LBV-Jah­res­bi­lanz 2017: Gewin­ner und Ver­lie­rer des Natur­schut­zes in Bay­ern

Erfol­ge bei Weiß­storch, Gro­ßer Huf­ei­sen­na­se und Böh­mi­schem Enzi­an – Sor­ge um Igel, Birk­huhn und Schweb­flie­gen

Beim Rück­blick auf das Jahr 2017 im baye­ri­schen Natur­schutz freut sich der LBV über Erfol­ge und sorgt sich gleich­zei­tig um eini­ge beson­ders gefähr­de­te Lebens­räu­me und Arten. Bei­spiel­haft für sei­ne Jah­res­bi­lanz hat der LBV sowohl drei Gewin­ner als auch drei Ver­lie­rer des Natur­schut­zes in Bay­ern gekürt. „Mit Freu­de sehen wir die Erfol­ge, die wir ver­gan­ge­nes Jahr in Bay­ern beim Weiß­storch, der Gro­ßen Huf­ei­sen­na­se und dem Böh­mi­schen Enzi­an fei­ern konn­ten. Mit Bestür­zung hin­ge­gen beob­ach­ten wir, wie der Igel, das Birk­huhn und die Insek­ten­grup­pe der Schweb­flie­gen immer stär­ker in Bedräng­nis gera­ten“, so Dr. Nor­bert Schäf­fer, LBV-Vor­sit­zen­der.

Der gro­ße Gewin­ner im baye­ri­schen Natur­schutz 2017 ist der Weiß­storch. Vor 30 Jah­ren, kurz nach dem Start des Arten­hilfs­pro­gramms, war Mei­ster Ade­bar in Bay­ern vom Aus­ster­ben bedroht. Der Bestand sank auf nur noch 58 Stor­chen­paa­re. Seit­dem ist sei­ne Popu­la­ti­on jedoch kon­ti­nu­ier­lich bis zuletzt auf knapp 500 baye­ri­sche Brut­paa­re gewach­sen. „So konn­te nach 33 Jah­ren eines der älte­sten und erfolg­reich­sten Arten­hilfs­pro­gram­me been­det wer­den“, freut sich Schäf­fer.

Sehr Erfreu­li­ches gibt es auch von der stark bedroh­ten Fle­der­maus­art Gro­ße Huf­ei­sen­na­se zu ver­mel­den. Seit 2012 führt der LBV ein von der EU und dem Baye­ri­schen Natur­schutz­fonds finan­zier­tes Life-Natur-Pro­jekt in Hohen­burg (Ober­pfalz) durch, um die Art vor dem Aus­ster­ben zu bewah­ren. Mit Erfolg: Seit Pro­jekt­be­ginn ist die Kolo­nie von 67 auf heu­er 184 Tie­re ange­wach­sen. Auch die Anzahl der aus­ge­flo­ge­nen Jung­tie­re hat sich auf ins­ge­samt 70 wei­ter erhöht. „Einer der Schlüs­sel­fak­to­ren zum Über­le­ben des letz­ten deut­schen Vor­kom­mens der Gro­ßen Huf­ei­sen­na­se ist der Insek­ten­reich­tum auf den pesti­zid­frei­en Flä­chen des Trup­pen­übungs­plat­zes Hohen­fels“, erklärt der Bio­lo­ge. Auch die gut funk­tio­nie­ren­de Koope­ra­ti­on mit vie­len unter­schied­li­chen Akteu­ren trägt zum Erfolg bei.

Einen posi­ti­ven Weg ein­ge­schla­gen hat auch der Böh­mi­sche Enzi­an. Die attrak­ti­ve Blü­ten­pflan­ze kommt welt­weit nur im Böh­mi­schen Mas­siv vor, sie ist dort ende­misch. Frü­her weit ver­brei­tet, exi­stie­ren aktu­ell nur noch weni­ge Stand­or­te, dar­un­ter zwei Popu­la­tio­nen in den Land­krei­sen Frey­ung-Gra­fen­au und Pas­sau. War­um die Bestän­de so stark zurück­ge­hen, ist noch nicht rest­los geklärt. Ins­ge­samt zähl­te das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Umwelt (LfU) bei einer Erhe­bung 2012 ledig­lich 80 blü­hen­de Exem­pla­re auf Wild­stand­or­ten in Bay­ern. „In einem LBV-Arten­schutz­pro­jekt wer­den nun mit viel Auf­wand Samen gewon­nen und in inten­si­ver Anwuchs-Pfle­ge auf­ge­zo­gen. So konn­ten 2016 erste Keim­erfol­ge gemel­det wer­den, 2017 ließ sich die­ser Erfolg fort­füh­ren“, so Nor­bert Schäf­fer.

