Auto­no­mes Fah­ren mit Block­chain: Bay­reu­ther Stu­die­ren­de sie­gen im inter­na­tio­na­len MOBI-Wettbewerb

Selbstgebaute Modellfahrzeuge veranschaulichen die innovative Idee des Bayreuther Teams,autonomes Fahren und ein Blockchain-basiertes Vergütungssystem zu kombinieren. Foto: Enes Kucevic.
Selbstgebaute Modellfahrzeuge veranschaulichen die innovative Idee des Bayreuther Teams,autonomes Fahren und ein Blockchain-basiertes Vergütungssystem zu kombinieren. Foto: Enes Kucevic.
Das Team der Uni Bayreuth präsentiert die preisgekrönte Entwicklung im BMW IT-Zentrum in München: Prof. Dr. Gilbert Fridgen, Nicolas Ruhland, Matthias Babel, Jonas Brügmann und Jannik Lockl (v.l.). Foto: Enes Kucevic.

Das Team der Uni Bay­reuth prä­sen­tiert die preis­ge­krön­te Ent­wick­lung im BMW IT-Zen­trum in Mün­chen: Prof. Dr. Gil­bert Fri­d­gen, Nico­las Ruh­land, Mat­thi­as Babel, Jonas Brüg­mann und Jan­nik Lockl (v.l.). Foto: Enes Kucevic.

Ein Stu­die­ren­den-Team der Uni­ver­si­tät Bay­reuth hat in der welt­wei­ten MOBI Grand Chal­len­ge den drit­ten Platz erzielt. Der Wett­be­werb prä­miert inno­va­ti­ve Anwen­dun­gen der Block­chain-Tech­no­lo­gie auf den Gebie­ten Trans­port und Auto­mo­bi­li­tät. Mit einem neu­en Kon­zept, das auto­no­mes Fah­ren und ein Block­chain-gesteu­er­tes Ver­gü­tungs­sy­stem kom­bi­niert, konn­ten sich die Stu­die­ren­den aus Bay­reuth in der End­run­de gegen­über 21 ande­ren Teams durch­set­zen – unter ande­rem gegen Teams hoch­ran­gi­ger Uni­ver­si­tä­ten aus den USA. Im Anschluss an die End­run­de des Wett­be­werbs am 15. Febru­ar 2019 in Mün­chen nahm das Team unter der Lei­tung von Prof. Dr. Gil­bert Fri­d­gen die mit 21.000 US-Dol­lar dotier­te Aus­zeich­nung entgegen.

Mat­thi­as Babel, Jonas Brüg­mann und Nico­las Ruh­land, Stu­die­ren­de der Wirt­schafts­in­for­ma­tik an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, haben gemein­sam ein inno­va­ti­ves Kon­zept für ein markt­fä­hi­ges „Pla­too­ning“ ent­wickelt. Der Begriff bezeich­net einen Vor­gang, bei dem zwei oder meh­re­re Fahr­zeu­ge in einem sehr gerin­gen Abstand hin­ter­ein­an­der fah­ren. Die Fahr­zeu­ge tau­schen ihre Sen­sor­da­ten stän­dig mit­ein­an­der aus, so dass Lenk­rä­der, Gas- und Brems­pe­da­le der nach­fol­gen­den Fahr­zeu­ge mit hoher Prä­zi­si­on auto­ma­tisch gesteu­ert wer­den. Durch die­sen Daten­aus­tausch sind alle betei­lig­ten Fahr­zeu­ge wie durch eine unsicht­ba­re Deich­sel mit­ein­an­der ver­kop­pelt und kön­nen eine Kolon­ne bil­den. Das Fahr­zeug an der Spit­ze wird von einer Per­son gesteu­ert, die Pas­sa­gie­re in den nach­fol­gen­den Fahr­zeu­gen haben das Erleb­nis eines auto­no­men Fah­rens, ohne dass sie nicht-mensch­li­chen Syste­men die vol­le Kon­trol­le geben müssen.

