Ober­frän­ki­sche Bezirks­ver­samm­lung des Baye­ri­schen Städ­te­tags in Bay­reuth: Kon­zep­te für das digi­ta­le Klassenzimmer

Symbolbild Bildung

Gribl: Der Frei­staat muss die digi­ta­le Infra­struk­tur an Schu­len mitfinanzieren

„Die Aus­stat­tung der Schu­len mit Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie ist eine Gemein­schafts­auf­ga­be von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen. Die Finan­zie­rung die­ser Zukunfts­auf­ga­be darf nicht allein auf die Kom­mu­nen fal­len. Der Frei­staat steht beson­ders in der Pflicht. Das Baye­ri­sche Schul­fi­nan­zie­rungs­ge­setz stammt noch aus dem ‚Krei­de­zeit­al­ter‘, als Krei­de und grü­ne Tafel die Grund­aus­stat­tung in Schu­len waren“, sagt der Vor­sit­zen­de des Baye­ri­schen Städ­te­tags, Augs­burgs Ober­bür­ger­mei­ster Dr. Kurt Gribl. Das Baye­ri­sche Schul­fi­nan­zie­rungs­ge­setz muss an die moder­nen Vor­aus­set­zun­gen des Inter­net- und Com­pu­ter­zeit­al­ters ange­passt wer­den. Die Aus­stat­tung der Schu­len mit Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie for­dert Bund, Land, und Kom­mu­nen. Der Frei­staat muss dau­er­haft die IT-Aus­stat­tung der Schu­len und ihren Betrieb mitfinanzieren.

Gribl: „Bay­ern ist ein High-Tech-Stand­ort, umso mehr hat der Frei­staat eine Mit­ver­ant­wor­tung bei der Finan­zie­rung einer lei­stungs­fä­hi­gen digi­ta­len Infra­struk­tur an Schu­len. Es geht nicht nur um die Anschaf­fung von Lap­tops, Tablets, inter­ak­ti­ven White­boards und Smart­boards. Es hilft wenig, wenn Schü­ler und Leh­rer moder­ne Gerä­te, Glas­fa­ser­net­ze und WLAN-Ver­bin­dun­gen in Schu­len zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men – die Tech­no­lo­gie muss auch sinn­voll im Unter­richt genutzt wer­den. Das digi­ta­le Klas­sen­zim­mer darf nicht ein ähn­li­ches Schick­sal erlei­den, wie einst das Sprach­la­bor: Anfangs galt das Sprach­la­bor als hoch­ge­lob­te Zukunfts­werk­statt, ver­küm­mer­te in der Pra­xis aber bis­wei­len zur ver­staub­ten Rum­pel­kam­mer. Es ist nicht damit getan, in Schu­len eine moder­ne Aus­stat­tung auf­zu­stel­len. Die Lehr­kräf­te müs­sen kom­pe­tent sein im Umgang mit digi­ta­len Lehr­mit­teln in jedem Fach; mit der Digi­ta­li­sie­rung des Unter­richts wan­delt sich die Päd­ago­gik. Die Digi­ta­li­sie­rung des Unter­richts­we­sens ist mehr als die Wei­ter­ent­wick­lung der grü­nen Tafel. Not­wen­dig ist ein Gesamt­kon­zept zu IT-Aus­stat­tung und IT-Anwen­dung an Schu­len. Es braucht kla­re Ziel­vor­ga­ben, einen Zeit­plan und Stan­dards, damit unse­re Kin­der an allen Schu­len glei­che Chan­cen haben.“

Der Baye­ri­sche Städ­te­tag erwar­tet, dass sich Frei­staat und Bund ange­mes­sen an den Kosten des Inve­sti­ti­ons­auf­wands betei­li­gen. Dar­über hin­aus geht es um die lau­fen­den Kosten für den Betrieb der IT-Aus­stat­tung, die Kosten für die Wie­der­be­schaf­fung von Gerä­ten und die Aktua­li­sie­rung der Soft­ware. För­der­mit­tel des Bun­des dür­fen nicht mit För­der­mit­teln des Frei­staats ver­rech­net wer­den oder vom Frei­staat ein­be­hal­ten wer­den. Der Baye­ri­sche Mini­ster­rat hat im Rah­men eines Master­plans Bay­ern Digi­tal II ein Inve­sti­ti­ons­pro­gramm beschlos­sen, das auch auf die digi­ta­le Bil­dung zielt. Dar­in sind etwa Glas­fa­ser­an­schlüs­se und 20.000 WLAN-Hot­spots für alle baye­ri­schen Schu­len vor­ge­se­hen. Ange­strebt wird die Ein­füh­rung des digi­ta­len Klas­sen­zim­mers an allen Schu­len. Der Frei­staat hat bis­lang jedoch ver­säumt, das digi­ta­le Klas­sen­zim­mer zu defi­nie­ren. Infor­ma­tik und Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie sol­len Pflicht­fach an allen Mit­tel­schu­len, Real­schu­len und Gym­na­si­en wer­den. Für Lehr­kräf­te ist eine Qua­li­fi­zie­rungs­of­fen­si­ve vor­ge­se­hen. Die kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de for­dern, dass der Frei­staat Bay­ern dafür Stan­dards vor­gibt und für eine ein­heit­li­che Ent­wick­lung der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie an allen Schu­len sorgt. Dabei muss das Kon­ne­xi­täts­prin­zip (,wer anschafft, muss auch bezah­len‘) beach­tet werden.

Gribl: „Bevor wir über Medi­en­ent­wick­lungs­plä­ne und För­der­pro­gram­me spre­chen, muss für die Pra­xis an Schu­len Klar­heit über die Stan­dards und Schnitt­stel­len herr­schen. Nötig ist eine schlüs­si­ge Gesamt­kon­zep­ti­on. Die IT-Aus­stat­tung von Schu­len ist kei­ne ein­ma­li­ge Inve­sti­ti­on, son­dern eine Dau­er­auf­ga­be. Die finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten der kom­mu­na­len Sach­auf­wands­trä­ger dür­fen nicht über­for­dert wer­den. So ist die ITSy­stem­be­treu­ung eine auf­wän­di­ge Ange­le­gen­heit, die auf Dau­er geschul­tes Per­so­nal benö­tigt. Das kostet Geld – nicht zuletzt bei den Fol­ge­ko­sten für War­tung und Wie­der­be­schaf­fung. Nötig ist beson­ders mit Blick auf den Lebens­zy­klus von Gerä­ten und Soft­ware eine Abschät­zung der Kosten­fol­gen. Die Kom­mu­nen brau­chen Klar­heit, was der Frei­staat will und wel­chen finan­zi­el­len Auf­wand die Initia­ti­ve Bay­ern Digi­tal II auslöst.“

Die Her­aus­for­de­run­gen sind kom­plex, nicht zuletzt die Aus­schrei­bung für IT-Gerä­te, die Anfor­de­run­gen an digi­ta­le Schul­bü­cher, die regel­mä­ßi­ge Pfle­ge der Soft­ware, die Ertei­lung von Lan­des­li­zen­zen oder die Gestal­tung von lan­des­wei­ten digi­ta­len Lern­platt­for­men. Gribl: „Die­se viel­fäl­ti­gen Aspek­te müs­sen in eine schlüs­si­ge Gesamt­stra­te­gie mit kla­ren Stan­dards ein­ge­bun­den sein. Die­ser Rah­men ist noch nicht gefügt. Wir brau­chen eine Vor­stel­lung davon, wie das digi­ta­le Klas­sen­zim­mer der Zukunft aus­se­hen soll.“

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