Forch­heim: Mäc Här­der gehört noch lan­ge nicht zum alten Eisen

Mäc Här­der gehört noch lan­ge nicht zum alten Eisen. Hier bei sei­nem Auf­tritt im Jun­gen Thea­ter in Forch­heim / Foto: Alex­an­der Hitsch­fel

Forch­heim (ha) – Mit sei­nem aktu­el­len Kaba­rett-Pro­gramm „Wir haben nicht gegoo­gelt, wir haben über­legt“ war der Bam­ber­ger Kaba­ret­tist Mäc Här­der am ver­gan­ge­nen Frei­tag­abend im Jun­gen Thea­ter zu Gast und bot sei­nem Publi­kum eine Zeit­rei­se in die eige­ne Ver­gan­gen­heit. Das Thea­ter war ein­mal mehr aus­ver­kauft.

Mäc Här­der ist ein „Alt­mei­ster“ des Kaba­retts, des­we­gen auch kein Wun­der, dass er sein Publi­kum im Jun­gen Thea­ter gleich von Anfang an voll im Griff hat­te. „Wir haben nicht gegoo­gelt, wir haben über­legt“, der Titel des Pro­gramms sug­ge­rie­re dem Besu­cher, dass frü­her alles viel bes­ser gewe­sen sei, so Här­der. Er wol­le mit sei­nem Pro­gramm den Besu­cher ein biss­chen auf die „Sprün­ge“ hel­fen. „Sie alle erin­nern sich noch an die Tele­fon­häus­chen?“, stell­te Här­der fra­gend in den Raum. Falls 15- oder 20jährige im Raum sind, denen sei gesagt, dass man damals gan­ze Häu­ser zum Tele­fo­nie­ren gehabt habe, scherzt Här­der. Die habe es damals in jedem Dorf gege­ben, meist immer eine Schlan­ge davor, weil sich dar­in einer ver­quatscht habe. Die Tele­fon­häus­chen sei­en damals nicht „magen­ta-rot“, son­dern eher „piss­gelb“ gewe­sen und genau­so habe es dar­in gero­chen, ruft Här­der bei sei­nem Publi­kum Erin­ne­run­gen her­vor. Wie sei der Geruch in einer Tele­fon­zel­le gewe­sen? Wie wenn jemand in einen vol­len Aschen­be­cher gepin­kelt hät­te.

Von VW Käfern und Besuchs­zei­ten im Kran­ken­haus

Oft­mals sei es dann so gewe­sen, dass man nie die rich­ti­gen Geld­mün­zen, die man gebraucht hät­te dabei­ge­habt habe. Dann sei man aber vor dem näch­sten Pro­blem gestan­den, denn genau die Sei­te des Tele­fon­buchs, die man gebraucht habe, sei her­aus­ge­ris­sen gewe­sen, so der Kaba­ret­tist. „Hat jemand damals einen VW Käfer beses­sen?“, will der Bam­ber­ger von sei­nem Publi­kum wis­sen und gleich schnel­len tat­säch­lich eini­ge Hän­de im Publi­kum hoch. Aber nur für den Früh­ling und für den Herbst. Im Win­ter habe beim VW Käfer die Hei­zung näm­lich nie funk­tio­niert. Dafür sei im Som­mer die Hei­zung dann nie aus­ge­gan­gen und man habe geschwitzt ohne Ende. „Wer von euch kann sich noch an die Besuchs­zei­ten in Deut­schen Kran­ken­häu­sern in den 70er Jah­ren erin­nern?“, will Här­der wis­sen. Es geht ein Rau­nen durch die Men­ge. „Klar da war doch was“. 14 bis 16 Uhr, kommt es viel­fach aus den Besu­cher­rei­hen und „zwar nur mitt­wochs und sonn­tags“, ergänzt der Bam­ber­ger. Pünkt­lich um 16 Uhr habe dann die Ober­schwe­ster jeden Besu­cher gna­den­los raus­ge­wor­fen. Auf der ande­ren Sei­te nicht schlecht, denn wenn man eine alte unbe­lieb­te Tan­te im Kran­ken­haus besu­chen muss­te, dann sei man auto­ma­tisch erst zehn vor 16 Uhr ins Kran­ken­haus gegan­gen, weil man wuss­te, dass man gleich eh wie­der her­aus­ge­wor­fen wur­de. Auf die Ober­schwe­ster sei in die­sem Fäl­len damals Ver­lass gewe­sen.