Zu den Ver­lie­rern 2017 zählt der Igel, genau­er der in Bay­ern hei­mi­sche Braun­brust­igel. In der Neu­auf­la­ge der Roten Liste der Säu­ge­tie­re Bay­erns 2017 steht er auf der soge­nann­ten Vor­warn­li­ste. Er wird zwar immer noch als häu­fig ein­ge­stuft, sei­ne nega­ti­ve Bestands­ent­wick­lung setzt sich aber durch die struk­tu­rel­le Ver­ar­mung der Land­schaft und den Ein­satz von Che­mie in der Agrar­land­schaft auf beun­ru­hi­gen­de Wei­se fort. In der moder­nen Agrar­step­pe fehlt es dem Insek­ten­fres­ser Igel nicht nur an Nah­rung, son­dern auch an geeig­ne­ten Nischen wie Hecken- und Rand­ge­höl­zen, in denen er Tages­schlaf­plät­ze und Win­ter­quar­tie­re anle­gen kann. „Der Igel auf der baye­ri­schen Vor­warn­li­ste ist ein ein­deu­ti­ges Warn­si­gnal, dass eine wei­te­re ein­sti­ge Aller­welts­art mit immer schwie­ri­ge­ren Lebens­be­din­gun­gen zu kämp­fen hat“, sagt Schäf­fer.

Das sel­te­ne Birk­huhn kommt in Bay­ern vor allem im Alpen­raum vor. Die letz­ten Bestän­de in der Rhön kön­nen nur durch inten­si­ve Pfle­ge­maß­nah­men und das regel­mä­ßi­ge Aus­set­zen von Indi­vi­du­en erhal­ten wer­den. Wäh­rend im nörd­li­chen Lan­des­teil also gro­ße Sum­men für den Erhalt der Tie­re aus­ge­ge­ben wer­den, brach­te das Jahr 2017 einen gro­ßen Rück­schlag für die Popu­la­tio­nen im Alpen­raum: der Alpen­plan, der seit 45 Jah­ren den Erhalt von Frei­räu­men und Ruhe­zo­nen in den baye­ri­schen Ber­gen garan­tiert, wur­de erst­ma­lig geän­dert. Die Her­aus­nah­me des Ried­ber­ger Horns aus der streng­sten Schutz­zo­ne C hat nicht nur direk­te Fol­gen für die dort leben­de, größ­te Birk­huhn-Popu­la­ti­on im All­gäu. Das Ried­ber­ger Horn stellt einen Prä­ze­denz­fall dar, der wei­te­ren Erschlie­ßungs­pro­jek­ten im baye­ri­schen Alpen­raum Tür und Tor öff­nen könn­te. „Ver­lie­rer sind neben dem Land­schafts­bild, einer nach­hal­ti­gen tou­ri­sti­schen Ent­wick­lung und einer trans­pa­ren­ten baye­ri­schen Poli­tik vor allem die Birk­hüh­ner“, kri­ti­siert der LBV-Vor­sit­zen­de.

Zu den gro­ßen Ver­lie­rern gehör­ten 2017 auch die Insek­ten. Bei einem Rück­gang der Insek­ten­bio­mas­se in aus­ge­wähl­ten außer­baye­ri­schen Schutz­ge­bie­ten um 75 Pro­zent in 27 Jah­ren ist auch im Frei­staat von einer der­ar­ti­gen Ent­wick­lung aus­zu­ge­hen. „Doch gera­de die gewöhn­li­chen Arten, deren Lei­stung als Bestäu­ber für uns und unse­re Land­wirt­schaft so wich­tig sind, dürf­ten wohl die beson­ders leid­tra­gen­den sein“, so Nor­bert Schäf­fer. Bei Schweb­flie­gen lässt sich zum Bei­spiel in man­chen unter­such­ten Gebie­ten ein Ver­lust von 27 Pro­zent der Arten sowie 84 Pro­zent der Indi­vi­du­en fest­stel­len. Auch in Bay­ern gibt es noch zahl­rei­che Vor­kom­men von Schweb­flie­gen-Arten, Stu­di­en des LBV zei­gen jedoch, dass eini­ge sehr sel­ten gewor­den sind. Die Vor­kom­men sind ins­ge­samt nur schlecht erforscht. „Die alar­mie­ren­den Zah­len soll­ten den Impuls set­zen, ein flä­chen­decken­des Netz an Moni­to­ring­flä­chen ein­zu­rich­ten, um dort regel­mä­ßig geeig­ne­te Indi­ka­tor­ar­ten zu erfas­sen“, sagt der LBV-Vor­sit­zen­de.

Schreibe einen Kommentar