Bezirk Ober­fran­ken hilft trau­ma­ti­sier­ten Sol­da­ten in der Ukrai­ne

Im Rahmen der Delegationsreise besuchte Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler (Siebter von links) auch ein Kriegsveteranenhospital in Uschhorod. Dort erzählten die Soldaten über ihre teils traumatischen Erlebnisse bei den Kriegseinsätzen in der Ostukraine.
Im Rahmen der Delegationsreise besuchte Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler (Siebter von links) auch ein Kriegsveteranenhospital in Uschhorod. Dort erzählten die Soldaten über ihre teils traumatischen Erlebnisse bei den Kriegseinsätzen in der Ostukraine.

Zum Abschluss des Jah­res besuch­te Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler zusam­men mit einer fünf­köp­fi­gen Dele­ga­ti­on die Part­ner­re­gi­on des Bezirks Ober­fran­ken, das ukrai­ni­sche Trans­kar­pa­ti­en. Grund war der Abschluss der Fort- und Wei­ter­bil­dung von Ärz­ten und psych­ia­tri­schem Fach­per­so­nal aus der ukrai­ni­schen Teil­re­gi­on in der Behand­lung von Post­trau­ma­ti­schen Bela­stungs­stö­run­gen (PTBS). Auf­grund des mili­tä­ri­schen Kon­flikts in der Ost­ukrai­ne lei­den auch in Trans­kar­pa­ti­en ver­mehrt Men­schen an die­sem psych­ia­tri­schen Krank­heits­bild. Die Zusam­men­ar­beit bei­der Regio­nen soll nun wei­ter aus­ge­baut wer­den.

„Der immense Anstieg von Per­so­nen, die als Fol­ge des mili­tä­ri­schen Kon­flikts im Osten der Ukrai­ne an post­trau­ma­ti­schen Bela­stungs­stö­run­gen erkrankt sind, erfor­der­te die Aus- und Wei­ter­bil­dung von Ärz­ten und des medi­zi­ni­schen Fach­per­so­nals aus der Regi­on Trans­kar­pa­ti­en in Dia­gno­stik, The­ra­pie und Reha­bi­li­ta­ti­on. Wir freu­en uns, dass wir unse­ren Part­nern in der Ukrai­ne mit unse­ren Fach­leu­ten der Gesund­heits­ein­rich­tun­gen des Bezirks Ober­fran­ken (GeBO) auf die­sem so wich­ti­gen Gebiet wei­ter­hel­fen und einen Bei­trag zur Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät von Men­schen mit PTBS in Trans­kar­pa­ti­en lei­sten konn­ten“, zeigt sich Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler beein­druckt von sei­nen Besu­chen im Vete­ra­nen­ho­spi­tal und in der Sucht­kli­nik der trans­kar­pa­ti­schen Bezirks­haupt­stadt Usch­ho­rod.

Im Rah­men des Kurz­be­suchs in der Ukrai­ne über­gab Denz­ler zusam­men mit einer fünf­köp­fi­gen Dele­ga­ti­on auch ein Modul­hand­buch, das nun als Leit­fa­den für die Behand­lung von PTBS in den ukrai­ni­schen Kli­ni­ken Ver­wen­dung fin­den wird. Das Hand­buch wur­de feder­füh­rend von Gesund­heits­wis­sen­schaft­ler Wal­ter Rät­zel-Kürz­dör­fer, Diplom­psy­cho­lo­ge Kai Uff­mann und dem ehe­ma­li­gen Ärzt­li­chen Direk­tor des Bezirks­kran­ken­hau­ses Bay­reuth, Prof. Man­fred Wol­fers­dorf, zusam­men mit den trans­kar­pa­ti­schen Ärz­ten erstellt und ins Ukrai­ni­sche über­setzt. „Unser Ziel war es, einen Erfah­rungs­aus­tausch zu gewähr­lei­sten und die Exper­ti­se der deut­schen Ärz­te und Psy­cho­lo­gen wei­ter­zu­ge­ben“, bilan­ziert Denz­ler. Im Som­mer fand dazu bereits eine Hospi­ta­ti­on von sie­ben Psych­ia­tern und Psy­cho­lo­gen aus Trans­kar­pa­ti­en am Bezirks­kran­ken­haus in Bay­reuth statt.

