Metro­pol­kon­fe­renz: Wei­chen stel­len für die Zukunft

Mehr als 160 Akteu­re bera­ten in Bad Winds­heim über die Aus­rich­tung und Ziel­set­zung der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg 2030

In einer Diskussionsrunde teilen Dr. Ulrich Maly (Oberbürgermeister Stadt Nürnberg), Hermann Hübner (Landrat Landkreis Bayreuth), Franz Stahl (stv. Ratsvorsitzender der Metropolregion und 1. Bürgermeister von Tirschenreuth) und Heinz Brenner (stv. Wirtschaftsvorsitzender der Metropolregion, Leiter Regionalreferat Erlangen/ Nürnberg der Siemens AG) (v.l.n.r.) ihre Visionen für die Metropolregion 2030: Foto: Rudi Ott

In einer Dis­kus­si­ons­run­de tei­len Dr. Ulrich Maly (Ober­bür­ger­mei­ster Stadt Nürn­berg), Her­mann Hüb­ner (Land­rat Land­kreis Bay­reuth), Franz Stahl (stv. Rats­vor­sit­zen­der der Metro­pol­re­gi­on und 1. Bür­ger­mei­ster von Tir­schen­reuth) und Heinz Bren­ner (stv. Wirt­schafts­vor­sit­zen­der der Metro­pol­re­gi­on, Lei­ter Regio­nal­re­fe­rat Erlangen/​Nürn­berg der Sie­mens AG) (v.l.n.r.) ihre Visio­nen für die Metro­pol­re­gi­on 2030: Foto: Rudi Ott

Vor rund zehn Jah­ren wur­de u.a. mit der Bad Winds­hei­mer Erklä­rung ein stra­te­gi­scher Rah­men für die Arbeit der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg abge­steckt. Nun haben sich mehr als 160 Akteu­re der Metro­pol­re­gi­on in Bad Winds­heim getrof­fen, um Zie­le, Pro­jek­te und Struk­tur auf den Prüf­stand zu stel­len. Die Metro­pol­kon­fe­renz ist ein wich­ti­ger Bau­stein im Stra­te­gie­pro­zess Euro­päi­sche Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg 2030. „Das Prin­zip Metro­pol­re­gi­on basiert auf Betei­li­gung und Mit­spra­che,“ sagt Andre­as Star­ke, Rats­vor­sit­zen­der der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg und Ober­bür­ger­mei­ster der Stadt Bam­berg. „Des­halb ist es wich­tig, dass wir gemein­sam die Aus­rich­tung der Metro­pol­re­gi­on aus­lo­ten und mit Fach­leu­ten dis­ku­tie­ren.“

Der mit der Rats­sit­zung 2018 ange­sto­ße­ne Stra­te­gie­pro­zess der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg dau­ert ins­ge­samt ein Jahr. Ergeb­nis­se und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen sol­len zur Rats­sit­zung im Novem­ber 2019 vor­lie­gen und dort ver­ab­schie­det wer­den. Im bis­he­ri­gen Pro­zess wur­den Hand­lungs­fel­der defi­niert, die als Her­aus­for­de­run­gen für die Zukunft ange­se­hen wer­den und von denen man sich ein Mehr­wert durch die Bear­bei­tung auf Metro­pol­re­gi­ons­ebe­ne ver­spricht: Kli­ma­schutz und Mobi­li­tät, Kul­tur (-ent­wick­lung), Inno­va­ti­ons­kraft, Neue Arbeit und Lebens­qua­li­tät. In die gleich­na­mi­gen fünf Fach­pa­nel der Kon­fe­renz waren alle ein­ge­la­den, die in den acht Foren der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg inhalt­lich arbei­ten oder sich in Netz­wer­ken, Initia­ti­ven oder der Kom­mu­nal­po­li­tik mit die­sen Zukunfts­the­men aus­ein­an­der­set­zen.

Kli­ma­schutz und Mobi­li­tät – Ener­gie­wen­de und Ver­kehrs­wen­de Hand in Hand den­ken

Die Ener­gie­wen­de muss mit einer Ver­kehrs­wen­de ein­her­ge­hen, um die Kli­ma­zie­le errei­chen zu kön­nen. Die Kom­bi­na­ti­on die­ser bei­den Berei­che ist eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung. Gleich­zei­tig bie­ten Wirt­schaft und Wis­sen­schaft in der Metro­pol­re­gi­on hier beson­de­re Kom­pe­ten­zen. Des­halb soll z.B. in den kom­men­den Jah­ren ein beson­de­rer Schwer­punkt auf Know­how und Ent­wick­lung im Bereich Was­ser­stoff lie­gen. Zum Bei­spiel mit der Initia­ti­ve zur Was­ser­stoff-Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg, dem Zen­trum Was​ser​stoff​.Bay​ern (H2.B) in Nürn­berg und der inno­va­ti­ven Was­ser­stoff-Tech­no­lo­gie in der Regi­on. Des­halb wird man sich in die­sem Rah­men um För­der­pro­jek­te bemü­hen. Die Beschäf­ti­gung mit der Ver­kehrs­wen­de ist auch des­halb so bedeut­sam für die Metro­pol­re­gi­on, weil es einen hohen Besatz an Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rern gibt.

