Abschluss­fei­er für das Pro­jekt: „Regio­nal­ty­pi­sches Klei­dungs­ver­hal­ten seit dem 19. Jahr­hun­dert – Ent­wick­lun­gen und Ten­den­zen am Bei­spiel Ober­fran­ken“

26. Juni 2019: im Saal des Muse­ums­gast­ho­fes Schmaus – Bau­ern­mu­se­um Bam­ber­ger Land

Ein Jahr lang unter­such­te Mei­ke Bian­chi-König­stein über 5.000 Klei­dungs­stücke in den ober­frän­ki­schen Muse­en und Samm­lun­gen. Um histo­ri­sche Klei­dungs­stücke fach­ge­recht beschrei­ben und datie­ren zu kön­nen, braucht man viel Wis­sen um die unter­schied­li­chen Stof­fe, die Fär­be- und Druck­tech­ni­ken, man muss hand­ge­ar­bei­te­te Näh­te von maschi­nenge­näh­ten unter­schei­den kön­nen, die Schnitt- und Dekor­tech­ni­ken ken­nen und wis­sen, wann wel­che Knöp­fe und Ösen üblich waren. Manch­mal ist es sogar noch kom­pli­zier­ter: Han­delt es sich um ein Mie­der des frü­hen 19. Jahr­hun­derts, das hun­dert Jah­re spä­ter zu einem Faschings­ko­stüm umge­ar­bei­tet wur­de? Und sind für das Mie­der wie­der­um viel älte­re Sei­den­stof­fe ver­wen­det wor­den?

Eine span­nen­de For­schungs­ar­beit, die tief in die Tex­til­de­pots zu Objek­ten führ­te, die noch nie aus­ge­stellt waren und nun auf einer Daten­bank gespei­chert sind, auf der man ab jetzt über 900 tex­ti­le Schät­ze auf Gesamt- und Detail­fo­tos bewun­dern kann samt wis­sen­schaft­li­cher Beschrei­bung.

Wer sich für die Ergeb­nis­se aus jah­re­lan­ger Beschäf­ti­gung mit den ori­gi­na­len Klei­dungs­stücken, mit zeit­ge­nös­si­schen Rei­se­be­rich­ten und Por­träts inter­es­siert, kann die Dis­ser­ta­ti­on der Wis­sen­schaft­le­rin lesen. Sie ist reich bebil­dert und wird im Rah­men der Fei­er vom Pustet-Ver­lag vor­ge­stellt: “Mei­ke Bian­chi-König­stein: Klei­dungs­wirk­lich­kei­ten. Mode und Tracht zwi­schen 1780 und 1910 in Ober­fran­ken.”

Dies alles war nur mög­lich, weil das vom Bau­ern­mu­se­um Bam­ber­ger Land vor­ge­stell­te Pro­jekt von der Volks­wa­gen­Stif­tung über drei Jah­re geför­dert wur­de. Hin­zu kam für die Inven­ta­ri­sie­rung der Objek­te in den Muse­en eine finan­zi­el­le Unter­stüt­zung durch die Ober­fran­ken­stif­tung. Gelei­tet wur­de das Pro­jekt von der Muse­ums­lei­te­rin und Trach­ten­be­ra­te­rin Dr. Bir­git Jau­er­nig. Die wis­sen­schaft­li­che Betreu­ung durch den Lehr­stuhl für Euro­päi­sche Eth­no­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Bam­berg über­nahm Prof. Dr. Bär­bel Kerk­hoff-Hader, gleich­zei­tig die Dok­tor­mut­ter von M. Bian­chi-König­stein.

Die Fra­ge­stel­lun­gen des For­schungs­pro­jekts lau­te­ten: Wie klei­de­ten sich die Men­schen im 19. Jahr­hun­dert in Ober­fran­ken? Gab es tat­säch­lich regio­na­le Unter­schie­de und wie sind die­se erklär­bar?

Der Gewinn für die Regi­on war groß: Das Pro­jekt wur­de nicht nur inter­na­tio­nal auf Tagun­gen vor­ge­stellt, es erschie­nen ins­ge­samt auch in Ober­fran­ken zahl­rei­che Bei­trä­ge in der Tages­pres­se. Zwei Semi­na­re zum The­ma Tracht fan­den am Lehr­stuhl für Euro­päi­sche Eth­no­lo­gie statt, das „Ober­frän­ki­sche Netz­werktref­fen Tracht“ wur­de ins Leben geru­fen und fand bis­her an vier Orten in Ober­fran­ken mit Vor­trä­gen, Markt und Trach­ten­prä­sen­ta­tio­nen statt. Regen Kon­takt gab es nicht nur mit den hie­si­gen Muse­en, son­dern auch über­re­gio­nal mit den gro­ßen Häu­sern, die Klei­dung aus Ober­fran­ken in ihren Bestän­den haben.

Einer der wich­tig­sten Effek­te des Pro­jekts dürf­te aber sein, dass die am Pro­jekt betei­lig­ten Muse­en fun­dier­te wis­sen­schaft­li­che Beschrei­bun­gen und Ana­ly­sen zu ihren tex­ti­len Samm­lun­gen erhiel­ten. Dies kommt wie­der­um der inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit zugu­te: Der Effekt des For­schungs­pro­jek­tes ist bereits vor der Ver­öf­fent­li­chung der Dis­ser­ta­ti­on und der Daten­bank erkenn­bar: Allein im Jahr 2019 beschäf­ti­gen sich fünf ober­frän­ki­sche Muse­en mit dem The­ma Tracht und für alle wer­den die Daten zu den jewei­li­gen Objek­ten eine gro­ße Hil­fe bei zukünf­ti­gen Aus­stel­lun­gen sein.

Die Daten­bank ist über einen Link auf der Web­sei­te des Bau­ern­mu­se­ums Bam­ber­ger Land öffent­lich zugäng­lich.