Neu in der Dau­er­aus­stel­lung des Richard Wag­ner Muse­ums: Der Takt­stock, mit dem Richard Wag­ner das „Sieg­fried-Idyll“ dirigierte

Der Taktstock, mit dem Richard Wagner das „Siegfried-Idyll“ dirigierte

Der Takt­stock, mit dem Richard Wag­ner das „Sieg­fried-Idyll“ dirigierte

Seit Dezem­ber 2018 ist in Haus Wahn­fried ein neu­es außer­ge­wöhn­li­ches Arte­fakt zu sehen: Der Takt­stock, mit dem Richard Wag­ner fast genau 148 Jah­re vor­her, näm­lich am 25. Dezem­ber 1870, die Urauf­füh­rung des „Sieg­fried-Idylls“ in sei­nem Haus in Trib­schen bei Luzern diri­gier­te. Der Kom­po­nist schrieb das Werk zur Erin­ne­rung an die Geburt sei­nes ein­zi­gen Soh­nes Sieg­fried im Jahr zuvor und mach­te es sei­ner Frau Cosi­ma zu deren 33. Geburts­tag zum Geschenk.

Auf dem vier­kan­ti­gen Takt­stock aus Holz wur­de nach der Urauf­füh­rung der Anlass ver­ewigt – eine Sei­te ist gra­viert mit den Wor­ten „Trib­sche­ner Idyll.“, die ihr gegen­über­lie­gen­den Sei­te trägt die Inschrift „Den 25. Decem­ber 1870.” Cosi­ma notier­te in ihrem Tage­buch am 2. Febru­ar 1871, also rund zwei Mona­te nach der Auf­füh­rung: „Ankunft des gra­vier­ten Takt­stocks des Idyll“.

Am 31. Juli 2018 fand die fei­er­li­che Über­ga­be an das Richard Wag­ner Muse­um statt, anläss­lich derer die bis­he­ri­ge Besit­ze­rin Dr. Han­nah Jo Smith über das Arte­fakt berich­te­te und GMD Chri­sti­an Thie­le­mann das „Sieg­fried-Idyll“ in sei­ner ori­gi­na­len Fas­sung für Kam­mer­or­che­ster mit 13 Instru­men­ten dirigierte.

Das Richard Wag­ner Muse­um schätzt sich glück­lich, dass der Takt­stock sich nun in sei­ner Samm­lung befindet.

Was bis­her geschah: Die Her­kunft des Taktstocks

Das außer­or­dent­li­che Arte­fakt hat eine beweg­te Geschich­te hin­ter sich: Als Richard Wag­ner das Sieg­fried-Idyll am 20. Dezem­ber 1871 in Mann­heim zum zwei­ten Mal auf­führ­te, diri­gier­te er erneut mit die­sem Takt­stock. Anschlie­ßend mach­te er ihn Emil Heckel zum Geschenk, der die Auf­füh­rung orga­ni­siert hat­te – jenem Musi­ka­li­en­händ­ler und guten Freund des Ehe­paa­res, der auch den welt­weit ersten Richard-Wag­ner-Ver­band in Mann­heim gründete.

Die­ser über­sand­te das Arte­fakt ver­mut­lich nach Richard Wag­ners Tod wie­der an Cosi­ma Wag­ner, damit es „dort wie alles, was sich auf den Mei­ster bezieht, auf’s hei­lig­ste bewahrt“ werde.

Am Ende des zwei­ten Welt­krie­ges, am 5. April 1945, wur­de Wahn­fried bei einem der Flie­ger­an­grif­fe auf Bay­reuth sym­bol­träch­tig zer­stört. Ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten der 3. US-Infan­te­rie­di­vi­si­on tra­fen am 14. April in der Stadt ein. Einer von ihnen, Cap­tain Robert Pear­son , fand den Takt­stock im Schutt rund um das Haus. Eini­ge Jah­re spä­ter gab er das Objekt an einen Freund, Dr. Phil­ip Smith, im Aus­tausch für einen Brief­wech­sel mit dem US-ame­ri­ka­ni­schen Schrift­stel­ler Aldous Hux­ley. Dr. Smith gab den Takt­stock an sei­ne Toch­ter Han­na Jo wei­ter, die ihn in einem Bank­schließ­fach auf­be­wahr­te, bis ihr Sohn die Idee auf­brach­te, den Takt­stock nach Wahn­fried und damit ins Licht der Öffent­lich­keit zurückzubringen.

Das Sieg­fried-Idyll

Richard Wag­ner kom­po­nier­te das Werk heim­lich im Novem­ber und Dezem­ber 1870 in Trib­schen, als Geburts­tags­ge­schenk und zur Erin­ne­rung an die Geburt des ersten gemein­sa­men Soh­nes Sieg­fried (genannt „Fidi“) für sei­ne Frau Cosi­ma. Der Ori­gi­nal­ti­tel lau­tet „Trib­sche­ner Idyll mit Fidi-Vogel­ge­sang und Oran­ge-Son­nen­auf­gang, als Sym­pho­ni­scher Geburts­tags­gruss. Sei­ner Cosi­ma dar­ge­bracht von Ihrem Richard.“ Die Urauf­füh­rung fand anläss­lich von Cosi­mas 33. Geburts­tags am 25. Dezem­ber, genau vier Mona­te nach der Hoch­zeit, im Trep­pen­haus des Wohn­hau­ses der Fami­lie statt, durch 16 Mit­glie­der des Orche­sters der Zür­cher Tonhalle.

Die „klei­ne Pri­vat­kom­po­si­ti­on“, wie Richard Wag­ner sie nann­te, wur­de bis 1877 nur im pri­va­ten Rah­men auf­ge­führt und erst 1878 publi­ziert, weil Cosi­ma sowohl öffent­li­che Auf­füh­run­gen wie auch die Ver­öf­fent­li­chung die­ses Geschenks zunächst ablehnte.

In Trib­schen leb­ten Richard Wag­ner und Cosi­ma von Bülow, die für ihn ihren Mann ver­las­sen hat­te, seit 1867 unver­hei­ra­tet zusam­men. Dort wur­de auch 1867 das zwei­te gemein­sa­me Kind Eva und 1869 der ersehn­te Sohn Sieg­fried gebo­ren. Erst nach des­sen Geburt ließ sich Cosi­ma 1870 von Hans von Bülow schei­den und hei­ra­te­te Richard Wag­ner. Die Fami­lie Wag­ner ver­ließ das gemie­te­te Haus in Trib­schen 1872 erst, um in Bay­reuth, dem dafür erwähl­ten Ort, die ersten Fest­spie­le zu organisieren.

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