Kul­tur (-ent­wick­lung) – Bedeu­tung für eine attrak­ti­ve, star­ke Metro­pol­re­gi­on

Die Poly­zen­tra­li­tät der Metro­pol­re­gi­on ist für den qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen und viel­fäl­ti­gen Bereich der Kunst und Kul­tur Chan­ce und Her­aus­for­de­rung zugleich. Einer­seits sie­delt sich der Groß­teil der Unter­neh­men in der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft in den urba­nen Räu­men an, ande­rer­seits sind in den länd­li­che­ren Regio­nen Betrie­be des Kunst­hand­werks teil­wei­se sogar bun­des­weit ein­zig­ar­tig stark behei­ma­tet. Im Hand­lungs­feld der Kul­tu­rel­len Bil­dung ist hin­ge­gen ein sehr gro­ßes Gefäl­le hin­sicht­lich der Ange­bo­te und gege­be­nen Struk­tu­ren zwi­schen Stadt und Land erkenn­bar. Mit dem Netz­werk des Forums Kul­tur sol­len in den näch­sten Jah­ren durch eine wis­sen­schaft­lich beglei­te­te Eva­lua­ti­on und ver­stärk­ten Wis­sens­trans­fer bes­se­re Struk­tu­ren für weni­ger aus­ge­bau­te Regio­nen im Bereich Kul­tu­rel­ler Bil­dung für die Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den. Zur För­de­rung, Sicht­bar­ma­chung und Wür­di­gung der Akteu­re der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft sol­len in Koope­ra­ti­on mit dem Forum Wirt­schaft und Infra­struk­tur wei­ter­hin Ver­net­zungs­for­ma­te und Stu­di­en durch­ge­führt wer­den. Auch die Betei­li­gung der Regi­on mit 40 Gemein­den, Städ­ten und Land­krei­sen an der Bewer­bung Nürn­bergs zur Kul­tur­haupt­stadt Euro­pas wird für die Wei­ter­ent­wick­lung des Hand­lungs­fel­des Kul­tur eine gro­ße und span­nen­de Auf­ga­be für die näch­sten Jah­re.

Inno­va­ti­ons­kraft

Bei der Inno­va­ti­ons­kraft nimmt die Metro­pol­re­gi­on bun­des- und euro­pa­weit regel­mä­ßig Spit­zen­po­si­tio­nen in Ran­kings ein. Das Leit­bild WaBe mit sei­nen vier Cross-Clu­ster- Akti­ons­fel­dern und der Inno­va­ti­ons­pakt der Metro­pol­re­gi­on bil­den eine aus­ge­zeich­ne­te Grund­la­ge, um Schwer­punk­te und Leit­pro­jek­te her­aus­zu­ar­bei­ten, die gesamt­re­gio­nal von Wei­ßen­burg bis Coburg und Kit­zin­gen bis Tir­schen­reuth bedeut­sam sind. Das Medi­cal Val­ley Euro­päi­sche Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg hat sich als Spit­zen­clu­ster welt­weit eta­bliert. In der Metro­pol­re­gi­on sind vier Medi­cal Val­ley Cen­ter in Erlan­gen, Forch­heim, Bam­berg und Wei­den in den letz­ten Jah­ren ent­stan­den. Hin­zu kommt die Her­aus­for­de­rung, die vor­han­de­nen exzel­len­ten Kom­pe­ten­zen in den Clu­ster­be­rei­chen bekann­ter zu machen. Dazu hat sich ein Initia­tiv­kreis aus regio­na­ler Wirt­schaft und For­schung unter der Über­schrift „Inno­va­ti­ons­kunst“ gegrün­det.

Neue Arbeit – Zukunft der Arbeit in Stadt und Land gestal­ten

Ver­än­de­run­gen in der Arbeits­welt, wie wach­sen­de Auto­ma­ti­sie­rung von Arbeits­pro­zes­sen, neue vir­tu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien, die vor­an­schrei­ten­de Glo­ba­li­sie­rung, die Pro­gram­mier­bar­keit der Umwelt und die Super­struk­tu­rie­rung von Orga­ni­sa­tio­nen durch sozia­le Unter­neh­men wer­den die Metro­pol­re­gi­on ver­än­dern. In den kom­men­den Jah­ren soll des­halb beson­ders in den Blick genom­men wer­den, wie die Zukunft der Arbeit gestal­tet wer­den muss, damit die Metro­pol­re­gi­on auch in Zukunft in Stadt und Land ein Ort für gute Arbeit und somit ein attrak­ti­ver Stand­ort bleibt.

