Sonn­tags­ge­dan­ken: Ein Leib – vie­le Glie­der

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Ein Land­wirt hat­te sie­ben Söh­ne, die so zer­strit­ten waren, dass die Exi­stenz des Hofes auf dem Spiel stand. Als der Vater sich die­sen Streit lan­ge ange­se­hen hat­te, ver­sam­mel­te er sei­ne Kin­der und sprach zu ihnen also: “Ich habe hier sie­ben Stä­be zusam­men­ge­bun­den. Ver­sucht, sie zu zer­bre­chen.” Jeder bemüh­te sich, aber kei­ner schaff­te es. Da nahm der Land­wirt das Bün­del in die Hand, löste das Band, nahm die Stä­be her­aus und zer­brach sie ein­zeln ohne Mühe. Die Moral von der Geschicht: Ein­heit macht stark.

An sich eine Bin­sen­weis­heit: Jede mensch­li­che Gemein­schaft kann nur bestehen, wenn alle Betei­lig­ten ver­nünf­tig, ehr­lich zusam­men­ar­bei­ten, sich an fai­re Spiel­re­geln hal­ten, stets das Ziel im Auge behal­ten, das man eben nur gemein­sam errei­chen kann. Die Wirk­lich­keit sieht frei­lich ganz anders aus: Der Psych­ia­ter Carl Gustav Jung behaup­tet, der Mensch lei­de unter einem nar­zi­sti­schen Kom­plex: Nar­zis­sos war, so eine grie­chi­sche Legen­de, der jun­ge Mann, der sich in sein eige­nes Spie­gel­bild ver­lieb­te. So ist das mit uns Men­schen: Wir dre­hen uns um das eige­ne klei­ne, so ver­götz­te, so wan­kel­mü­ti­ge Ich und zer­stö­ren dar­über die Gemein­schaft.

Das war damals in Korinth nicht anders als heu­te: Die christ­li­che Gemein­de hat­te sich in riva­li­sie­ren­de Grup­pen gespal­ten. Jeder dach­te, er allein habe Recht. Pau­lus demon­striert den Korin­thern an einem Bild, dass wir Chri­sten zusam­men­ge­hö­ren, auf­ein­an­der ange­wie­sen sind, ein­an­der ergän­zen. Die Glie­der des mensch­li­chen Kör­pers bil­den eine gro­ße Ein­heit und jedes hat dabei sei­ne ganz eige­ne Auf­ga­be. Lei­det ein Glied, dann alle und gera­de die emp­find­li­chen, ver­letz­li­chen brau­chen am mei­sten Schutz. Wir Chri­sten sind durch unse­re Tau­fe alle Glie­der am Leib Chri­sti. Sein Hei­li­ger Geist durch­strömt uns, will uns in Eben­bil­der Chri­sti, in Boten der Lie­be Got­tes ver­wan­deln. So wie der mensch­li­che Kör­per aber ungleich mehr ist als die blo­ße Sum­me sei­ner Tei­le, so ist auch die christ­li­che Kir­che nicht nur ein belie­bi­ger Ver­ein, son­dern schon ein Abglanz von Got­tes neu­er Welt, bild­lich gespro­chen, der Leib Chri­sti. Wir Chri­sten sind nun auf­ge­for­dert, die­se Gemein­schaft immer wie­der neu zu bewäh­ren, gera­de den Schwa­chen inner­halb und außer­halb der Kir­che zu hel­fen. Die Kir­che ist kei­ne Par­tei, aber sie soll Par­tei neh­men für die Schwa­chen, soll der Anwalt der Bedürf­ti­gen sein.

Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

Infos zu Chri­sti­an Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/​Aisch
  • Stu­di­um der evang. Theo­lo­gie 1985 – 1990 in Neu­en­det­tels­au
  • Vika­ri­at in Schorn­weiss­ach-Vesten­bergs­greuth 1993 – 1996
  • Pro­mo­ti­on zum Dr. theol. 1995
  • Ordi­na­ti­on zum ev. Pfar­rer 1996
  • Dienst in Nürnberg/​St. Johan­nis 1996 – 1999
  • seit­her in Neustadt/​Aisch
  • blind

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