Offener Brief: „Unfallstatistik Stadt Bamberg“

Differenzierte Betrachtung der Unfallstatistik für ein realistisches Bild der Hauptverursacher von Unfällen mit Fahrradbeteiligung

Sehr geehrter Herr Schreiber,

in Kürze werden dem Bamberger Stadtrat von Ihnen wieder die jährlichen Unfallzahlen präsentiert. Danke für diese wichtige Sensibilisierung im Rahmen Ihrer polizeilichen Arbeit und der Ihrer Kolleginnen und Kollegen.

Zumindest im bundesweiten Trend zeichnet sich für 2018 eine bedenkliche Entwicklung hinsichtlich der Fahrradunfälle ab. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, viele Experten sind sich jedoch einig, dass das gestiegene Verkehrsaufkommen insbesondere in Städten dabei eine gewichtige Rolle spielt.

Hinsichtlich der Ursachenforschung hat es in der Vergangenheit leider immer wieder Fehlinterpretationen gegeben, wenn es um die isolierte Betrachtung der Fahrradunfälle ging. So führte die Tatsache, dass ein Teil der Fahrradunfälle (wie bei allen Verkehrsmitteln) sog. Alleinunfälle (d.h. ohne Beteiligung eines anderen Verkehrsteilnehmers) oder Unfälle von zwei Radfahrenden sind, bei einigen politischen Verantwortungsträgern in der Vergangenheit immer wieder zur pauschalen wie falschen Aussage, dass die meisten Radfahrer ja selbst schuld an ihren Unfällen seien. Eine fatale Botschaft!

Bei Unfällen mit zwei Beteiligten zeigt sich ein anderes als das entstandene Bild: Laut Statistischem Bundesamt waren von 2013 bis 2016 Pkw bei Zusammenstößen mit Fahrradfahrern zu 75 Prozent die Hauptverursacher. Bei Unfällen zwischen Lkw und Fahrrad waren die Lastkraftwagen sogar zu 80 Prozent die Hauptverursacher. Radfahrer sind insgesamt bei nur einem Drittel aller Unfälle mit weiteren Beteiligten die Hauptverursacher. Um die Unfälle zwischen Radfahrern bereinigt, sind Radler nur zu einem Viertel die Hauptverursacher von Unfällen mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Als ADFC Bamberg möchten wir Sie daher bitten, die Unfallstatistik für 2018 um obige Angaben hinsichtlich der Haupt-Unfallverursacher zu ergänzen. Wir sehen dies als Beitrag zur Versachlichung der Diskussion und als Anstoß, dass die richtigen politischen Konsequenzen auch auf kommunaler Ebene gezogen werden.

Der wirksamste Schutz vor Unfällen ist neben der Beachtung von Paragraph 1 StVO eine gute und sichere Rad-Infrastruktur, die dem Verkehrsmittel Fahrrad den entsprechenden Platz zuweist. Diese auch der Prävention von Unfällen dienliche Flächengerechtigkeit im Sinne des Interessensausgleichs fordert der ADFC auf Bundes-, Landes und auch kommunaler Ebene.

Herzlichen Dank für Ihre Mühen!

Christian Hader, Vorstandsmitglied und verkehrspolitischer Sprecher ADFC Bamberg