Lebens­qua­li­tät

Die Metro­pol­re­gi­on glänzt mit einer benei­dens­wert hohen Lebens­qua­li­tät. Zehn Natur­par­ke bie­ten jeweils ein­zig­ar­ti­ge Kul­tur- und Natur­land­schaf­ten. Der Ent­decker­pass erschließt zahl­rei­che Nah­erho­lungs- und Frei­zeit­zie­le in der gesam­ten Regi­on. Der kuli­na­ri­sche Reich­tum wird über die Regio­nal­kam­pa­gne Ori­gi­nal Regio­nal und Pro­jek­te wie den aktu­ell lau­fen­den Spe­zia­li­tä­ten­wett­be­werb sicht­bar gemacht. Gleich­zei­tig trägt eine regio­na­le und mehr und mehr auch bio-regio­na­le Ernäh­rungs­wirt­schaft zu Wohl­stand in länd­li­chen Räu­men und zum Kli­ma­schutz bei. Nicht zuletzt ist Lebens­qua­li­tät aus­schlag­ge­bend im Wett­be­werb der Metro­pol­re­gi­on um Fach­kräf­te.

Stra­te­gie­pro­zess 2030: Erste Zwi­schen­er­geb­nis­se

Die bei der Metro­pol­kon­fe­renz bera­te­nen Hand­lungs­fel­der sind ein Ergeb­nis des bis­he­ri­gen Stra­te­gie­pro­zes­ses und kön­nen nach der Aus­wer­tung des Feed­backs wei­ter kon­kre­ti­siert wer­den. Unum­strit­ten ist hin­ge­gen das Mis­si­on State­ment „Hei­mat für Krea­ti­ve“ der Sei­te 3 von 3 Metro­pol­re­gi­on, das mit den dar­aus abge­lei­te­ten stra­te­gi­schen Zie­len wei­ter­hin als Leit­plan­ke dient. Die Metro­pol­re­gi­on ver­steht sich als Gegen­ent­wurf zu den Mega­ci­ties indem sie auf eine gleich­ge­wich­ti­ge poly­zen­tra­le Ent­wick­lung setzt: „Ein Netz mit star­ken Kno­ten“ bleibt das Ziel­bild.

Auf orga­ni­sa­to­ri­scher Ebe­ne strebt die Metro­pol­re­gi­on eine Stär­kung der ope­ra­ti­ven Kräf­te in den acht Fach­fo­ren an, in denen mehr als 400 Mit­glie­der aktiv sind, sowie mehr Ver­net­zung und inter­dis­zi­pli­nä­res Zusam­men­ar­bei­ten. Forums­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit, wie in der Ver­gan­gen­heit bereits bei den The­men Mobi­li­tät, Kli­ma­schutz oder in der Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft, sol­len in Zukunft noch stär­ker for­ciert wer­den. Bei­spiel­haft kön­nen die 3. Kli­ma­schutz­kon­fe­renz und der 2. Mobi­li­täts­kon­gress der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg genannt wer­den, die 2020 gemein­sam von Forum Ver­kehr und Pla­nung, Forum Kli­ma­schutz und Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung und Forum Wirt­schaft und Infra­struk­tur ver­an­stal­tet wer­den. Die dezen­tra­le Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on mit den Geschäfts­stel­len der Fach­fo­ren in den Rat­häu­sern der Städ­te Nürn­berg, Fürth, Bam­berg, Bay­reuth und Erlan­gen wird als sehr posi­tiv bewer­tet.

Auch eine Stär­kung der Res­sour­cen wird dis­ku­tiert. Der­zeit finan­ziert sich die Metro­pol­re­gi­on zum gro­ßen Teil aus kom­mu­na­len Mit­teln sowie aus Mit­teln der regio­na­len Wirt­schaft und pro­jekt­be­zo­gen aus öffent­li­chen För­der­mit­teln unter­schied­li­cher Pro­ve­ni­enz. Um gro­ße The­men wie Kli­ma­schutz und Mobi­li­tät auf regio­na­ler Ebe­ne anpacken zu kön­nen, benö­tigt die regio­na­le Alli­anz mehr Finanz­mit­tel. Hier arbei­tet die regio­na­le Alli­anz auch dem Land Bay­ern zu und unter­stützt bei der Bewäl­ti­gung der anste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen auf Lan­des­ebe­ne.

An einer enge­ren, fach­li­chen Koope­ra­ti­on und pro­jekt­un­ab­hän­gi­gen finan­zi­el­len Unter­stüt­zung mit und vom Frei­staat Bay­ern wird des­halb gear­bei­tet.