Ober­frän­ki­schen Kri­mi­nal­be­am­ten gelingt Schlag gegen das „Hawa­la-Ban­king“

Gemein­sa­me Pres­se­er­klä­rung des Poli­zei­prä­si­di­ums Ober­fran­ken und der Staats­an­walt­schaft Hof

OBER­FRAN­KEN / MÜN­CHEN / FRANK­FURT A.MAIN / SAAR­BRÜCKEN. Meh­re­re hun­dert­tau­send Euro Bar­geld aus ver­schie­de­nen Quel­len brach­ten eri­trei­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge in den ver­gan­ge­nen Mona­ten von Deutsch­land ins­be­son­de­re nach Ost­afri­ka. Unter Feder­füh­rung der Staats­an­walt­schaft Hof nah­men Beam­te der Kri­mi­nal­po­li­zei­in­spek­ti­on mit Zen­tral­auf­ga­ben (KPI/Z) im Rah­men ihrer Ermitt­lun­gen wegen ille­ga­ler Bank­ge­schäf­te in einer kon­zer­tier­ten Poli­zei­ak­ti­on am Diens­tag ins­ge­samt zehn Per­so­nen vor­läu­fig fest. Drei Män­ner und eine Frau befin­den sich in Unter­su­chungs­haft. Rund 60.000 Euro stell­ten die Beam­ten im Rah­men der Durch­su­chun­gen sicher.

Mit­te April 2019 kon­trol­lier­te eine Strei­fen­be­sat­zung der Bam­ber­ger Ver­kehrs­po­li­zei im Land­kreis Bam­berg einen BMW mit Kenn­zei­chen aus dem Zulas­sungs­be­reich Lim­burg. In dem Auto waren zwei 25- und 26 Jah­re alte Män­ner aus Eri­trea. Die Beam­ten fan­den in einem Stoff­beu­tel im Wagen meh­re­re Kuverts mit mehr als 33.700 Euro Bar­geld, haupt­säch­lich 50- und 100-Euro Schei­ne. Nach Anga­ben der zwei Asyl­be­wer­ber stam­men die Geld­be­trä­ge angeb­lich aus Spen­den von Lands­leu­ten. Auf­grund meh­re­rer Unge­reimt­hei­ten stell­ten die Poli­zi­sten die hohe Geld­sum­me sicher.

Ver­dacht der orga­ni­sier­ten Geld­wä­sche erhär­tet sich

Die Ver­kehrs­po­li­zei Bam­berg lei­te­te ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen des Tat­be­stan­des der gewerbs­mä­ßi­gen Geld­wä­sche ein. Es bestand der Ver­dacht, dass die Gel­der aus Straf­ta­ten stam­men und zur Bege­hung wei­te­rer gesam­melt wur­den. Die Staats­an­walt­schaft Bam­berg konn­te mit einem zuvor bean­trag­ten und vom Amts­ge­richt Bam­berg erlas­se­nen Beschlag­nah­me­be­schluss ver­hin­dern, dass den Tat­ver­däch­ti­gen die hohe Geld­sum­me wie­der aus­ge­hän­digt wer­den muss­te.

Ille­ga­le Finanz­trans­ak­tio­nen – wahr­schein­lich im Mil­lio­nen­be­reich

Anfang Juli 2019 über­nah­men die Kri­mi­nal­po­li­zei mit Zen­tral­auf­ga­ben Ober­fran­ken (KPI/Z) und die Schwer­punkt­staats­an­walt­schaft für Wirt­schafts­straf­sa­chen in Hof die wei­te­ren Ermitt­lun­gen. Den Beam­ten gelang es in der Fol­ge­zeit, die Tat­be­tei­lig­ten fest­zu­stel­len und auf­zu­klä­ren, wel­che Auf­ga­ben sie in der Hier­ar­chie des ille­ga­len Finanz­trans­ak­ti­ons­sy­stems in Form des „Hawa­la-Ban­kings“ wahr­neh­men.