Wie wich­tig der medi­zi­ni­sche Aus­tausch für die Regi­on Trans­kar­pa­ti­en ist unter­stri­chen Gebiets­rat Mykhailo Rivis und der Rek­tor der Uni­ver­si­tät Usch­ho­rod Prof. Vla­di­mir Smo­lan­ka bei der Über­ga­be des Modul­hand­bu­ches. „Die Behand­lung von post­trau­ma­ti­schen Bela­stungs­stö­run­gen stellt uns vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Das Fort- und Wei­ter­bil­dungs­pro­gramm für unser medi­zi­ni­sches Fach­per­so­nal war für uns daher eine gro­ße Hil­fe. Gera­de die Ver­bin­dung zwi­schen der Ver­mitt­lung von Wis­sen und den prak­ti­schen Ein­blicken war enorm wich­tig“, unter­strich Smo­lan­ka. Wie der Rek­tor sprach sich auch Gebiets­rat Rivis für eine Fort­set­zung des medi­zi­ni­schen Aus­tau­sches und einer wei­te­ren Ver­tie­fung der Zusam­men­ar­beit aus.

Eine Hil­fe, die Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler bereit­wil­lig zusi­cher­te. „Ich bin mir sicher, dass die­ses Fort­bil­dungs­pro­gramm den gegen­sei­ti­gen Aus­tausch unse­rer Regio­nen wei­ter gefe­stigt hat. Wir ste­hen unse­rer Part­ner­re­gi­on wei­ter mit Rat und Tat zur Sei­te und hel­fen, wenn wir hel­fen kön­nen“, ver­sprach Denz­ler zum Abschluss der drei­tä­gi­gen Rei­se. Er dank­te allen am Pro­jekt Betei­lig­ten für das gute und enga­gier­te Zusam­men­wir­ken, beson­ders der Initia­ti­ve „Enga­ge­ment Glo­bal“ und dem Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung für die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung sowie dem Gebiets­rat Mykhailo Rivis für die ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit. Vor allen Din­gen wünsch­te Denz­ler der Ukrai­ne aber eine rasche Been­di­gung des mili­tä­ri­schen Kon­flikts.

Neben dem offi­zi­el­len Emp­fang im Gebäu­de des Gebiets­ra­tes von Trans­kar­pa­ti­en und der Über­ga­be des Modul­hand­bu­ches stan­den noch Besu­che in der Sucht­fach­kli­nik und dem Vete­ra­nen­ho­spi­tal von Usch­ho­rod auf dem Pro­gramm. Dabei schil­der­ten die Sol­da­ten ihre teils trau­ma­ti­schen Erleb­nis­se im Kampf­ein­satz in der Ost­ukrai­ne.

INFO Trans­kar­pa­ti­en:

Trans­kar­pa­ti­en ist eine von 24 Teil­re­gio­nen der Ukrai­ne. Das 12.777 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Gebiet (zum Ver­gleich Ober­fran­ken: 7.231 km²) liegt im äußer­sten Westen des Lan­des und grenzt direkt an die EU-Mit­glieds­staa­ten Polen, Slo­wa­kei, Ungarn und Rumä­ni­en an. Die Ein­woh­ner­zahl von 1,26 Mil­lio­nen Men­schen ent­spricht in etwa der Grö­ße Ober­fran­kens (rund 1,1 Mil­lio­nen Ein­woh­ner). Die Haupt­stadt ist Usch­ho­rod.

Auf­grund ihrer wech­sel­vol­len Geschich­te leben in der Regi­on Trans­kar­pa­ti­en zahl­rei­che Min­der­hei­ten, dar­un­ter auch vie­le Deut­sche. Auf Geheiß des Fürst­bi­schofs Fried­rich Karl von Schön­born brach im Jah­re 1731 der erste Zug von rund 50 ober­frän­ki­schen Bau­ern- und Hand­wer­ker­fa­mi­li­en aus dem Hoch­stift Bam­berg in das heu­ti­ge Trans­kar­pa­ti­en auf, um dort das von Krie­gen ver­wü­ste­te Land des Fürst­bi­schofs auf­zu­bau­en. Heu­te leben die Nach­kom­men die­ser soge­nann­ten „Schön­born-Fran­ken“ in Trans­kar­pa­ti­en und pfle­gen die deut­sche Spra­che und die Tra­di­tio­nen ihrer Vor­fah­ren. Die­se Wur­zeln bil­de­ten die Grund­la­ge für die Grün­dung der Part­ner­schaft zwi­schen dem Bezirk Ober­fran­ken und dem Gebiets­rat von Trans­kar­pa­ti­en im Jahr 2001.

Die Fort- und Wei­ter­bil­dung von ärzt­li­chem Per­so­nal fußt auf einen Besuch des trans­kar­pa­ti­schen Gebiets­ra­tes Mykhailo Rivis im Jahr 2016 in Ober­fran­ken. Am Ende der Rei­se zum 15-jäh­ri­gen Jubi­lä­um der Part­ner­schaft stand die Unter­zeich­nung einer umfas­sen­den Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung bei­der Gebiets­kör­per­schaf­ten, die auch den medi­zi­ni­schen Bereich mit ein­schließt.

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