BHT-Mit­glie­der­ver­samm­lung in Bam­berg

Foto: Ronald Rinklef
Foto: Ronald Rinklef

Peteran­derl: „Wich­ti­ge wirt­schafts­po­li­ti­sche Wei­chen stel­len“

Zur Mit­glie­der­ver­samm­lung des Baye­ri­schen Hand­werks­ta­ges (BHT) in Bam­berg atte­stier­te Prä­si­dent Franz Xaver Peteran­derl dem Hand­werk eine wirt­schaft­lich gute Ent­wick­lung im lau­fen­den Jahr. Peteran­derl rech­net mit einem rea­len Umsatz­plus von drei Pro­zent und einem Anstieg der Beschäf­ti­gung um ein Pro­zent. Das baye­ri­sche Hand­werk for­dert, wich­ti­ge wirt­schafts­po­li­ti­sche Wei­chen wäh­rend der momen­ta­nen kon­junk­tu­rel­len Hoch­pha­se zu stel­len.

Weil der Fach­kräf­te­man­gel die Ent­wick­lung hemmt, befür­wor­tet der BHT-Prä­si­dent das von der Bun­des­re­gie­rung geplan­te Fach­kräf­te­zu­wan­de­rungs­ge­setz: „Das Hand­werk begrüßt Erleich­te­run­gen bei der Zuwan­de­rung beruf­lich qua­li­fi­zier­ter Men­schen. Wir hal­ten es auch für rich­tig, dass Men­schen mit Flucht­hin­ter­grund, die sich durch eine Aus­bil­dung oder qua­li­fi­zier­te Beschäf­ti­gung im Hand­werk und in unse­rem Wer­te­sy­stem inte­grie­ren, ein Blei­be­recht bekom­men.“ Auch die von der Bun­des­re­gie­rung geplan­te Stär­kung der beruf­li­chen Bil­dung durch die Novel­lie­rung des Berufs­bil­dungs­ge­set­zes geht aus Sicht des baye­ri­schen Hand­werks in die rich­ti­ge Rich­tung. „Für uns könn­te dies eine Chan­ce sein, den Begriff der höhe­ren Berufs­bil­dung im Gesetz zu ver­an­kern, die Fort­bil­dungs­stu­fen ab dem Gesel­len­brief sicht­bar zu machen und auch zu benen­nen“, so Peteran­derl. Gleich­zei­tig warnt das baye­ri­sche Hand­werk vor der im Koali­ti­ons­ver­trag vor­ge­se­he­nen Min­dest­aus­bil­dungs­ver­gü­tung. Der BHT-Prä­si­dent: „Die Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen wur­den von den Tarif­part­nern in der Ver­gan­gen­heit immer ver­ant­wort­lich und sach­ge­recht gere­gelt. Eine Min­dest­ver­gü­tung könn­te sich als ern­stes Hin­der­nis für die Aus­bil­dung im Hand­werk erwei­sen. Die Aus­bil­dungs­be­reit­schaft könn­te sin­ken.“ Er befürch­tet, dass dann vor allem lei­stungs­schwä­che­re Jugend­li­che schwe­rer in der Arbeits­welt Fuß fas­sen wür­den. Peteran­derl beton­te, dass die Aus­bil­dungs­ver­gü­tung kein Lohn für eine Lei­stung sei, son­dern eine Unter­stüt­zung zum Lebens­un­ter­halt, die der Aus­zu­bil­den­de bei­spiels­wei­se auch wäh­rend der Zeit in der Berufs­schu­le erhält.

BHT-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Dr. Frank Hüpers ging in sei­ner Rede auf eini­ge Geset­zes­in­itia­ti­ven der Bun­des­re­gie­rung ein und warn­te vor zusätz­li­chen Bela­stun­gen für Bei­trags- und Steu­er­zah­ler. Als Bei­spiel nann­te Hüpers das Ren­ten­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung: „Um ein Ren­ten­ni­veau von 48 Pro­zent zu hal­ten, müss­te man im Jahr 2040 etwa 50 Mil­li­ar­den Euro auf­wen­den. Damit wür­de der Ren­ten­bei­trag auf mehr als 25 Pro­zent stei­gen. Für die Bei­trags­zah­ler wäre das eine Kata­stro­phe.“ Der Baye­ri­sche Hand­werks­tag leh­ne daher die geplan­te Fest­schrei­bung des Ren­ten­ni­veaus ab. Hüpers kri­ti­sier­te außer­dem die Bei­trags­er­hö­hung bei der Pfle­ge­ver­si­che­rung und die Wie­der­ein­füh­rung der pari­tä­ti­schen Finan­zie­rung des all­ge­mei­nen Bei­trags­sat­zes zur Kran­ken­ver­si­che­rung.

Schar­fe Kri­tik übte der BHT-Haupt­ge­schäfts­füh­rer an einem wei­te­ren Pro­jekt der Gro­ßen Koali­ti­on: „Die geplan­te Ein­füh­rung einer Brücken­teil­zeit ist ein­sei­tig an den Inter­es­sen der Arbeit­neh­mer aus­ge­rich­tet. Für Unter­neh­men bedeu­tet sie einen gro­ben Ein­griff in die betrieb­li­chen Abläu­fe. Hand­werks­be­trie­be und ihre Mit­ar­bei­ter kom­men mit frei­wil­li­gen, gemein­sam getrof­fe­nen Abspra­chen wei­ter als mit gesetz­li­chem Zwang.“ In der Dis­kus­si­on um den so genann­ten „Lebens­mit­tel­pran­ger“ geht es nach den Wor­ten von Hüpers dar­um, „hand­werks­feind­li­che Aus­wir­kun­gen“ in Gren­zen zu hal­ten. „Wir haben im Baye­ri­schen Ver­brau­cher­schutz­mi­ni­ste­ri­um u.a. kur­ze Lösch­fri­sten, rasche Nach­kon­trol­len der Betrie­be und die sofor­ti­ge Löschung der Ver­öf­fent­li­chung bei Ver­stö­ßen gefor­dert. Außer­dem for­dern wir, dass nicht blo­ße auf Ver­dacht hin ver­öf­fent­licht wer­den darf.“ Das baye­ri­sche Hand­werk will die Umset­zung genau beob­ach­ten und bei Bedarf nach­ha­ken.

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