Frü­her war man­ches bes­ser, obwohl es eigent­lich schlech­ter war

In sei­ner Kind­heit habe er Sprü­che gehasst, die es zur dama­li­gen Zeit oft gege­ben habe. „Vor dem Essen, nach dem Essen, Hän­de waschen nicht ver­ges­sen“. Immer wie­der wird es an die­sem Abend auch derb, derb in der Wort­wahl und derb auch vom Inhalt. Dies ist aber auch ein Mar­ken­zei­chen des Bam­ber­ger Kaba­ret­ti­sten, denn auch wenn er sich ab und an mal den Mund ver­brennt, er bringt die Din­ge auf den Punkt und spricht oft­mals das aus was vie­le Men­schen den­ken aber nicht zu sagen trau­en. Auch wenn nicht jede Poin­te von Mäc Här­der die von ihm gewünsch­te Reak­ti­on aus­löst, in den mei­sten Fäl­len klappt es aber, denn dafür steht der Alt­mei­ster schon lan­ge genug auf der Büh­ne. Bleibt der erhoff­te Applaus an der einen oder ande­ren Stel­le dann doch mal aus, die­se Stel­len gab es aber nur ver­ein­zelt an die­sem Abend, for­dert Här­der sein Publi­kum zum Applaus auf. „Sie kön­nen ger­ne klat­schen, das macht mir nichts aus“, so der Kaba­ret­tist der eigent­lich aus der Rhön stammt und den es nach Bam­berg ver­schla­gen hat.

Mäc Här­der und die Frän­ki­sche Spra­che

Dann erin­ner­te er an die ersten Com­pu­ter, die Anfang der 90er Jah­re auf den Markt gekom­men sind. „Die waren so lang­sam bis die hoch­ge­fah­ren sind, da konn­test neben­bei eine Kan­ne Kaf­fee kochen“. Dann streift der Wort­akro­bat auch wie­der ein Lieb­lings­the­ma von ihm die Frän­ki­sche Spra­che. „Die Stei­ge­rung von am Schön­sten wir­ke im Frän­ki­schen schon wie­der fast belei­di­gen, so Här­der. Denn man sage ja: „Des is ja der Aller­schön­ste“. Wer Mäc Här­der kennt, der weiß auch, dass in sei­nen Pro­gram­men die Jon­gla­ge immer einen festen Platz ein­nimmt. Beim Jon­glie­ren macht Mäc Här­der schon schnell nie­mand was vor. Auch hier ist er ein Mei­ster sei­nes Faches. Gleich nach der Pau­se kommt der Bam­ber­ger Kaba­ret­tist dann in einem kun­ter­bun­ten Anzug auf die Büh­ne und bekommt gleich, beson­ders vom weib­li­chen Publi­kum eine ent­spre­chen­de Rück­mel­dung, obgleich die­ses außer­ge­wöhn­li­chen Klei­der­ge­schmacks. Zu sei­nem letz­ten Geburts­tag hat Här­der ein Buch mit dem Titel „Die schön­sten Begrü­ßungs­ri­tua­le welt­weit“ bekom­men. Die­se arbei­te­te er gemein­sam mit sei­nem Publi­kum ab.

In der zwei­ten Pro­gramm­hälf­te rief Här­der dann wei­te­re Erin­ne­run­gen bei sei­nem Publi­kum her­vor. Zum Abschluss sei­nes Pro­gramms gab es dann noch einen Aus­flug in die Welt längst ver­gan­ge­ner, aber wohl immer in Erin­ne­rung blei­ben­der Wer­be­sprü­che die das Leben der Men­schen geprägt haben. Wie war das damals mit der berühm­ten Kon­denz­milch von Bären­mar­ke? „Nichts geht über Bären­mar­ke, Bären­mar­ke zum Kaf­fee“. Das Publi­kum konn­te Här­der sofort fol­gen und kram­te die Sprü­che aus sei­nem Gedächt­nis den einen oder ande­ren prä­gnan­ten Wer­be­spruch her­aus. „Wenn einem soviel Gutes wie­der­fährt ist das schon einen Asbach Uralt wert“. Das Publi­kum an die­sem Abend ent­täuscht den Kaba­ret­ti­sten nicht und bringt Wer­be­spruch für Wer­be­spruch den Här­der anfängt auch zu Ende.

Dann war auch Schluss, nach einer Zuga­be und dem Hin­weis, dass es ab Herbst ein neu­es Pro­gramm von ihm geben wür­de, ver­ab­schie­de­te sich Mäc Här­der von sei­nem Publi­kum. Auf die­sem Pro­gramm darf man wirk­lich gespannt und vol­ler Vor­freu­de sein, denn wer Mäc Här­der kennt, der weiß, dass er auch noch nach so vie­len Jah­ren des Tin­gelns von Büh­ne zu Büh­ne noch lan­ge nicht müde gewor­den ist. Er hat für sich den Anspruch sein Publi­kum bestens zu unter­hal­ten und das gelingt ihm auch nach so lan­ger Zeit ein­drucks­voll. Alex­an­der Hitsch­fel