Uni­ver­si­tät Bam­berg: Ein­schät­zun­gen von Sta­ti­sti­ke­rin Susan­ne Räss­ler zum Zen­sus-Urteil

Erfolg mit trau­ri­gem Bei­geschmack

Statistikerin Susanne Rässler kannte sich bestens mit dem Zensus 2011 aus. Quelle: Jürgen Schabel/Universität Bamberg

Sta­ti­sti­ke­rin Susan­ne Räss­ler kann­te sich bestens mit dem Zen­sus 2011 aus. Quel­le: Jür­gen Schabel/​Universität Bam­berg

Die sta­ti­sti­schen Metho­den bei der Volks­zäh­lung 2011 waren ver­fas­sungs­ge­mäß. Über die­ses Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in Karls­ru­he am 19. Sep­tem­ber 2018 hät­te sich Prof. Dr. Susan­ne Räss­ler sehr gefreut. Sie war eine von vier Sach­ver­stän­di­gen, die dem Gericht im Okto­ber 2017 sta­ti­sti­sche Sach­fra­gen beant­wor­te­ten. Lei­der konn­te sie die Urteils­ver­kün­dung nicht mehr mit­er­le­ben, weil sie am 29. August 2018 uner­war­tet im Alter von 55 Jah­ren starb. Susan­ne Räss­ler hat­te den Lehr­stuhl für Sta­ti­stik und Öko­no­me­trie in den Sozi­al- und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät Bam­berg elf Jah­re lang inne. Ein beson­de­res Her­zens­an­lie­gen war ihr die Mit­glied­schaft in der Zen­sus­kom­mis­si­on von 2007 bis 2013. Dadurch kann­te sie sich als eine von weni­gen mit dem Erhe­bungs­ver­fah­ren beim Zen­sus 2011 bestens aus. War­um sich die Sta­ti­sti­ke­rin über das Urteil gefreut hät­te? Die Ant­wort gab sie vor etwa einem Monat.

Haupt­kri­tik­punkt: Ungleich­be­hand­lung von gro­ßen und klei­nen Kom­mu­nen

In einem Inter­view im August sprach Susan­ne Räss­ler über die Kla­gen der bei­den Stadt­staa­ten Ber­lin und Ham­burg, die es wegen des Zen­sus 2011 gab. Ham­burg hat­te nach der Zäh­lung etwa 82.000 Ein­woh­ner weni­ger als laut Bevöl­ke­rungs­fort­schrei­bung erwar­tet, Ber­lin ver­lor sogar rund 180.000 Men­schen. Damit ver­bun­den waren finan­zi­el­le Abstri­che, zum Bei­spiel im Län­der­fi­nanz­aus­gleich. Des­halb klag­ten die Stadt­staa­ten. Sie kri­ti­sier­ten im Gerichts­ver­fah­ren im Okto­ber 2017 die sta­ti­sti­sche Metho­de, mit der der Zen­sus durch­ge­führt wur­de. „Der Haupt­kri­tik­punkt im Gerichts­pro­zess war die Ungleich­be­hand­lung von gro­ßen und klei­nen Kom­mu­nen“, erklär­te Susan­ne Räss­ler. In Kom­mu­nen mit weni­ger als 10.000 Ein­woh­nern zähl­ten die Zen­sus-Mit­ar­bei­ter die Per­so­nen mit­hil­fe von amt­li­chen Regi­stern, die bei­spiels­wei­se aus Ein­woh­ner­mel­de­äm­tern stamm­ten. In Kom­mu­nen mit über 10.000 Ein­woh­nern gab es zusätz­lich eine Haus­halts­stich­pro­be: Zen­sus-Mit­ar­bei­ter befrag­ten zehn Pro­zent der Haus­hal­te und ver­gli­chen die­se erho­be­nen Daten dann mit den amt­li­chen Regi­stern.

Hoch­rech­nung mit einem geeig­ne­ten Ver­fah­ren

Wirt­schafts­sta­ti­sti­ker Prof. Dr. Ralf Mün­nich von der Uni­ver­si­tät Trier berech­ne­te anschlie­ßend mit sei­nem Team, wie vie­le Fehl­be­stän­de und Kar­tei­lei­chen es in den gro­ßen Kom­mu­nen ins­ge­samt gab. „Er hat für die­se Hoch­rech­nung das Ver­fah­ren ver­wen­det, das am geeig­net­sten gewe­sen ist“, war sich Susan­ne Räss­ler sicher. Sie ließ kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die berech­ne­ten Ein­woh­ner­zah­len unter den vor­ge­ge­be­nen Bedin­gun­gen so exakt wie mög­lich waren.

Die Rah­men­be­din­gun­gen hat­te die Poli­tik im Vor­feld im Zen­sus­vor­be­rei­tungs­ge­setz genau fest­ge­legt, dar­un­ter die 10-Pro­zent-Stich­pro­be, die für Kom­mu­nen mit mehr als 10.000 Ein­woh­nern galt. Oder auch die Vor­ga­be, dass die Hoch­rech­nung im Durch­schnitt eine Genau­ig­keit von 0,5 Pro­zent erfül­len soll­te. „Der Deut­sche Bun­des­rat hat das Gesetz ein­stim­mig beschlos­sen“, stell­te Susan­ne Räss­ler klar. Die­se Vor­ga­ben haben die Sta­ti­sti­ker ein­ge­hal­ten. Dass klei­ne und gro­ße Kom­mu­nen unter­schied­lich behan­delt wur­den, hat­te unter ande­rem die­sen Grund: „Es gab 2001 einen Zen­su­s­test und dabei wur­de fest­ge­stellt, dass klei­ne­re Kom­mu­nen sau­be­re­re Regi­ster haben als grö­ße­re – was auch kein Wun­der ist. Der Bür­ger­mei­ster von Mit­te­l­eh­ren­bach kennt die weni­gen hun­dert Ein­woh­ner im Zwei­fels­fall per­sön­lich.“ Auf die­se Wei­se argu­men­tier­te Susan­ne Räss­ler aus tief­ster Über­zeu­gung dafür, dass der Zen­sus 2011 nach bestem Wis­sen und Gewis­sen durch­ge­führt wur­de. Des­halb hät­te sie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am Tag der Urteils­ver­kün­dung glück­lich ver­las­sen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen über Susan­ne Räss­ler unter: www​.uni​-bam​berg​.de/​s​t​a​t​-​o​e​k​/​n​a​c​h​ruf

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