Trotz des pro­fes­sio­nel­len und kon­spi­ra­ti­ven Vor­ge­hens der häu­fig umher­rei­sen­den, kri­mi­nel­len Betei­lig­ten konn­ten die Kri­po­be­am­ten in ihren umfang­rei­chen Ermitt­lun­gen sowie durch ope­ra­ti­ve Maß­nah­men wei­te­re ent­schei­den­de Erkennt­nis­se gewin­nen.

Es gelang ihnen, sich unbe­merkt an die Fer­sen meh­re­rer Tat­ver­däch­ti­gen zu hef­ten. Die­se gaben täg­lich meh­re­re zehn­tau­send Euro unter­ein­an­der wei­ter und führ­ten sie am lega­len Ban­ken­sy­stem vor­bei, mit dem Ziel, die Sum­men letzt­end­lich ins­be­son­de­re in Län­der in Ost­afri­ka zu brin­gen.

Erfolg­rei­che groß­an­ge­leg­te Durch­su­chungs- und Fest­nah­me­ak­ti­on

Nach akri­bi­scher Vor­be­rei­tung und ver­deck­ten Maß­nah­men schlu­gen ab Diens­tag­nach­mit­tag zahl­rei­che Ein­satz­kräf­te der KPI/Z Ober­fran­ken, zusam­men mit Unter­stüt­zungs­kräf­ten des Poli­zei­prä­si­di­ums Ober­bay­ern-Nord, der Poli­zei­prä­si­di­en Mün­chen und Frank­furt sowie Ein­satz­kräf­ten aus dem Saar­land zu. Bei ins­ge­samt zwölf Geschäf­ten und Woh­nun­gen in Mün­chen und Umge­bung sowie in Frank­furt und Saar­brücken über­rasch­ten die Beam­ten die Tat­ver­däch­ti­gen und nah­men ins­ge­samt zehn Per­so­nen vor­läu­fig fest. Bereits im Vor­feld hat­te das Amts­ge­richt Hof, auf Antrag der Staats­an­walt­schaft Hof, vier Haft­be­feh­le für drei Män­ner und eine Frau im Alter von 22 bis 42 Jah­ren erlas­sen.

Bei dem erfolg­rei­chen Ein­satz stell­ten die Kri­mi­nal­be­am­ten rund 60.000 Euro Bar­geld, meh­re­re Han­dys und ver­schie­de­ne Daten­trä­ger sowie zahl­rei­che Unter­la­gen sicher, die im Zusam­men­hang mit den orga­ni­sier­ten kri­mi­nel­len Tätig­kei­ten der Beschul­dig­ten ste­hen.

Bereits vor der groß­an­ge­leg­ten Akti­on wur­den bei ver­schie­de­nen Ein­sät­zen ins­ge­samt zir­ka 280.000 Euro Bar­geld beschlag­nahmt.

Vier Per­so­nen in Unter­su­chungs­haft

Den Fest­ge­nom­me­nen eröff­ne­te ein Ermitt­lungs­rich­ter in Hof am Mitt­woch die Haft­be­feh­le wegen gewerbs­mä­ßi­ger Geld­wä­sche und Ver­stö­ßen gegen das Zah­lungs­dien­s­te­auf­sichts­ge­setz. Anschlie­ßend brach­ten Poli­zei­be­am­te die Beschul­dig­ten in ver­schie­de­ne Justiz­voll­zugs­an­stal­ten.

Die von den Eri­tre­ern ins­ge­samt erwor­be­nen und wei­ter­ge­ge­be­nen Geld­be­trä­ge dürf­ten sich nach Ein­schät­zung der Spe­zia­li­sten der KPI/Z Ober­fran­ken im Mil­lio­nen­be­reich bewe­gen. Die umfas­sen­den, bun­des­land­über­grei­fen­den Ermitt­lun­gen dau­ern noch län­ger an.