Erzbischof Schick beim Aschermittwoch der Künstler

„Fasten der Augen, der Ohren und der Zunge“

Beim Aschermittwoch der Künstler ermutigt Erzbischof Ludwig Schick dazu, die Fastenzeit zu nutzen, um bewusster zu schauen, zu reden und zu hören. Die Fastenzeit wolle dem Leben mehr Leben geben. Überlegter, vertiefter, stressfreier und beziehungsreicher solle der Menschen leben. „Dazu ist heute vor allem das Fasten der Augen, der Ohren und der Zunge wichtig und heilsam.“

So regt der Bamberger Erzbischof an, den Medienkonsum zu bedenken. „Was schaue ich eigentlich an im Fernsehen, im Internet oder auf Youtube? Was höre ich mir an, auch im Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz, am Biertisch, an Verdächtigungen anderer, Shitstorms, übler Nachrede? Was rede ich, trage ich weiter?“ Diese Fragen ermöglichten eine Reflexion des eigenen Verhaltens. „Wir wissen, dass die Bilder, die wir anschauen, und die Worte, die wir hören oder lesen, unser Leben prägen. Und was wir darstellen und reden, beeinflusst unsere Mitmenschen und unsere Umwelt.“ Das Fasten der Augen, der Ohren und Zunge lasse stressfreier und beziehungsreicher leben. Gerade in der Politik könne man zurzeit beobachten, was unüberlegtes Reden bewirke. „Was einmal gesagt wurde, lässt sich nicht mehr zurücknehmen.“

Hilfreich sei dabei das Theater. „Die Komödien, Dramen und Schauspiele, angefangen von der Zeit der Griechen über Goethe und Schiller, Brecht und Dürrenmatt bis heute wollen zum Nachdenken über das Leben und Verhalten der Menschen inspirieren. Theater regt zum Nachdenken über das Umdenken und das Umkehren an.“

Beim diesjährigen Aschermittwoch der Künstler stellen Schauspieler des Staatstheaters Nürnberg Ausschnitte aus der aktuellen Inszenierung des Romans von Leo Tolstoi “Auferstehung” vor. Anschließend findet ein Podiumsgespräch mit Erzbischof Ludwig Schick und Schauspieldirektor Klaus Kusenberg statt.

Der Aschermittwoch der Künstler entstand nach dem Zweiten Weltkrieg auf Initiative des Schriftstellers Paul Claudel in Paris. Das Erzbistum Bamberg führt diese Tradition fort und lädt Künstler und Kunstinteressierte jährlich in Nürnberg zu einer Andacht mit anschließendem Impulsreferat und Diskussion sowie Begegnung beim Fastenessen ein.