Woh­nungs­not bei Schwalben

End­ergeb­nis Stun­de der Gar­ten­vö­gel zeigt: Kaum Häu­ser mit Schwal­ben­ne­stern – Haus­sper­ling bleibt an der Spitze

Der Haus­sper­ling bleibt wei­ter­hin der am häu­fig­sten beob­ach­te­te Vogel in Bay­erns Gär­ten, auch wenn sein Bestand sta­gniert und bay­ern­weit vor allem in den Stadt­zen­tren abnimmt. Der Feld­sper­ling dage­gen hat es die­ses Jahr zum ersten Mal in die Top 3 geschafft. „Dies ist jedoch kein Erfolg, es zeigt ledig­lich, dass ein typi­scher Feld­vo­gel immer öfter in Sied­lungs­be­rei­che aus­weicht und dort nach einem geeig­ne­ten Lebens­raum sucht“ erklärt Mar­ti­na Geh­ret, Citi­zen-Sci­ence-Beauf­trag­te des LBV. Erfreu­li­che Nach­rich­ten gibt es jedoch von der Rauch­schwal­be zu berich­ten. „Mit mehr als 3.600 Beob­ach­tun­gen wur­den uns die­ses Jahr so vie­le Rauch­schwal­ben wie noch nie gemel­det“, freut sich Mar­ti­na Geh­ret. Ob sich die­ser Trend vor­setzt ist jedoch frag­lich und bleibt abzu­war­ten. Weni­ger gut sieht es dage­gen bei der Fra­ge nach Schwal­ben­ne­stern an Häu­sern aus. „Weni­ger als sie­ben Pro­zent der Teil­neh­mer mel­de­ten uns ein Mehl- oder Rauch­schwal­ben­nest an ihrem Gebäu­de“, so Geh­ret. Über 9.000 baye­ri­sche Natur­freun­de betei­lig­ten sich die­ses Jahr an der gemein­sa­men Bür­ger­for­scher-Akti­on von LBV und sei­nem bun­des­wei­ten Part­ner NABU.

Glück bei der Woh­nungs­su­che in Bay­ern brau­chen vor allem Gebäu­de­brü­ter wie Rauch- und Mehl­schwal­ben. An den rund 4.400 zur Stun­de der Gar­ten­vö­gel PLUS gemel­de­ten Häu­sern gibt es nur an knapp sie­ben Pro­zent der Gebäu­de Schwal­ben­ne­ster. Im Ver­gleich zu den Jah­ren 2015 und 2016 hat deren Anzahl immer­hin nicht wei­ter abge­nom­men. Trotz­dem scheint sich der Nega­tiv­trend unse­rer Gebäu­de­brü­ter wei­ter schlei­chend fort­zu­set­zen. „Die Grün­de dafür sind haupt­säch­lich der Flä­chen­ver­sie­ge­lung und dem Rück­gang der Flug­in­sek­ten zuzu­schrei­ben,“ erklärt Geh­ret. Alle Natur­freun­de die Schwal­ben ein Zuhau­se geben, kön­nen sich beim LBV für die Aus­zeich­nung „Schwal­ben­freund­li­ches Haus“ bewerben.

Erfreu­lich für den LBV: Deut­lich öfter als Schwal­ben­ne­ster wur­den Lehm­pfüt­zen gemel­det, nach denen in die­sem Jahr erst­ma­lig bei der Stun­de der Gar­ten­vö­gel PLUS gefragt wur­de. „Lehm­pfüt­zen sind als Grund­la­ge für das Nest­bau­ma­te­ri­al von Schwal­ben uner­setz­lich. Aus dem feuch­ten Mate­ri­al for­men die Flug­künst­ler klei­ne Kügel­chen, die sie als halb­ku­gel­för­mi­ge Nester an Haus­wän­de unter Dach­vor­sprün­ge kle­ben“, erklärt die Citi­zen Sci­ence Beauf­trag­te. „Ohne Bau­ma­te­ri­al kön­nen kei­ne Nester aus­ge­bes­sert oder neu ange­legt wer­den. Aus die­sem Grund freu­en wir uns sehr dar­über, dass es laut unse­rer Mit­mach­ak­ti­on in der Umge­bung von jedem vier­ten Haus noch Lehm­pfüt­zen geben soll.“

Aber nicht nur die Gebäu­de­brü­ter haben Schwie­rig­kei­ten beim Woh­nungs­bau. Vie­le wei­te­re Vogel­ar­ten in der direk­ten Umge­bung des Men­schen haben Pro­ble­me geeig­ne­te Nischen zu fin­den, in den sie ihre Jun­gen groß­zie­hen kön­nen und vor allem satt bekommen.

Das Rot­kehl­chen bei­spiels­wei­se ist die­ses Jahr der gro­ße Ver­lie­rer bei der Stun­de der Gar­ten­vö­gel PLUS. Es wur­den weit über 1.000 Tie­re weni­ger gezählt als noch im Vor­jahr. Der belieb­te klei­ne Früh­auf­ste­her mit der roten Keh­le ist um zwei Rän­ge auf Platz 15 abge­rutscht. „Das passt zum gene­rel­len Trend der beson­ders star­ken Abnah­me insek­ten­fres­sen­der Vogel­ar­ten und muss wei­ter beob­ach­tet wer­den“, so Geh­ret. „Wer die­sen Vögeln hel­fen will, soll­te sei­nen Gar­ten natur­nah mit hei­mi­schen Büschen und Bäu­men bepflan­zen und somit insek­ten­freund­lich gestal­ten.“ Wie es um die Insek­ten­nah­rung vie­ler Vögel, in Deutsch­land bestellt ist, wird die neu­en Citi­zen-Sci­ence-Akti­on Insek­ten­som­mer, des­sen erste Pha­se noch bis 10. Juni läuft, wei­ter ver­deut­li­chen „Wem das Schick­sal unse­rer Gar­ten­vö­gel am Her­zen liegt, der soll­te auch bei der Insek­ten­zäh­lung mit­ma­chen“, so die Citi­zen-Sci­ence Beauf­trag­te weiter.

Wie im Vor­jahr ist die Amsel auf Platz 2 gelan­det, gefolgt vom Feld­sper­ling der den Star auf Platz 4 ver­weist. Mit deut­li­chem Abstand muss­te sich die Kohl­mei­se hin­ge­gen mit Platz 5 der baye­ri­schen Vogel­charts begnü­gen. Dann fol­gen mit erneut gro­ßem Abstand Blau­mei­se (6.), Elster (7.) und Grün­fink (8.). Wie im letz­ten Jahr hält die Mehl­schwal­be Platz 9. Die Liste der zehn in Bay­ern am häu­fig­sten beob­ach­te­ten Gar­ten­vö­gel run­det der Buch­fink ab.

Alle End­ergeb­nis­se kön­nen land­kreis­ge­nau auf www​.stun​de​-der​-gar​ten​vo​e​gel​.lbv​.de ein­ge­se­hen wer­den. Inter­ak­ti­ve Kar­ten zei­gen, wie sich eine Vogel­art an einem aus­ge­such­ten Ort oder Land­kreis ent­wickelt hat.

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