Frie­se­ner War­te: Wert­vol­les Bio­top oder Bike­park?

Sind die Trocken­ra­sen und Kalk­schot­ter­flä­chen auf der Frie­se­ner War­te wert­vol­le Bio­to­pe oder der per­fek­te natür­li­che Bike­park? Die­se Fra­ge dis­ku­tier­ten die Teil­neh­mer einer Exkur­si­on, zu wel­cher die Umwelt­sta­ti­on Fuch­sen­wie­se des LBV und der ADFC Bam­berg gemein­sam mit der unte­ren Natur­schutz­be­hör­de des Land­krei­ses Bam­berg ein­ge­la­den hat­ten. Wenn auch wegen der gro­ßen Hit­ze nur eine klei­ne Grup­pe Moun­tain­bi­ker unter der Lei­tung von Nor­bert Hetz vom ADFC den anspruchs­vol­len Weg von Bam­berg aus auf die 520 Höhen­me­ter hohe Frie­se­ner War­te wag­ten, so gestal­te­te sich doch die Dis­kus­si­on zwi­schen den Ver­tre­tern des ver­band­li­chen und des behörd­li­chen Natur­schut­zes und der Nut­zer­grup­pe aus­ge­spro­chen kon­struk­tiv. Eine zukünf­ti­ge Koope­ra­ti­on wur­de in Auge gefasst, mit dem Ziel, Moun­tain­bi­king und Natur­schutz Hand in Hand gehen zu las­sen.

Die Frie­se­ner War­te ist Teil des 2004 gemel­de­ten FFH-Gebie­tes „Alb­trauf von der Frie­se­ner War­te zur Lan­gen Mei­le“, das ins­ge­samt von wert­vol­len Kalk­ma­ger­ra­sen, Sal­bei­wie­sen, Buch­wäl­dern, aber auch von Kalk­tuff­quel­len, Fel­sen und Kalk­schot­ter­flä­chen geprägt ist. Die Kalk­ma­ger­ra­sen, Pio­nier­ge­sell­schaf­ten und Kalk­schot­ter­flä­chen gehö­ren zu den soge­nann­ten prio­ri­tär zu schüt­zen­den Lebens­räu­men, was bedeu­tet, dass die­se bedroht und im Rück­gang begrif­fen sind und des­halb eine beson­de­re Schutz­be­dürf­tig­keit gege­ben ist. Die Natur­schutz­be­hör­den vor Ort ste­hen in der Ver­ant­wor­tung für den Erhalt die­ser Lebens­räu­me. So wer­den die Flä­chen teil­wei­se bereits seit Jah­ren durch den Land­schafts­pfle­ge­ver­band ent­bus­cht und neu­er­dings auch mit Zie­gen bewei­det. Aller­dings macht sich die zuneh­men­de Frei­zeit­nut­zung der Flä­chen nega­tiv bemerk­bar.

Bri­git­te Pfi­ster vom LBV und Bri­git­te Wein­brecht von der Natur­schutz­be­hör­de am Land­rats­amt Bam­berg ver­an­schau­lich­ten den beson­de­ren fach­li­chen Wert der sel­te­nen Kalk­trocken­ra­sen und Kalk­schotter­hal­den auf der Frie­se­ner War­te und klär­ten über die recht­li­che Situa­ti­on beim Moun­tain­bi­king auf. Aus­schließ­lich auf geeig­ne­ten Wegen sei das Rad­fah­ren in der Natur erlaubt, wie die bei­den Exper­tin­nen erläu­ter­ten. Die Ent­schei­dung, ob ein Weg geeig­net sei, müs­se jedoch immer im Ein­zel­fall vom Nut­zer getrof­fen wer­den. So kön­ne ein inten­siv von Wan­de­rern genutz­ter Weg aus die­sem Grund unge­eig­net sein oder ein Natur­weg, bei dem durch die Befah­rung Schä­den an der Pflan­zen­decke ent­stän­den, so Wein­brecht. Auf kei­nen Fall kön­nen Pfa­de, die durch eine nicht recht­mä­ßi­ge Quer­feld­ein-Befah­rung erst ent­ste­hen, als Wege gel­ten, stell­te die Ver­tre­te­rin der Natur­schutz­be­hör­de klar. Auf der siche­ren Sei­te sei­en Moun­tain­bi­ker, wel­che sich auf Forst- und land­wirt­schaft­li­chen Wegen und auf aus­ge­wie­se­nen Wan­der- und Rad­we­gen bewe­gen. Die Befah­rung der Kalk­schot­ter­flä­chen auf der Frie­se­ner War­te sei jedoch natur­schutz­recht­lich nicht erlaubt.

Die teil­neh­men­den Moun­tain­bi­ker zeig­ten sich beein­druckt von der Arten­viel­falt der Mager­ra­sen und Pio­nier­ge­sell­schaf­ten wie Öster­rei­chi­scher Lein, Trau­ben-Gaman­der und Stein-Quen­del, räum­ten aber gleich­zei­tig ein, dass der Wert der Flä­chen für Lai­en schwer erkenn­bar sei. Auch die unter­schied­li­chen Ein­flüs­se von Wan­de­rern und Rad­fah­rern wur­den dis­ku­tiert. Für sie als Rad­fah­rer sei es nicht nach­voll­zieh­bar, dass ein Betre­ten der wert­vol­len Bio­top­flä­chen durch Wan­de­rer mög­lich sei, ein Befah­ren mit dem Moun­tain­bike hin­ge­gen den Pflan­zen scha­den sol­le, fass­te Nor­bert Hetz vom ADFC den Blick­win­kel der Rad­fah­rer zusam­men. Hier sei Auf­klä­rung gefragt, so der Rad­sport-Pro­fi wei­ter und reg­te gleich eine inten­si­ve Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne an.

Die­se Anre­gung wur­de von den Ver­tre­te­rin­nen der behörd­li­chen wie des ver­band­li­chen Natur­schut­zes ger­ne auf­ge­nom­men und am Ende der Ver­an­stal­tung wur­de ver­ein­bart, dass etwa im Rah­men eines Arbeits­krei­ses gemein­sam über­legt wer­den soll, wie Moun­tain­bi­king und Natur­schutz im Ein­klang erfol­gen kann.

  • In Zukunft wol­len sie sich gemein­sam für mehr Natur­schutz ein­set­zen: bei einer gemein­sa­men Exkur­si­on über­leg­ten sich Ver­tre­ter von ADFC, LBV und unte­rer Natur­schuz­be­hör­de wie Moun­tain­bi­king und Natur­schutz im Ein­klang erfol­gen kann.
  • Die Frie­se­ner War­te bei Hirschaid liegt im FFH-Gebiet Alb­trauf von der Frie­se­ner War­te bis zur Lan­gen Mei­le und ist eine öko­lo­gi­sche Kost­bar­keit. Sel­te­ne Arten wie der Öster­rei­chi­sche Lein oder der Blei­che Schö­te­rich sind hier behei­ma­tet.