Zahl der Berufs­pend­ler im Kreis Kulm­bach auf 21.000 gestie­gen

Teu­re Mie­ten und Job-Wachs­tum in Groß­städ­ten zwin­gen vie­le zum Pen­deln

Wenn Lebens­zeit im Stau flö­ten geht: Die Zahl der Berufs­pend­ler im Land­kreis Kulm­bach hat einen neu­en Höchst­stand erreicht. Auf dem Weg zur Arbeit ver­lie­ßen im ver­gan­ge­nen Jahr rund 21.000 Men­schen regel­mä­ßig die Gren­zen des Krei­ses – das sind 21 Pro­zent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zähl­te der Kreis noch rund 17.000 soge­nann­te Aus­pend­ler, wie die IG Bau­en-Agrar-Umwelt mit­teilt. Die IG BAU beruft sich dabei auf eine aktu­el­le Aus­wer­tung des Bun­des­in­sti­tuts für Bau‑, Stadtund Raum­for­schung (BBSR).

Gewerk­schaf­ter Gerald Nick­las spricht von einem „alar­mie­ren­den Trend“. Eine Haupt­ur­sa­che für den Pen­del-Boom sei der Man­gel an bezahl­ba­ren Woh­nun­gen in den Groß- und Uni­städ­ten. „Eine wach­sen­de Zahl von Men­schen kann sich die hohen Mie­ten und Immo­bi­li­en­prei­se in der Stadt nicht mehr lei­sten. Aber genau dort sind in den letz­ten Jah­ren beson­ders vie­le Jobs ent­stan­den“, sagt der Bezirks­vor­sit­zen­de der IG BAU Ober­fran­ken. Die Fol­ge sei­en immer län­ge­re Staus und über­füll­te Züge.

Strecken von mehr als 50 Kilo­me­tern bis zum Arbeits­platz sei­en für vie­le Pend­ler aus dem Kreis Kulm­bach mitt­ler­wei­le gang und gäbe, betont Nick­las. „Dabei geht nicht nur wert­vol­le Zeit für Fami­lie, Freun­de und Hob­bys ver­lo­ren. Auch die Umwelt lei­det unter der Fah­re­rei.“ Nach Anga­ben des Umwelt­bun­des­am­tes geht knapp ein Fünf­tel aller CO2-Emmis­sio­nen in Deutsch­land auf das Kon­to des Ver­kehrs.

www​.igbau​.de Pres­se-Infor­ma­ti­on IG Bau­en-Agrar-Umwelt Bezirks­ver­band Ober­fran­ken Sei­te 2/2 Die IG BAU warnt vor einer Zunah­me der Pend­ler­zah­len, soll­te sich das Woh­nen noch wei­ter vom Arbei­ten ent­fer­nen. Nötig sei eine „dra­sti­sche Wen­de“ in der Woh­nungs­bau­po­li­tik. „Die öffent­li­che Hand muss viel mehr als bis­her inve­stie­ren, um bezahl­ba­ren Wohn­raum in den Metro­po­len und Bal­lungs­räu­men zu schaf­fen. Es feh­len vor allem Woh­nun­gen im sozia­len und im bezahl­ba­ren Seg­ment“, so Nick­las.

Mas­si­ve Inve­sti­tio­nen sei­en aber auch im Bereich der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur unver­zicht­bar, um die Pend­ler zu ent­la­sten. „Vor allem beim Schienen‑, Stra­ßen- und Rad­we­ge­netz ist der Nach­hol­be­darf groß“, macht Nick­las deut­lich. Einen ent­schei­den­den Bei­trag gegen den „Pen­del-Frust“ könn­ten zudem die Fir­men lei­sten – indem sie es ihren Beschäf­tig­ten leich­ter machen, in Gleit­zeit oder im Home-Office zu arbei­ten.

Die Pend­ler-Pro­ble­ma­tik im Land­kreis Kulm­bach ist Teil eines bun­des­wei­ten Trends: Nach Anga­ben der Bun­des­agen­tur für Arbeit pen­del­ten im letz­ten Jahr 39 Pro­zent aller sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­tig­ten in eine ande­re Stadt oder einen ande­ren Kreis zur Arbeit.