Mit dem Aus­tausch der Sen­sor­da­ten haben die Bay­reu­ther Preis­trä­ger ein Ver­gü­tungs­sy­stem kom­bi­niert, bei dem IOTA – eine Wei­ter­ent­wick­lung der Block­chain-Tech­no­lo­gie – zum Ein­satz kommt: Die Sen­sor­da­ten bil­den die Basis für par­al­lel ablau­fen­de Zah­lungs­strö­me, mit denen die ent­ste­hen­den Kosten nahe­zu zeit­gleich ver­gü­tet wer­den. Die­se neue Anwen­dung von IOTA haben die Stu­die­ren­den im Block­chain­Lab der Fraun­ho­fer Pro­jekt­grup­pe für Wirt­schafts­in­for­ma­tik ent­wickelt, die mit der Uni­ver­si­tät Bay­reuth eng kooperiert.

„Wir waren alle sehr über­rascht, aber zugleich auch stolz, als wir erfah­ren haben, dass wir zu den Fina­li­sten der MOBI Grand Chal­len­ge zäh­len“, sagt Jonas Brüg­mann. „Es war beein­druckend, wie Jonas, Mat­thi­as und Nico­las zu einem Team zusam­men­ge­wach­sen sind und mit einer unglaub­li­chen Inten­si­tät dar­an gear­bei­tet haben, die inter­na­tio­na­le Jury zu über­zeu­gen“, ergänzt Jan­nik Lockl M. Sc., der die Stu­die­ren­den sei­tens der Bay­reu­ther Block­chain-For­schungs­grup­pe betreut hat. Er ist Mit­ar­bei­ter bei Prof. Dr. Gil­bert Fri­d­gen, dem Lei­ter des Block­chain­Lab, der an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth eine Pro­fes­sur für Wirt­schafts­in­for­ma­tik und Nach­hal­ti­ges IT-Manage­ment innehat.

Um der Jury anschau­lich vor­zu­füh­ren, wie Pla­too­ning mit einem Ver­gü­tungs­sy­stem auf der Basis von Block­chain kom­bi­niert wer­den kann, hat das Bay­reu­ther Team Modell­au­tos gebaut, die das neue Kon­zept in die Pra­xis umset­zen. Die Pro­to­ty­pen zei­gen bei­spiel­haft, wie ein wirt­schaft­lich erfolg­rei­ches Pla­too­ning schon in naher Zukunft im Auto­mo­bil­markt rea­li­siert wer­den kann. „Die Visi­on des auto­no­men Fah­rens, die noch vor weni­gen Jah­ren als unrea­li­sti­scher Wunsch­traum abge­tan wur­de, rückt heu­te immer mehr in greif­ba­re Nähe. Dazu tra­gen auch die inno­va­ti­ven Ideen unse­res erfolg­rei­chen Stu­die­ren­den-Teams bei. Das Pla­too­ning stellt einen wich­ti­gen Schritt hin zum voll­au­to­no­men Ver­kehr dar und wird mög­li­cher­wei­se schon bald einen festen Platz in moder­nen, umwelt­freund­li­chen Trans­port­sy­ste­men erobern“, meint Pro­jekt­lei­ter Fridgen.

Hin­ter­grund:

Die MOBI Grand Chal­len­ge, die 2018/19 erst­ma­lig statt­fand, ist ein inter­na­tio­na­ler Wett­be­werb, den die Mobi­li­ty Open Block­chain Initia­ti­ve (MOBI) und die Tru­sted IoT Alli­an­ce (TIo­TA) gemein­sam auf den Weg gebracht haben. MOBI ist das welt­weit größ­te Kon­sor­ti­um zur Erfor­schung und Nut­zung der Block­chain-Tech­no­lo­gie im Auto­mo­bil­sek­tor. Es ver­eint mit mehr als 30 teil­neh­men­den Unter­neh­men über 70 Pro­zent des welt­wei­ten Auto­mo­bil­mark­tes. Nam­haf­te Glo­bal Play­er, wie bei­spiels­wei­se BMW, Bosch, GM und IBM, sind Part­ner der MOBI Grand Challenge.

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