Uni­ver­si­tät Bay­reuth: “High Poten­ti­als” an Ober­fran­ken binden

Wis­sen­schafts­stif­tung Ober­fran­ken för­dert Stu­die der Uni Bay­reuth: War­um ver­las­sen High Poten­ti­als die Region?

‚Brain Drain‘ und ‚War for Talents‘ – die­se Schlag­wor­te bewe­gen Unter­neh­mer und Ent­schei­der in Ober­fran­ken beson­ders stark: Zwar gibt es eine her­vor­ra­gen­de Unter­neh­mens- und Wis­sen­schafts­land­schaft, doch beson­ders die viel­ver­spre­chen­den Absol­ven­ten der vier Hoch­schu­len ver­las­sen all­zu oft Ober­fran­ken für den ersten Job nach dem Stu­di­um und keh­ren nie wie­der zurück. War­um das so ist und was man dage­gen tun kann, das möch­te eine Pro­jekt­grup­pe am BWL-Lehr­stuhl für Mar­ke­ting und Kon­su­men­ten­ver­hal­ten der Uni­ver­si­tät Bay­reuth her­aus­fin­den. Geför­dert wird sie dabei von der Wis­sen­schafts­stif­tung Ober­fran­ken, die dafür eine Spen­de der nach dem NOR­MA-Grün­der benann­ten Man­fred-Roth-Stif­tung einsetzt.

Um den dyna­mi­schen Anfor­de­run­gen des Mark­tes gerecht zu wer­den und wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben, brau­chen Unter­neh­men exzel­lent aus­ge­bil­de­te Mit­ar­bei­ter, die beson­ders lern­be­reit und enga­giert sind sowie ein hohes Maß an Eigen­in­itia­ti­ve und Sozi­al­kom­pe­tenz auf­wei­sen. Das sind genau die Eigen­schaf­ten, die High Poten­ti­als der ober­frän­ki­schen Hoch­schu­len mit­brin­gen. Ent­spre­chend umkämpft sind die­se Absol­ven­ten: Kon­zer­ne drän­gen an die Hoch­schu­len und wer­ben die besten Stu­die­ren­den schon früh­zei­tig an. Für die Regi­on Ober­fran­ken, deren mit­tel­stän­disch gepräg­te Unter­neh­mens­land­schaft und Gesell­schaft wäre es aber ein Gewinn, die­se High Poten­ti­als hier zu hal­ten. „Die Stu­die­ren­den wer­den hier her­vor­ra­gend aus­ge­bil­det, sehen ihre Zukunft jedoch häu­fig nicht hier“, sagt Dr. Pablo Neder, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am BWL-Lehr­stuhl für Mar­ke­ting & Kon­su­men­ten­ver­hal­ten der Uni­ver­si­tät Bay­reuth. „Wir sehen einen syste­ma­ti­schen Brain Drain, also das Abwan­dern von Wis­sen und Fähig­kei­ten. Das beschert der Regi­on Ober­fran­ken, die in Tei­len von einem Bevöl­ke­rungs­rück­gang betrof­fen ist, einen zusätz­li­chen Wett­be­werbs­nach­teil gegen­über Regio­nen wie Mün­chen oder Berlin.“

Neder unter­sucht in den kom­men­den Mona­ten, war­um das so ist. Dabei wird Ober­fran­ken wie eine Mar­ke behan­delt, der Absol­vent wie ein Kun­de, der sich für oder gegen die Mar­ke ent­schei­det. Mit den Mit­teln der Kon­su­men­ten­for­schung (z.B. nach dem Kon­zept der ‚Custo­mer Jour­ney‘) wer­den bal­di­ge Absol­ven­ten der bei­den Hoch­schu­len für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten Hof und Coburg, sowie der Uni­ver­si­tä­ten Bam­berg und Bay­reuth befragt: Wie sieht der Ent­schei­dungs­pro­zess für die Wahl des Wohn­or­tes und des Arbeits­plat­zes nach dem Stu­di­um aus und wel­che Fak­to­ren beein­flus­sen die­sen Pro­zess? Wel­che Vor- und Nach­tei­le spre­chen aus Sicht der Stu­die­ren­den für ein Leben in Ober­fran­ken bzw. an den jewei­li­gen Hoch­schul­stand­or­ten? Wie kön­nen Hoch­schu­len, Unter­neh­men, Kom­mu­nen und Orga­ni­sa­tio­nen sowie Wirt­schafts­kam­mern dazu bei­tra­gen, Hoch­schul­ab­sol­ven­ten in der Regi­on zu hal­ten? Auf­bau­end auf die­sen Erkennt­nis­sen wer­den in Work­shops (Design Thin­king) kon­kre­te Maß­nah­men abgeleitet.

Ermög­licht wird die­ses Pro­jekt durch die För­de­rung der Wis­sen­schafts­stif­tung Ober­fran­ken (WSO). Sie setzt dafür eine Spen­de der Man­fred-Roth-Stif­tung ein. WSO-Vor­sit­zen­der Dr. Ekke­hard Beck erklärt: „Unser Ziel ist es, den Wis­sen­schafts- und dadurch auch den Wirt­schafts­stand­ort Ober­fran­ken zu stär­ken. Da liegt es nahe zu erkun­den, wie man soge­nann­te High Poten­ti­al-Absol­ven­ten an die Regi­on bin­den kann.“ Er macht klar, dass es auch im Inter­es­se der Hoch­schu­len liegt, sich des The­mas anzu­neh­men: „Die Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len in Ober­fran­ken ste­hen ange­sichts des demo­gra­fi­schen Wan­dels in Kon­kur­renz mit den Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len in den Bal­lungs­ge­bie­ten bei der Nach­fra­ge nach Stu­die­ren­den, bei der För­de­rung von Absol­ven­ten und bei der Gewin­nung von hoch­qua­li­fi­zier­ten Wis­sen­schaft­lern für Pro­fes­su­ren und Lehr­stüh­le. Nicht nur des­halb ist es von gro­ßem Inter­es­se für Uni­ver­si­tä­ten, Hoch­schu­len und Unter­neh­men zu wis­sen, wel­che Grün­de und Moti­ve die Absol­ven­ten ver­an­las­sen, die Regi­on zu verlassen.“

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