Preis­ge­krönt: Bay­reu­ther Öko­lo­ge unter­sucht Lang­zeit­fol­gen des ‚Sau­ren Regens’

Dr. A. Schweiger bei Laboruntersuchungen von Wasserproben. Foto: Peter Kolb/UBT

Dr. A. Schwei­ger bei Labor­un­ter­su­chun­gen von Was­ser­pro­ben.
Foto: Peter Kolb/​UBT

Der Bay­reu­ther Pflan­zen­öko­lo­ge Dr. Andre­as Schwei­ger (33) hat den Dis­ser­ta­ti­ons-För­der­preis 2017 der Gesell­schaft für Öko­lo­gie (GfÖ) erhal­ten. Eines der bis­lang größ­ten Tref­fen von Öko­lo­gen in Euro­pa – eine gemein­sa­me Tagung der GfÖ, der Bri­tish Eco­lo­gi­cal Socie­ty, der Nie­der­län­di­schen Öko­lo­gi­schen Ver­ei­ni­gung und der Euro­pean Eco­lo­gi­cal Fede­ra­ti­on – bil­de­te im Dezem­ber 2017 den Rah­men für die fei­er­li­che Preis­ver­lei­hung im bel­gi­schen Gent. In sei­ner preis­ge­krön­ten Dok­tor­ar­beit hat der Bay­reu­ther Nach­wuchs­wis­sen­schaft­ler unter­sucht, wie sich eine dau­er­haf­te Ver­saue­rung von Böden lang­fri­stig auf die Pflan­zen­welt aus­wirkt. Im Mit­tel­punkt stan­den dabei die Quell­ge­bie­te im Fich­tel­ge­bir­ge und im Fran­ken­wald.

Die Böden in die­sen Regio­nen wur­den bis in die 1990er Jah­re hin­ein mit gro­ßen Men­gen an Stick­stoff- und Schwe­fel­oxi­den ange­rei­chert, die haupt­säch­lich aus Indu­strie­an­la­gen jen­seits des ‚Eiser­nen Vor­hangs’ stamm­ten. Win­de trans­por­tier­ten die Schad­stof­fe nach Nord­ost­bay­ern, wo sie durch ‚Sau­ren Regen’ in die Böden gelang­ten und die Wäl­der im Fich­tel­ge­bir­ge und im Fran­ken­wald stark schä­dig­ten. Lang­fri­stig wur­de des­halb sogar ein end­gül­ti­ges ‚Wald­ster­ben’ befürch­tet. Erst seit­dem die Schad­stoff­emis­sio­nen in Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa ab den 1990er Jah­ren zurück­ge­gan­gen sind, haben sich die Wäl­der lang­sam wie­der erholt.

Den­noch ist der Säuregehalt der Wald­bö­den auch heu­te noch viel zu hoch, wie Dr. Andre­as Schwei­ger durch Ana­ly­sen von Was­ser­pro­ben gezeigt hat, die er aus Sicker- und Sumpf­quel­len im Fran­ken­wald und im Fich­tel­ge­bir­ge ent­nom­men hat. In die­sen Quell­ge­bie­ten wird das Was­ser groß­flä­chig aus dem ober­flä­chen­na­hen Unter­grund an die Erdoberfläche gedrückt. Die nach­hal­ti­ge Ver­saue­rung hat in Kom­bi­na­ti­on mit einer gestie­ge­nen Anzahl lan­ger Trocken­pha­sen dazu geführt, dass sich das Auf­tre­ten und die Häu­fig­keit der hier leben­den Pflan­zen­ar­ten signi­fi­kant geän­dert hat. “Die Fol­gen die­ses Wan­dels sind nicht zu unter­schät­zen. Wir wis­sen heu­te, dass die Funk­tio­nen von Öko­sy­ste­men – ein­schließ­lich der Ser­vice­lei­stun­gen, die wir von ihnen erwar­ten – in erheb­li­chem Umfang von der Arten­zu­sam­men­set­zung abhän­gen. Dies gilt auch für die oft insel­ar­ti­gen Öko­sy­ste­me, die in den Quell­ge­bie­ten des Fich­tel­ge­bir­ges und des Fran­ken­walds anzu­tref­fen sind“, erklärt der Bay­reu­ther Öko­lo­ge und fügt hin­zu: „Die bis heu­te fort­wir­ken­den Schäden, die der ‚Sau­re Regen‘ hier vor drei­ßig Jah­ren ange­rich­tet hat, zei­gen bei­spiel­haft, dass das Gedächtnis kom­ple­xer Ökosysteme über Jahr­zehn­te aktiv blei­ben kann. Wenn neue Umwelt- und Kli­ma­fak­to­ren wie län­ge­re Trocken­zei­ten und ande­re Extrem­ereig­nis­se hin­zu­kom­men, kön­nen sich die Lang­zeit­fol­gen die­ser Schä­den uner­war­tet ver­schär­fen.“

Zur Per­son:

Dr. Andre­as H. Schwei­ger wur­de 1984 in Gar­misch-Par­ten­kir­chen gebo­ren. Von 2005 bis 2010 absol­vier­te er den Diplom-Inge­nieur­stu­di­en­gang ‚Umwelt­si­che­rung‘ an der Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan-Trie­s­dorf. Anschlie­ßend wech­sel­te er an die Universität Bay­reuth, wo er 2013 den Master­stu­di­en­gang ‚Biodiversität und Ökologie‘ mit einer For­schungs­ar­beit zum Was­ser- und Koh­len­stoff­haus­halt von alpi­nen Pflan­zen am Kili­man­dscha­ro erfolg­reich abschloss. Sei­ne Dis­ser­ta­ti­on mit dem Titel „Springs as models to unveil eco­lo­gi­cal dri­vers and respon­ses: Per­spec­ti­ves for eco­sy­stem theo­ry from neglec­ted eco­sy­stems“ wur­de von Prof Dr. Carl Bei­er­kuhn­lein betreut, der an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth den Lehr­stuhl für Bio­geo­gra­fie inne­hat. 2016 wur­de Dr. Andre­as Schwei­ger, der heu­te das For­schungs­team von Prof. Dr. Ste­ven Hig­gins am Lehr­stuhl für Pflan­zen­öko­lo­gie ver­stärkt, mit dem Bernd-Ren­del-Preis der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft aus­ge­zeich­net.

Ver­öf­fent­li­chung:

Andre­as H. Schwei­ger, Springs as models to unveil eco­lo­gi­cal dri­vers and respon­ses: Per­spec­ti­ves for eco­sy­stem theo­ry from neglec­ted eco­sy­stems. Bay­reuth 2016 (Dis­ser­ta­ti­on), https://​epub​.uni​-bay​reuth​.de/​2​9​80/
Andre­as H. Schwei­ger, The com­plex adap­ti­ve cha­rac­ter of spring fens as model eco­sy­stems, in: Fron­tiers of Bio­geo­gra­phy 2017, DOI: 10.21425/F59232607.

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