In der Frän­ki­schen Schweiz dreht sich im Okto­ber alles um den Meer­ret­tich

Kassler mit Kraut und Kartoffelpuffer mit Krensoße. Foto: TZ Fränkische Schweiz
Kassler mit Kraut und Kartoffelpuffer mit Krensoße. Foto: TZ Fränkische Schweiz

Der Herbst wird ganz schön scharf

Kren, Grien oder Beiß­wur­zel – der Meer­ret­tich hat vie­le Namen. So viel­sei­tig wie die Bezeich­nun­gen ist auch die schar­fe Wur­zel selbst. Ob als Bei­la­ge, im Brot­auf­strich oder im Des­sert – das jahr­hun­der­te­al­te Gewächs hat eini­ges zu bie­ten: Die Wur­zel ist gesund, eine tol­le Bei­la­ge zum Gericht und wird hier ange­baut. Des­halb wid­met sich die Frän­ki­sche Schweiz dem Meer­ret­tich einen gan­zen Monat lang, von Anfang bis Ende Okto­ber in aus­ge­wähl­ten Restau­rants.

Zum 19. Mal ver­an­stal­tet die Tou­ris­mus­zen­tra­le Frän­ki­sche Schweiz das all­jähr­li­che Fein­schmecker-Ereig­nis „Schar­fe Wochen“. 21 Gastro­no­men der Regi­on kre­ieren für den gesam­ten Monat Okto­ber wie­der eine eige­ne „Kren-Spei­se­kar­te“, auf der min­de­stens drei Meer­ret­tich-Haupt­ge­rich­te täg­lich ange­bo­ten wer­den. Der Fan­ta­sie sind dabei kei­ne Gren­zen gesetzt: Sowohl der Klas­si­ker „Tafel­spitz mit Meer­ret­tich­so­ße“, eine frän­ki­sche Forel­le mit Kren-Fül­lung oder haus­ge­mach­tes Apfel-Kren-Eis – Haupt­sa­che, es schmeckt! Und das tut es. Mit der Akti­on „Schar­fe Wochen“ soll der Meer­ret­tich als regio­na­le Beson­der­heit eine wei­te Ver­brei­tung als hei­mi­sche Spe­zia­li­tät erfah­ren.

Damit sich Besu­cher einen genau­en Über­blick dar­über ver­schaf­fen kön­nen, wel­cher Gast­hof wel­che Spei­sen anbie­tet, gibt es auch in die­sem Jahr wie­der einen Son­der­pro­spekt, in dem alle betei­lig­ten gastro­no­mi­schen Betrie­be der Frän­ki­schen Schweiz mit kom­plet­ter Adres­se ver­zeich­net sind. Für alle, die end­lich mehr über die schar­fe Wur­zel und ihre Zube­rei­tung wis­sen wol­len, bie­tet die Volks­hoch­schu­le Forch­heim, Tel.: +49 (0)9191 86–1060, außer­dem spe­zi­el­le Koch­kur­se an. Kurs 1: Ter­min: Diens­tag, 09.10.2018, von 18.00–21.30 Uhr in Eber­mann­stadt. Oder Kurs 2 am Mitt­woch, 17.10.2018, von 18.00–21.30 Uhr in Forch­heim.
Infor­ma­tio­nen rund um Geschich­te, Anbau, Ver­ar­bei­tung und Ver­wen­dung des schärf­sten und gesün­de­sten aller regio­na­len Gewür­ze gibt es im Meer­ret­tich-Muse­um in Bai­ers­dorf. Im schärf­sten Muse­um der Welt erle­ben Gäste die Welt der „magi­schen Wur­zel“ als ein Stück frän­kisch-baye­ri­scher Kul­tur- und Wirt­schafts­ge­schich­te.

Seit Jahr­hun­der­ten wird dem Meer­ret­tich in der Natur­me­di­zin viel Gutes nach­ge­sagt. Denn Meer­ret­tich ent­facht nicht nur ein scharf-wür­zi­ges Feu­er­werk auf der Zun­ge, son­dern ist auch sehr gesund: Bak­te­ri­en­hem­men­de, sogar krebs­hem­men­de Eigen­schaf­ten sind der Zau­ber­wur­zel von Wis­sen­schaft­lern zuer­kannt wor­den. Mit dop­pelt soviel Vit­amin C wie in Zitro­nen, äthe­ri­schen Ölen und dem anti­bio­ti­schen Wirk­stoff Sini­grin regt Meer­ret­tich den Kreis­lauf an, belebt die Sin­ne, stärkt das Immun­sy­stem, akti­viert den Stoff­wech­sel, för­dert die Ver­dau­ung und weckt die Lebens­kräf­te. Dar­um ab in die Frän­ki­sche Schweiz zu den „Schar­fen Wochen“! Das wür­zi­ge Erleb­nis lohnt sich – Wohl­be­fin­den für Kör­per und Geist.

