Amphi­bi­en, Trocken­heit und Hitze

Wie über­le­ben Wech­sel­krö­te und Co. ohne Regen? – Laich­zeit regio­nal teils kom­plett ausgefallen

Unter dem extre­men Som­mer die­ses Jahr hat beson­ders eine der in Bay­ern wohl am stärk­sten bedroh­ten Tier­grup­pen gelit­ten: Amphi­bi­en. Bei­na­he drei­vier­tel der 20 im Frei­staat vor­kom­men­den Amphi­bi­en­ar­ten ste­hen auf der Roten Liste. „Neben Lebens­raum­ver­lust, ille­gal aus­ge­setz­ten Fress­fein­den und Pesti­zi­den, hat­ten die baye­ri­schen Amphi­bi­en die­ses Jahr auch mit der wochen­lan­gen Trocken­heit und Hit­ze zu kämp­fen“, so LBV-Arten­schutz­re­fe­rent Dr. Andre­as von Lind­ei­ner. Da Amphi­bi­en Gewäs­ser zur Fort­pflan­zung benö­ti­gen fiel die Laich­zeit im Frei­staat regio­nal sehr unter­schied­lich aus. Beson­ders die spät­lai­chen­den Amphi­bi­en, wie Wech­sel­krö­te, Kreuz­krö­te und Gel­bau­chun­ke, war­te­ten die­sen Som­mer oft ver­geb­lich auf Regen. Um Trocken­heit und Hit­ze zu über­ste­hen, ver­brach­ten sie den Groß­teil des Som­mers unter der Erde in frei­wil­li­ger Bewe­gungs­lo­sig­keit mit dem War­ten auf Regen.

Die­ses Jahr ist die Laich­zeit in Bay­ern regio­nal sehr unter­schied­lich ver­lau­fen. Wäh­rend es in Ober­bay­ern im Raum Mün­chen von Febru­ar bis April deut­lich zu wenig gereg­net hat­te, gab es im Mai und Juni über­durch­schnitt­lich viel Nie­der­schlag. „Die Wech­sel­krö­te hat dar­auf­hin ihre Laich­zeit nach hin­ten ver­scho­ben und im Mai und Juni sehr erfolg­reich gelaicht“, weiß von Lind­ei­ner. Vie­le Laich­ge­wäs­ser sind im Anschluss an die Laich­zeit dann aus­ge­trock­net. Zu die­sem Zeit­punkt hat­ten die jun­gen Hüp­fer­lin­ge das Was­ser aller­dings schon ver­las­sen. In Mit­tel­fran­ken herrsch­ten ähn­li­che Wet­ter­ver­hält­nis­se wie in Mün­chen. Aber auch hier konn­te die Kreuz­krö­te, die oft in Sand­gru­ben lebt, durch die Nie­der­schlä­ge im Mai erfolg­reich ablai­chen, bevor die mei­sten Gewäs­ser nun erneut aus­ge­trock­net sind. „Ganz anders sieht es dage­gen in Ober­fran­ken im Land­kreis Coburg aus. Hier hat es prak­tisch nicht gereg­net und alle Klein­ge­wäs­ser sind aus­ge­trock­net. Die Gelb­bau­chun­ke konn­te dort als Fol­ge nicht lai­chen und hat heu­er kei­nen Nach­wuchs“, so der LBV-Arten­schutz­re­fe­rent weiter.

Amphi­bi­en leben an Land und im Was­ser, kön­nen sich jedoch nur in Gewäs­sern fort­pflan­zen. Man­che Amphi­bi­en­ar­ten, wie zum Bei­spiel die Wech­sel- und die Kreuz­krö­te, bevor­zu­gen dabei zum Ablai­chen nur kurz­zei­tig ent­ste­hen­de Gewäs­ser. Das kön­nen Über­schwem­mungs­flä­chen, Fahr­spu­ren oder Tüm­pel in Sand- und Kies­gru­ben sein, die bei län­ge­rer Hit­ze wie­der aus­trock­nen. Trock­nen die­se Flä­chen aus, wen­den die Amphi­bi­en eine ihrer Über­le­bens­stra­te­gien an: sie suchen sich Ver­stecke unter Baum­stümp­fen, in Erd­spal­ten und Klein­säu­ger­bau­en. Eini­ge gra­ben sich selbst ein, wie bei­spiels­wei­se die Kreuz­krö­te. „In ihren Ver­stecken kön­nen die Amphi­bi­en weit­ge­hend bewe­gungs­los zum Teil über Wochen aus­har­ren und auf Regen­fäl­le war­ten“, erklärt von Lind­ei­ner. Anders als bei einer Käl­te­star­re ist in die­sem Fall die Bewe­gungs­lo­sig­keit frei­wil­lig und der Stoff­wech­sel nicht reduziert.

Hin­ter­grund

Im Gegen­satz zu Erd­krö­te und Grasfrosch, die bereits mit den ersten mil­den Tem­pe­ra­tu­ren auf Laich­wan­de­rung gehen, begin­nen Gel­bau­chun­ke, Wech­sel­krö­te und Kreuz­krö­te, wie auch eini­ge wei­te­re Amphi­bi­en­ar­ten, als soge­nann­te Spät­lai­cher erst ab Mit­te April mit dem Laich­ge­schäft. Bei anhal­ten­der Trocken­heit wie in die­sem Jahr ver­schiebt sich der Laich­zeit­punkt nach hin­ten. Fin­den die Amphi­bi­en dann bei geeig­ne­ter Wit­te­rung ein pas­sen­des Gewäs­ser, kann es kurz­fri­stig zu einer sehr gedräng­ten Laich­zeit kom­men. Bleibt die Wit­te­rung hin­ge­gen zu heiß und trocken, kann es regio­nal aber auch zu einem Aus­fall des Laich­ge­schäfts kommen.

Bei einem Laich­aus­fall ist die Popu­la­ti­on des­halb nicht sofort gefähr­det, da in gün­sti­ge­ren Jah­ren ein Aus­gleich statt­fin­det. Außer­dem wer­den alle drei genann­ten Arten recht alt: Kreuz- und Wech­sel­krö­ten kön­nen bis zu 10, die Gelb­bau­chun­ke sogar bis zu 15 Jah­re alt wer­den. Zur Stra­te­gie der Wech­sel- und Kreuz­krö­te als Pio­nier­be­sied­ler von Laich­ge­wäs­sern gehört es, meh­re­re tau­send Eier zu legen, die dann auch zu viel Nach­wuchs füh­ren kön­nen. Abge­se­hen von der Wit­te­rungs­ab­hän­gig­keit bie­ten die­se nur zeit­wei­se ent­ste­hen­den Gewäs­ser auch einen gro­ßen Vor­teil: es gibt weni­ger Fress­fein­de im Was­ser, wie zum Bei­spiel Was­ser­kä­fer oder Libel­len­lar­ven. Die­se erbeu­ten ger­ne die Kaul­quap­pen der Amphi­bi­en. Das regel­mä­ßi­ge Aus­trock­nen der Gewäs­ser drängt also die Popu­la­ti­on von räu­be­ri­schen Insek­ten zurück.

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