Uni­ver­si­tät Bay­reuth hilft Män­nern auf die Sprün­ge

„ACTION for Men“- Pro­jekt in der Ober­pfalz

Män­ner leben unge­sün­der – vor allem, wenn ihre akti­ve Wett­kampf- und Ver­eins­pha­se vor­bei ist, denn sie nut­zen im Gegen­satz zu Frau­en sehr sel­ten Gesund­heits­för­de­rungs­an­ge­bo­te. Da setzt „ACTION for Men“ an: Gemein­sam mit der Uni­ver­si­tät Regens­burg, dem Baye­ri­schen Lan­des­sport­ver­band, der Stadt Sulz­bach-Rosen­berg, der Gemein­de Küm­mers­bruck und dem Gesund­heits­amt Amberg ent­wickeln die Wis­sen­schaft­ler am Lehr­stuhl Sozi­al- und Gesund­heits­wis­sen­schaf­ten des Sports der Uni­ver­si­tät Bay­reuth wirk­sa­me Gegen­maß­nah­men.

„Es geht vor allem dar­um, die Hemm­schwel­le zu Bewe­gung und Sport für Män­ner ab 50 mög­lichst nied­rig zu hal­ten und ihren Drang nach Wett­be­werb zu befrie­di­gen“, sagt Prof. Dr. Susan­ne Tittl­bach, Inha­be­rin des Lehr­stuhls Sozi­al- und Gesund­heits­wis­sen­schaf­ten des Sports, denn: Män­ner sind das Sor­gen­kind der Public-Health-Fach­leu­te. Sie haben im Ver­gleich zu Frau­en eine höhe­re Sterb­lich­keits­ra­te durch chro­ni­sche Erkran­kun­gen, spre­chen auf die klas­si­schen Gesund­heits­för­de­rungs­an­ge­bo­te aber kaum an. Prof. Tittl­bach kennt einen Grund: „Nach dem Ende ihrer oft­mals wett­kampf­ori­en­tier­ten Sport­lauf­bahn gelingt es Män­nern nur sel­ten, sich für ein alter­na­ti­ves gesund­heits­för­der­li­ches Sport­an­ge­bot zu begei­stern. Dies liegt aller­dings nicht an einem gene­rel­len Des­in­ter­es­se an ihrer Gesund­heit. Viel­mehr spie­len gesell­schaft­lich gepräg­te Vor­stel­lun­gen von Männ­lich­keit mit den Idea­len von Här­te und Stär­ke eine zen­tra­le Rol­le.“ Dem wol­len die Wis­sen­schaft­ler ent­ge­gen wir­ken: Dabei arbei­ten sie mit Ver­tre­tern aus der Ziel­grup­pe selbst, vor allem auch mit den­je­ni­gen zusam­men, die in der Gemein­de für Gesund­heit und Bewe­gung zustän­dig sind: Ver­wal­tung, Ver­ei­ne, Anbie­ter von Bewe­gungs­kur­sen und Ver­bän­de. Gemein­sam wer­den wirk­sa­me Maß­nah­men der Bewe­gungs­för­de­rung für Män­ner 50 plus geplant und umge­setzt.