Info: Die Bro­schü­re gibt es kosten­los bei der Tou­ris­mus­zen­tra­le in Eber­mann­stadt, Obe­res Tor 1, Tel.: 09191 86–1054 oder auf der Home­page https://​shop​.fra​en​ki​sche​-schweiz​.com/​k​u​l​i​n​a​r​ik/ zum Down­load.

Exkurs – Kren­wei­ber:

Es gab eine Zeit, da hat­te Bai­ers­dorf und die Gegend drum her­um vie­le „Genuss­bot­schaf­ter“, wür­de man heu­te sagen. Damals nann­te man sie „Kren­wei­ber“. Sie gin­gen von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt um ihre fri­schen Kren­pro­duk­te, meist Meer­ret­tich­stan­gen an den Mann oder an die Haus­frau zu brin­gen, zu „haus­sie­ren“. Der „Job“ war hart. Stun­den­lang schwe­re „Huckel“-Körbe zu tra­gen, das Gan­ze noch in dicken war­men Klei­dern, der „Laaft­racht“ und dabei immer geschäfts­tüch­tig und freund­lich sein, das war nicht jeder­manns Sache. Trotz­dem gab es in den 70-er Jah­ren noch Hun­der­te von Ihnen, die zum Teil bis nach Mün­chen fuh­ren und in den Nor­den Deutsch­lands um neben Kren dann auch Gewür­ze, Tee und Kräu­ter anzu­bie­ten. Damals gab es noch kei­ne Super­märk­te, nur Tan­te Emma-Läden und die hat­ten nicht alles vor­rä­tig. Des­halb wur­den aus den ein­jäh­ri­gen Besu­chen, die Tour begann meist im Oktober/​November nach­dem die Kren­ern­te ein­ge­fah­ren war, bald eine „Tour“, auf der man sei­ne Stamm­kun­den alle paar Wochen besuch­te. Schließ­lich gab der Markt soviel Nach­fra­ge her, dass etli­che Kren­wei­ber sess­haft wur­den. Sie bau­ten Stän­de an den wich­ti­gen Gemü­se­märk­ten, wie dem Vik­tua­li­en­markt in Mün­chen auf und betrie­ben ihr Hand­werk pro­fes­sio­nell und laut­stark, bei­spiels­wei­se mit dem Ruf: „Kree macht schee“. Für das Aus­ster­ben die­ses Beru­fes soll es meh­re­re Grün­de geben: Die einen sehen in der Ent­ste­hung von Super­märk­ten in den 70-er Jah­ren den Haupt­grund, ande­re geben dem per­so­nal­in­ten­si­ven Kren­an­bau die Schuld. „Ein Acker mit Kren will sei­nen Herrn jeden Tag sehn!“ heißt ein alter Spruch. Des­halb wur­de der Anbau vie­ler­orts in die Län­der ver­legt, die gün­sti­ge­re Arbeits­plät­ze bie­ten. Das letz­te Kren­weib Bay­erns wur­de übri­gens am 4. August 2010 von Ober­bür­ger­mei­ster Chri­sti­an Ude im Mün­che­ner Rat­haus offi­zi­ell ver­ab­schie­det. Hel­ga Kraus hat­te ihren letz­ten Stand­ort vor dem Ein­gang zum Kauf­haus Kar­stadt. Mit der Schlie­ßung des Kauf­hau­ses ging sie mit 70 Jah­ren in den Ruhe­stand. 53 Jah­re lang war sie regel­mä­ßig von Herolds­bach nach Mün­chen gefah­ren. Anfangs war sie zusam­men mit ihrer Mut­ter noch von Haus zu Haus gezo­gen. Mit der Ein­rich­tung der Fuß­gän­ger­zo­ne fand sie 1972 ihren festen Stand­platz vor dem Kauf­haus Ober­pol­lin­ger in der Neu­hau­ser Stra­ße. Vor drei Jah­ren zog sie noch ein­mal um, zum Kar­stadt am Dom. Ins­ge­samt 38 Jah­re lang gehör­te sie zum Bild der Fuß­gän­ger­zo­ne. Dem Berufs­stand der Kren­wei­ber hat die Fir­ma Scha­mel in Bai­ers­dorf ein Denk­mal gesetzt. Im gleich­na­mi­gen Meer­ret­tich-Muse­um kann der Besu­cher eine lebens­gro­ße Figur mit Korb auf dem Rücken und in frän­ki­scher Tracht geklei­det bewun­dern: Eine Hom­mage an die „Genuss­bot­schaf­ter“ frü­he­rer Zei­ten.
Info: https://​www​.scha​mel​.de/​f​a​m​i​l​i​e​n​u​n​t​e​r​n​e​h​m​e​n​/​s​c​h​a​m​e​l​-​m​e​e​r​r​e​t​t​i​c​h​-​m​u​s​e​um/

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