Dem Som­mer geschul­det: Der­schwit­zen ist das Ober­frän­ki­sche Wort des Jah­res 2018

Der Jahr­hun­dert­som­mer 2018 hin­ter­lässt sei­ne Spu­ren. Dies wur­de auch bei der heu­ti­gen Ver­kün­dung des Ober­frän­ki­schen Wort des Jah­res 2018 durch Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler im Bau­ern­hof­mu­se­um in Klein­los­nitz deut­lich. „Der­schwit­zen“ mach­te das Ren­nen aus über 1500 Ein­sen­dun­gen, die bei der Kul­tur­Ser­vice­Stel­le des Bezirks Ober­fran­ken ein­gin­gen. Ein Wort, des­sen Bedeu­tung im Hoch­deut­schen nur durch eine Umschrei­bung aus­ge­drückt wer­den kann.

Nicht nur Ober­fran­ken stand in die­sem Jahr unter den Aus­wir­kun­gen des Jahr­hun­dert­som­mers. Men­schen in ganz Deutsch­land schmor­ten wochen­lang bei Tem­pe­ra­tu­ren von über 30 Grad. Zum Der­schwit­zen sei dies gewe­sen. Die­se Mei­nung teil­te neben zahl­rei­chen Ober­fran­ken, die das Wort per Post­kar­te, Web­for­mu­lar oder E‑Mail als ihren Favo­ri­ten zum Ober­frän­ki­schen Wort des Jah­res ein­ge­reicht hat­ten, auch die vier­köp­fi­ge Jury. Bar­ba­ra Chri­stoph, Lei­te­rin der Kul­tur­Ser­vice­Stel­le des Bezirks Ober­fran­ken, Sabi­ne Knie­ling vom Medi­en­part­ner Extra-Radio aus Hof, Dr. Almut König vom Lehr­stuhl für Ger­ma­ni­sti­sche Sprach­wis­sen­schaft an der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen sowie der Lei­ter des Bau­ern­hof­mu­se­ums Klein­los­nitz, Bert­ram Popp, hat­ten kei­ne leich­te Auf­ga­be, aus den über 1500 Ein­sen­dun­gen ein Sie­ger-Wort zu küren.

„Wir ste­hen immer noch unter den Ein­drücken des Som­mers. Daher fiel die Ent­schei­dung auf die­ses Dia­lekt­wort sehr schnell und ein­ver­nehm­lich“, gibt Bar­ba­ra Chri­stoph einen Ein­blick in Bera­tun­gen der Jury. Laut Almut König vom Lehr­stuhl für Ger­ma­ni­sti­sche Sprach­wis­sen­schaft an der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen ist die offi­zi­el­le Bedeu­tung des Wor­tes „durch Schwit­zen zu Grun­de gehen“.

„Unse­re Stan­dart­spra­che kennt das Wort in der im Dia­lekt übli­chen Bedeu­tung nicht“, so die Sprach­wis­sen­schaft­le­rin. Das Deut­sche Wör­ter­buch von Jacob und Wil­helm Grimm liste den Begriff „erschwit­zen“ mit den Bedeu­tun­gen „schwit­zen, aus­schwit­zen oder durch Schwit­zen etwas erlan­gen“ auf. „Den Buch­sta­ben d als Vor­sil­be ken­nen wir in der Spra­che bereits seit dem 12. Jahr­hun­dert. In den baye­ri­schen und ost­frän­ki­schen Dia­lek­ten hat sich dies zum Teil bis heu­te über­lie­fert“, erklärt Almut König die Zusam­men­hän­ge des Dia­lekt­wor­tes.

In der enge­ren Aus­wahl stan­den in die­sem Jahr noch die Bäbbm (Lip­pen­her­pes), Hüts-on-Brüh (Kloß mit Soß), die Rowärn (Rad­be­re oder bekann­ter Schub­kar­re) und die Blunz’n (Bla­se, meist mit Fleisch gefüllt oder auch abfäl­lig für einen stark her­vor­ge­tre­te­nen Bauch).

„Das Ober­frän­ki­sche Wort des Jah­res ist bei den Men­schen in Ober­fran­ken zu einer festen Insti­tu­ti­on gewor­den. Das zei­gen die vie­len Ein­sen­dun­gen, die wir erhal­ten haben. Wie­der ein­mal konn­ten wir fest­stel­len, dass der ober­frän­ki­sche Dia­lekt so bunt ist, wie unser Regie­rungs­be­zirk selbst“, zog Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler vor der Ver­kün­dung des Wor­tes eine Zwi­schen­bi­lanz.

Die Ver­kün­dung selbst erfolg­te im Rah­men des 21. Ober­frän­ki­schen Mund­art-Thea­ter-Tages im Bau­ern­hof­mu­se­um in Klein­los­nitz. Vier Thea­ter­grup­pen und sechs Mund­art-Autoren stell­ten am Nach­mit­tag vor zahl­rei­chen Zuschau­ern in der Scheu­ne des Bau­ern­hof­mu­se­ums ihr umfang­rei­ches Reper­toire vor und rede­ten, wie ihnen der Schna­bel gewach­sen ist.

Zur Akti­on „Ober­fran­ken­wort des Jah­res“:

2015 kür­te der Bezirk Ober­fran­ken zusam­men mit dem Medi­en­part­ner Extra-Radio aus Hof erst­mals das „Ober­frän­ki­sche Wort des Jah­res“. Das Wort muss unse­ren Sprach­schatz berei­chern und das Gemein­te beson­ders tref­fend, ori­gi­nell oder prä­zi­se benen­nen. Das Gewin­ner­wort 2015 wur­de „Wisch­käst­la“ als ober­frän­ki­scher Begriff für „Smart­pho­ne“, 2016 wur­de die kur­ze ober­frän­ki­sche Rede­wen­dung „a weng weng“ gekürt. Ver­gan­ge­nes Jahr mach­te der fast ver­ges­se­ne Begriff „Urigeln“ das Ren­nen, der das krib­beln­de Gefühl beschreibt, wenn die kal­ten Hän­de oder Füße in der Wär­me lang­sam auf­tau­en. Ein­sen­dun­gen konn­ten über das Inter­net, per Mail oder Post­kar­te bei der Kul­tur­Ser­vice­Stel­le des Bezirks Ober­fran­ken oder bei Extra-Radio ein­ge­reicht wer­den.

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