Sonn­tags­ge­dan­ken: Der star­ke Trost

Lukas­evan­ge­li­um Kapi­tel 7 V. 11 – 16, Teil I

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Beim ersten Lesen unse­res Tex­tes dräng­te sich mir eine Fra­ge auf: Was hat der Jüng­ling, nach­dem ihn Jesus vom Tode auf­er­weckt hat­te, gesagt? Blick­te er ver­wun­dert um sich und frag­te, was denn los sei? Dank­te er Jesus? Oder erzähl­te er, was er im Tode gese­hen, gehört hat­te? Manch­mal liest man ja, dass Ster­ben­de ein hel­les Licht sehen, eine über­ir­disch rei­ne Stim­me hören oder gar einen Blick “hin­über” wer­fen kön­nen.

Das deut­sche Wort “Trost” lei­tet sich ab von “trau­en”, von “Treue”. Wem kön­nen wir in unse­rem Leben trau­en? Wer erweist sich als treu? Men­schen ver­las­sen uns frü­her oder spä­ter, sei es durch den Tod, sei es nach einem Streit, sei es, dass die Kin­der das Eltern­haus ver­las­sen, um ihre eige­nen Wege zu gehen. Der tech­ni­sche Fort­schritt hat eben­so sei­ne dunk­le Sei­te wie die Medi­zin ihre Gren­zen. So erfolg­reich Ent­span­nungs­übun­gen auch sein mögen, die zen­tra­len Fra­gen des mensch­li­chen Lebens, die Fra­ge nach dem Sinn, dem Umgang mit Schuld und Tod beant­wor­ten sie nicht. Frü­her sag­te man über einen Men­schen, der etwas Ver­rück­tes vor­hat­te, er sei nicht recht “bei Trost”. Der Mensch braucht also einen “star­ken Trost”, um gei­stig nor­mal zu blei­ben. Gera­de aber Lei­den­de las­sen sich nicht gern “ver­trö­sten”, also mit from­men Sprü­chen abspei­sen. Als Hiob sei­ne gan­ze Fami­lie ver­lo­ren hat­te, eil­ten sei­ne Freun­de her­bei, um ihn zu trö­sten. Ihre theo­lo­gi­schen Erklä­rungs­ver­su­che ver­är­ger­ten ihn jedoch. Man soll­te unglück­li­chen Men­schen Zeit und die Mög­lich­keit geben, ihre Gedan­ken zu ord­nen, ihre Hilf­lo­sig­keit, ihre Angst, ihren Zorn her­aus­schrei­en, her­aus­wei­nen zu kön­nen.

Aber da sind wir schon mit­ten in unse­rem Text: Da ver­liert eine Wit­we ihren fast erwach­se­nen Sohn. Was für eine Kata­stro­phe! Wer soll sich nun um sie küm­mern, für sie sor­gen? Eine allein ste­hen­de Frau war damals schutz- und recht­los. Die Bewoh­ner ihrer Ort­schaft neh­men rege Anteil an ihrem Los, beglei­ten sie auf ihrem schwe­ren Gang. So wür­de es sich auch für uns emp­feh­len, einen Besuchs­kreis für Ster­ben­de und Hin­ter­blie­be­ne auf­zu­bau­en.

Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

Infos zu Chri­sti­an Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/​Aisch
  • Stu­di­um der evang. Theo­lo­gie 1985 – 1990 in Neu­en­det­tels­au
  • Vika­ri­at in Schorn­weiss­ach-Vesten­bergs­greuth 1993 – 1996
  • Pro­mo­ti­on zum Dr. theol. 1995
  • Ordi­na­ti­on zum ev. Pfar­rer 1996
  • Dienst in Nürnberg/​St. Johan­nis 1996 – 1999
  • seit­her in Neustadt/​Aisch
  • blind

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