ver­ge­ben wer­den kön­nen.

Weni­ge Tage nach ihrer eige­nen Auf­takt­ver­an­stal­tung in Eber­mann­stadt war auch Stef­fi Anger­stein vom Vor­stand der neu gegrün­de­ten Sola­wi (Soli­da­ri­sche Land­wirt­schaft) bei „Forch­heim wan­delt sich“. „Gemein­schaft­lich und vor Ort unser Gemü­se anbau­en, das möch­te die Sola­wi Eber­mann­stadt e. V.“, so Anger­stein. „Nach ein­ein­halb Jah­ren Vor­be­rei­tungs­zeit beginnt der Anbau im März 2020. Einen ganz kon­kre­ten und akti­ven Bei­trag hier vor Ort wol­len wir lei­sten, mit dem wir Trans­port und Ver­schwen­dung von Lebens­mit­teln ver­mei­den, Ver­packung unnö­tig machen, selbst wie­der erle­ben, wie gefähr­lich ein Salat­kopf lebt, bis er end­lich geges­sen wer­den kann! Das Ern­te­ri­si­ko, das durch die Wit­te­rungs­be­din­gun­gen oder Reh und Hase ent­steht, teilt sich die Gemein­schaft. Der Anbau wird durch einen festen Monats­bei­trag finan­ziert. Ver­trau­en ist die Basis beim Abho­len der Ern­te ein­mal in der Woche.“ Wei­te­re Infos gibt es auf der Web­sei­te der Sola­wi Ebs unter https://​www​.sola​wi​-eber​mann​stadt​.de/.

Chri­sti­na Len­zen stell­te das Repa­ra­tur-Café vor, das, initi­iert von der NATUR­STROM AG und dem Land­rats­amt, seit meh­re­ren Jah­ren in Forch­heim vier­mal im Jahr im Packmer´s statt­fin­det. Ab die­sem Jahr wird das Pro­jekt erwei­tert und es wird sechs zusätz­li­che Sams­tags-Ter­mi­ne im Pfarr­amt der katho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de Ver­klä­rung Chri­sti geben. Len­zen vom Orga­ni­sa­ti­ons­team sagt: „Die Nach­fra­ge am Repa­ra­tur-Café ist groß. Es kom­men immer sehr vie­le Men­schen zu uns, die alte Gegen­stän­de repa­rie­ren las­sen möch­ten. Für die zusätz­li­chen Ter­mi­ne brau­chen wir des­halb drin­gend noch wei­te­re Repa­rie­rer und Repa­rie­re­rin­nen.“ Gesucht wer­den vor allem Elek­tro­ni­ke­rIn­nen, Elek­tri­ke­rIn­nen, Mecha­ni­ke­rIn­nen aber auch Schnei­de­rIn­nen oder Männer/​Frauen mit hand­werk­li­chem Geschick. Inter­es­sier­te kön­nen sich unter transition-​forchheim@​posteo.​de mel­den. Die näch­sten Repa­ra­tur-Café-Ter­mi­ne sind am 8.2. bei Ver­klä­rung Chri­sti und am 10.3. im Packmer´s, jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Eine wei­te­re Initia­ti­ve, die in vie­len Städ­ten und Kom­mu­nen im Rah­men von „Wandel“-Bewegungen ent­steht, näm­lich ein Stadt­gar­ten, gibt es in Forch­heim völ­lig unab­hän­gig von „Tran­si­ti­on“ schon seit 2015. Bewirt­schaf­tet wer­den 25 Hoch­bee­te auf der “Roten Mau­er” zwi­schen Amts­ge­richt und Mar­tin­schu­le. „Alle Ent­schei­dun­gen zum Anbau wer­den gemein­sam getrof­fen. Ange­baut wer­den Gemü­se, Kräu­ter und Blu­men, selbst­ver­ständ­lich ohne Ein­satz von che­misch-syn­the­ti­schen Pesti­zi­den oder Mine­ral­dün­gern“, so Ulri­ke Eich­ler vom Vor­stand. „Die Gärtner*innen tref­fen sich von Früh­jahr bis Herbst ein­mal wöchent­lich im Gar­ten, um die anfal­len­den Arbei­ten in den Hoch­bee­ten zu erle­di­gen. Dane­ben gibt es jeden Tag einen “Gieß­dienst”, denn ohne Bewäs­se­rung funk­tio­niert der Anbau nicht.“ Und Eich­ler ergänzt: “Fri­sche Luft, Natur in der Stadt und etwas Sinn­vol­les mit den eige­nen Hän­den machen, dazu net­te Men­schen – gibt es eine bes­se­re Abwechs­lung zum oft stres­si­gen All­tag?” Trä­ger die­ses Pro­jek­tes ist der För­der­ver­ein Forch­hei­mer Basti­ons­gär­ten e.V., der bereits seit 2001 den Heil­kräu­ter- und Rosen­gar­ten auf der Dern­bach­ba­sti­on pflegt. Die Stadtgärtner*innen sind über Email (info@​stadtgarten-​forchheim.​de) oder face­book zu errei­chen.

