Bam­ber­ger For­schen­de ver­mit­teln zer­stö­rungs­freie Denk­mal­tech­no­lo­gien auf Kuba

Ana­ly­se von Welt­kul­tur­er­be der Kolo­ni­al­zeit in der Kari­bik

Sergio Raymant Arencibia Iglesias (v.l.), John Hindmarch, Mona Hess, Architekt Giordano Bruno Sanchez Nuñez, und Till Sonnemann im Hof des Palacio de los Condes de Jaruco. Copyright: Till Sonnemann/Universität Bamberg

Ser­gio Ray­mant Aren­ci­bia Igle­si­as (v.l.), John Hind­march, Mona Hess, Archi­tekt Gior­da­no Bru­no San­chez Nuñez, und Till Son­ne­mann im Hof des Pala­cio de los Con­des de Jaru­co. Copy­right: Till Sonnemann/​Universität Bam­berg

Havan­na ist eine der frü­he­sten spa­ni­schen Grün­dun­gen in der Neu­en Welt. Die­ses Jahr fei­ert die Haupt­stadt Kubas ihren 500. Geburts­tag. Ins­be­son­de­re die Alt­stadt von Havan­na ist geprägt durch eine abwechs­lungs­rei­che Geschich­te, die sich in der Viel­falt der Bau­sti­le wider­spie­gelt. „Vie­le Gebäu­de im Zen­trum Havan­nas sind lei­der akut ein­sturz­ge­fähr­det, gro­ße Tei­le schon unwie­der­bring­lich zer­stört. Mit gro­ßem Ein­satz ver­su­chen kuba­ni­sche Denk­mal­pfle­ger, die wich­tig­sten histo­ri­schen Gebäu­de zu ret­ten,“ sagt Prof. Dr. Till Son­ne­mann, Juni­or­pro­fes­sor für Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung in der Geo­ar­chäo­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Bam­berg. Gemein­sam mit sei­ner Kol­le­gin Prof. Dr. Mona Hess, Inha­be­rin des Lehr­stuhls für Digi­ta­le Denk­mal­tech­no­lo­gien, und ihrem Mit­ar­bei­ter Dr. John Hind­march, möch­ten sie mit einem Ein­füh­rungs­kurs zur Nut­zung zer­stö­rungs­frei­er Ana­ly­se­me­tho­den in Gebäu­den einen klei­nen Bei­trag lei­sten. Nach der ersten Inter­na­tio­na­len Sum­mer­school im Juli 2018 mit Fokus auf den Bam­ber­ger Dom bie­tet „Moni­to­ring Heri­ta­ge 2019“ dies­mal den Kurs in der kuba­ni­schen Welt­erbe­stadt an. Zwan­zig Stu­die­ren­de der Denk­mal­pfle­ge und Archäo­lo­gie des Cole­gio Uni­ver­si­ta­rio San Geró­ni­mo de La Uni­ver­sidad de la Haba­na ler­nen vom 23. bis 27. Sep­tem­ber zer­stö­rungs­freie bild­ge­ben­de Ver­fah­ren wie die Arbeit mit dem ter­re­stri­schen Laser­scan­ner oder Pho­to­gram­me­trie und die Unter­su­chung des Unter­grun­des mit dem Boden­ra­dar ken­nen.

„Mit dem Pala­cio de los Con­des de Jaru­co an der Pla­za Vie­ja, wel­cher gera­de restau­riert wird, hat Dr. Ser­gio Ray­mant Aren­ci­bia Igle­si­as, Lei­ter des Stu­di­en­gangs Denk­mal­pfle­ge und Vize­de­kan des Cole­gio, ein span­nen­des Objekt zur Doku­men­ta­ti­on aus­ge­sucht“, sagt Till Son­ne­mann. Da die Boden­plat­ten im Patio noch nie bewegt wur­den, sind die Denk­mal­pfle­ger inter­es­siert am Ver­lauf der histo­ri­schen Was­ser­lei­tun­gen unter dem Gebäu­de und hof­fen auf Ergeb­nis­se des Geo­ra­dars. Mit den Laser­scans las­sen sich ver­for­mungs­ge­rech­tes Auf­maß, Grund­ris­se oder Schnit­te und 3D-Model­le ein­zel­ner Gebäu­de anfer­ti­gen und Ver­än­de­run­gen in der Bau­sub­stanz beob­ach­ten. Mona Hess sagt: „Wir möch­ten den Stu­die­ren­den vor Ort einen Ein­blick in die­se Tech­no­lo­gien geben. Mit ihnen kön­nen sie Gebäu­de effi­zi­ent digi­tal doku­men­tie­ren und mehr über ihren Zustand erfah­ren.“ Die­se Infor­ma­tio­nen kön­nen dann als Grund­la­ge für den Erhalt von Gebäu­den der kuba­ni­schen Haupt­stadt genutzt wer­den.

Die inter­na­tio­na­le Koope­ra­ti­on wird von der Baye­ri­schen For­schungs­al­li­anz (Bay­FOR) und dem Baye­ri­schen Hoch­schul­zen­trum für Latein­ame­ri­ka (BAY­LAT) geför­dert, letz­te­res hat­te zum auch in Havan­na zele­brier­ten 250. Geburts­tag Alex­an­der von Hum­boldts die Zusam­men­ar­beit ange­regt.

Ihr Know­how ver­mit­teln Bam­ber­ger Wis­sen­schaft­ler aber nicht nur in Havan­na. Die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät pflegt der­zeit Koope­ra­tio­nen mit ins­ge­samt 22 Part­ner­uni­ver­si­tä­ten aus den Län­dern Argen­ti­ni­en, Bra­si­li­en, Chi­le, Costa Rica, Ecua­dor, Kolum­bi­en, Kuba, Mexi­ko und Peru. Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des Kom­pe­tenz­zen­trums Denk­mal­wis­sen­schaf­ten und Denk­mal­tech­no­lo­gien (KDWT) und des Insti­tuts für Archäo­lo­gi­sche Wis­sen­schaf­ten, Denk­mal­wis­sen­schaf­ten und Kunst­ge­schich­te füh­ren welt­weit inter­dis­zi­pli­nä­re Pro­jek­te durch und orga­ni­sie­ren Sum­mer Schools.