Die bis­he­ri­gen Resul­ta­te der Pro­jekt­ar­beit, die in Sulz­bach-Rosen­berg und der Gemein­de Küm­mers­bruck statt­fand und in Küm­mers­bruck fort­ge­setzt wird, sind viel­ver­spre­chend. „In einer bei­spiel­lo­sen Koope­ra­ti­on zwi­schen den ansäs­si­gen Sport­ver­ei­nen und der Gemein­de­ver­wal­tung wur­de ein Bewe­gungs­an­ge­bot spe­zi­ell für Män­ner 50 plus geschaf­fen“, berich­tet Dr. Hel­mut Stro­bl vom Bay­reu­ther Lehr­stuhl. Bestehen­de Bewe­gungs­an­ge­bo­te der Ver­ei­ne wur­den zunächst umbe­nannt (so wur­de z.B. aus „Her­ren­gym­na­stik“ ein „Fit­ness-Mix für Män­ner“), inhalt­lich neu kon­zi­piert (z.B. ver­mehr­te Inte­gra­ti­on von klei­nen Wett­kämp­fen und Bewe­gungs­for­men mit Ball) oder kom­plett neu geschaf­fen (z.B. Män­ner­yo­ga und Leich­tes Kara­te). „So errei­chen wir Män­ner über 50 viel bes­ser“, sagt Stro­bl. In einem näch­sten Schritt wur­de eine soge­nann­te Sport­Card (SC) ent­wickelt. Mit die­ser käuf­lich zu erwer­ben­den und von der Gemein­de sub­ven­tio­nier­ten SC kön­nen Män­ner 50 plus aus dem spe­zi­fisch für sie gestal­te­ten Bewe­gungs­pro­gramm über einen bestimm­ten Zeit­raum Kur­se aus­wäh­len und aus­pro­bie­ren, wobei der Ver­si­che­rungs­schutz jeder­zeit gewähr­lei­stet ist – egal wel­ches Ange­bot von wel­chem Ver­ein genutzt wird. Auf die­se Wei­se wer­den Ein­stiegs­bar­rie­ren („Ich weiß nicht, wel­ches Ange­bot für mich geeig­net ist“, „Ich habe kei­ne Zeit“ bzw. „Ich will mich nicht gleich dau­er­haft an einen Ver­ein bin­den“) redu­ziert. Lang­fri­sti­ges Ziel ist, dass die Män­ner dadurch ein neu­es, geeig­ne­tes Bewe­gungs­pro­gramm für sich ent­decken und Mit­glied in einem der Sport­ver­ei­ne wer­den. Die Ange­bo­te wer­den rege genutzt, so dass die Sport­Card mitt­ler­wei­le schon zum drit­ten Mal neu auf­ge­legt wur­de.

Für die wei­te­re Pro­jekt­lauf­zeit sind ver­schie­de­ne zusätz­li­che Maß­nah­men geplant. So wird ein frei­er Bewe­gungs­treff mit einem wöchent­lich wech­seln­den Bewe­gungs­an­ge­bot im Frei­en ein­ge­rich­tet (z.B. Funk­tio­nel­les Trai­ning, Rücken­kräf­ti­gung oder Rad­tou­ren), um den aus­ge­präg­ten Wunsch vie­ler Män­ner nach Bewe­gung in der Natur zu erfül­len. Dar­über hin­aus besteht die Mög­lich­keit, das Deut­sche Sport­ab­zei­chen abzu­le­gen. So sol­len die Män­ner erreicht wer­den, die sich von Sport­ver­ein­s­an­ge­bo­ten kaum ange­spro­chen füh­len. Dazu wer­den auch Ver­tre­ter des Gesund­heits­we­sens (Ärz­te, Apo­the­ker) als Kom­mu­ni­ka­to­ren ein­ge­bun­den sowie die Koope­ra­ti­on mit ande­ren Ver­ei­nen wie z.B. der Feu­er­wehr inten­si­viert. Des Wei­te­ren wer­den Bewe­gungs­an­ge­bo­te für abso­lu­te Neu­ein­stei­ger ohne jeg­li­chen sport­li­chen Hin­ter­grund geschaf­fen. Schließ­lich sol­len aus den Ideen und Vor­schlä­gen der Män­ner selbst neue Bewe­gungs­an­ge­bo­te ent­ste­hen. Eine beglei­ten­de Eva­lua­ti­on soll Auf­schluss dar­über geben, wel­che Maß­nah­men erfolg­reich sind und ob der par­ti­zi­pa­ti­ve Pro­jekt­an­satz sinn­voll ist. Die erfolg­ver­spre­chend­sten Ansät­ze sol­len anschlie­ßend zusam­men mit Dach­or­ga­ni­sa­tio­nen wie dem Baye­ri­schen Lan­des­sport­ver­band auf wei­te­re Gemein­den in der Ober­pfalz über­tra­gen wer­den.

‚ACTION for Men‘ ist ein Teil­pro­jekt des For­schungs­ver­bunds ‚Capital4Health‘, der die Ent­wick­lung und Erfor­schung von Hand­lungs­mög­lich­kei­ten für einen akti­ven Lebens­stil bei unter­schied­li­chen Bevöl­ke­rungs­grup­pen in unter­schied­li­chen Set­tings (Kin­der­gar­ten, Schu­le, Arbeits­platz und Gemein­de) zum Ziel hat. Nach einer ersten Pro­jekt­pha­se von 2015 bis 2018 wird der Ver­bund jetzt für wei­te­re drei Jah­re bis 2021 vom BMBF geför­dert.

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