Sonntagsgedanken: Der barmherzige Samariter

Lukasevangelium Kapitel 10 V. 25 – 37, Teil III.

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Natürlich reizt es, sich zu überlegen, warum Priester und Levit sich so verhielten: Flohen sie aus Angst, liefen sie weg, um Hilfe zu holen? Priester und Levit durften sich nicht unrein machen, wenn sie im Tempel dienen wollten, und die Berührung eines Toten machte sie unrein. So standen sich zwei Gebote Gottes gegenüber und wer eine Ausrede sucht, wird immer eine finden. Viele Menschen sind wohl bereit zu helfen, aber unsicher. Mancher ist bereit zu helfen, wenn die Hilfe überschaubar ist, wenn man sich nicht selbst gefährdet. Man darf auch niemanden überfordern, unter Druck setzen.

Der Samariter tat, was zu tun war. So wurde er dem frommen jüdischen Schriftgelehrten zum Vorbild, er, der den Juden als Ketzer galt.

Freilich genügt es nicht, sich um Verletzte zu kümmern. Es gilt, vorbeugend tätig zu werden. Wir sollen uns um gefährdete Jugendliche kümmern, damit sie nicht drogensüchtig oder kriminell werden. Es gilt, durch eine kluge Entwicklungshilfepolitik die Ursachen der Flucht zu bekämpfen, also Armut, Krieg, Unterdrückung.

Manchmal kann es christlich vertretbar sein, sogar Gewalt auszuüben, um das Unrecht zu beenden. Ich denke an die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944. Sie schwankten lange, ob man das Staatsoberhaupt ermorden dürfe. Kann ein Mord christlich sein?

Die Liebe zu Gott, zu mir selbst und zum Mitmenschen gehören zusammen, bilden ein Dreieck: Wer nur sich selbst liebt, wird egoistisch und von den andern ausgestoßen. Wer nur Gott liebt, wird zum weltfremden Träumer. Wer nur den andern liebt, überfordert sich. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, was er für christlich hält, was er sich in der konkreten Situation zutraut.

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Pfarrer Dr. Christian Fuchs, www.neustadt-aisch-evangelisch.de

Infos zu Christian Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/Aisch
  • Studium der evang. Theologie 1985 – 1990 in Neuendettelsau
  • Vikariat in Schornweissach-Vestenbergsgreuth 1993 – 1996
  • Promotion zum Dr. theol. 1995
  • Ordination zum ev. Pfarrer 1996
  • Dienst in Nürnberg/St. Johannis 1996 – 1999
  • seither in Neustadt/Aisch
  • blind

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