Drei wei­te­re neue Pro­jek­te in Forch­heim wur­den von Kat­in­ka Uebel vor­ge­stellt. Nach dem Vor­bild von Kas­sel und Ander­nach sowie der Ewil­pa (Eßba­rer Wild­park von Dr. Mar­kus Strauß in der Nähe von Bay­reuth) gibt es eine Grup­pe, die sich in Forch­heim mit der Idee zu einer „Ess­ba­ren Stadt“ beschäf­tigt. Das Ideen­spek­trum reicht von Baum­pa­ten­schaf­ten über einen Gemein­schaft­sacker bis hin zu Bee­ten oder Hoch­bee­ten für die All­ge­mein­heit oder der Idee, im Stadt­park an geeig­ne­ten Stel­len Wild­obst zu pflan­zen. Hier­zu hat letz­tes Jahr im Herbst eine Bege­hung von Tran­si­ti­on-Mit­glie­dern zur Bestands­auf­nah­me und der Suche nach geeig­ne­ten Flä­chen ent­lang der Basti­ons­mau­er statt­ge­fun­den. Dem­nächst soll ein detail­lier­tes Kon­zept erar­bei­tet wer­den, das der Stadt und dem Gar­ten­bau­amt vor­ge­legt wer­den kann, denn, so Kat­in­ka Uebel, „der Stadt­park hat sein Poten­ti­al noch nicht aus­ge­schöpft“.

Eine ande­re Grup­pe beschäf­tigt sich mit „Tau­schen und Ver­schen­ken“. In Koope­ra­ti­on mit dem Bür­ger­zen­trum / Mehr­ge­nera­tio­nen­haus unter Lei­tung von Frau Reif soll es zu dem bereits bestehen­den Ver­schenk­ba­sar, der seit vie­len Jah­ren ein­mal im Herbst statt­fin­det, ein zusätz­li­cher Ter­min im März geben. „Abhän­gig von der Nach­fra­ge könn­te der Basar auch öfter statt­fin­den. Wir den­ken auch an einen Umsonst­la­den“, so Kat­in­ka Uebel. „Wir wol­len vor­han­de­ne Ange­bo­te, wie z.B. den Rot-Kreuz-Klei­der­la­den, den AWO-Bücher­ba­sar und die Tausch­bör­se des LRA ergän­zen, die Kräf­te bün­deln, zusam­men­ar­bei­ten und ver­net­zen.“

Auf Ideen und Ver­stär­kung hofft, lt. Uebel, der­weil noch eine drit­te Grup­pe, die Lebens­mit­tel ret­ten und damit z.B. gemein­sam kochen möch­te. Die logi­sti­sche Her­aus­for­de­rung hier ist der­zeit noch recht groß und bis­her unbe­wäl­tigt.

Zum Abschluss berich­te­te Emme­rich Huber, Vor­stands­mit­glied der Bür­ger-für-Bür­ger Ener­gie eG, vom ange­dach­ten Car­sha­ring in Forch­heim. Die Orga­ni­sa­ti­on könn­te als Unter­grup­pe des seit vie­len Jah­ren bestehen­den Car­sha­ring in Bam­berg orga­ni­siert und über die Buchungs­platt­form Flinks­ter (Platt­form der Deut­schen Bahn) betrie­ben wer­den. Ange­dacht ist, mit zwei Elek­tro­au­tos zu begin­nen. Dazu wären ca. 50 ernst­haft Inter­es­sier­te in Forch­heim nötig – das ist die Vor­aus­set­zung dafür, dass die Finan­zie­rung gesi­chert ist. Bis­her haben sich bereits 11 Inter­es­sen­ten gemel­det. Das Poten­ti­al wäre in Forch­heim also mit mehr Wer­bung wahr­schein­lich vor­han­den. Was fehlt, so Emme­rich Huber, sei bis­her das Koope­ra­ti­ons­an­ge­bot von Stadt und Stadt­wer­ke Forch­heim: „Wir von der BfB-Ener­gie bie­ten seit fast 3 Jah­ren an, Car­sha­ring in Forch­heim mit Elek­tro­au­tos zu star­ten, das Inter­es­se von Bür­gern ist groß, aber es kommt kein Feed­back, weder von den Stadt­wer­ken, noch von der Stadt­spit­ze. Wir wis­sen nicht, wo es hakt.“

Dabei kann Car­sha­ring eine umwelt­freund­li­che Alter­na­ti­ve sein, gera­de für Bür­ger ohne eige­nes Auto. „Es ist höch­ste Zeit für die­se Dienst­lei­stung, die Idee, Autos zu tei­len – Elek­tro­au­tos fah­ren sich leicht und eher defen­siv – Als Teil eines neu­en Ver­kehrs­kon­zepts zusam­men mit ÖPNV sind sie ide­al– Der Ver­zicht auf das eige­ne Auto ist leicht(er), wenn man im Not­fall, z.B. für Trans­por­te, auf ein Auto zugrei­fen kann – ohne kom­mer­zi­el­len Ver­mie­ter“, so Stim­men aus einer der Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen zu den Mög­lich­kei­ten von Car­sha­ring in Forch­heim.

Wei­te­re Gäste des Abends berich­te­ten z.B. vom Tiny Hou­se Pro­jekt in Stein bei Nürn­berg und vom inte­gra­ti­ven gemein­sa­men Gärt­nern in Lan­gen­sen­del­bach (MiLa = Mit­ein­an­der Land­wirt­schaft).

Die Ver­an­stal­ter waren begei­stert vom Zuspruch und dem Inter­es­se der Besu­cher und hof­fen auf ein Wach­sen der „Wan­del­be­we­gung“ in Stadt und Land­kreis Forch­heim. „Vie­le Men­schen seh­nen sich danach, wie­der im Ein­klang mit ihrer Umwelt zu leben. Das ist spür­bar in den vie­len Initia­ti­ven, ob bei „Zukunft Göß­wein­stein“, Blue­pin­gu, der welt­wei­ten Tran­si­ti­on­be­we­gung oder auch ganz in der Nähe, beim ste­tig wach­sen­den „Forum 1.5“ an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth. Und auch in Forch­heim gibt es vie­le Men­schen, denen ein nach­hal­ti­ger Umgang mit unse­rem Pla­ne­ten und sei­nen Gren­zen am Her­zen liegt“, so Bar­ba­ra Cun­ning­ham von der Ener­gie- und Kli­ma-Alli­anz Forch­heim.

Bar­ba­ra Gabel-Cun­ning­ham