Sonn­tags­ge­dan­ken: Der Zug durch die Wüste: Teil 2

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Isra­el erleb­te Got­tes Ein­grei­fen ganz natür­lich ohne Blitz und Don­ner, ohne Engel, die vom Him­mel stie­gen: Vögel, vom lan­gen Flug erschöpft, lie­ßen sich mit der Hand fan­gen. Das Sekret des Tama­ris­ken­strau­ches lag vor ihren Füßen. Frei­lich, sich bücken, zupacken muss­ten sie selbst. Wie die Juden die Gna­den­ga­ben Got­tes täg­lich neu ein­sam­mel­ten, sie zum Essen zube­rei­te­ten, müs­sen auch wir die Geschen­ke Got­tes erken­nen, fest­hal­ten und pfle­gen, unse­re kör­per­li­che und see­li­sche Gesund­heit, unse­re Fami­lie, unse­re Gemeinde.

Wir alle zie­hen so wie Isra­el durch die Wüste, näm­lich durch die Wüste unse­res per­sön­li­chen Lebens, durch die Wüste der Geschich­te unse­rer Völ­ker. Kein Wun­der, dass man­cher den Mut, die Hoff­nung ver­liert, das Ziel aus den Augen ver­liert und lie­ber in der näch­sten Oase blei­ben will. Auch bei uns locken vie­le sol­cher Rast­plät­ze: Man­cher sitzt stun­den­lang vor dem Com­pu­ter, vor dem Fern­se­her, ande­re wid­men sich ganz dem Geld­ver­die­nen oder ihrem Ver­ein. Doch wo sich zu lan­ge, zu vie­le Men­schen auf­hal­ten, da ver­san­den die Brun­nen der Oase und sie kann ihren Zweck nicht mehr erfül­len. So haben Arbeit und Frei­zeit­ver­gnü­gen ihre Berech­ti­gung. Nur dür­fen sie nie zum Lebens­zweck wer­den. Ich wün­sche mir, dass unse­re Got­tes­dien­ste und Grup­pen­stun­den so eine Rast­stät­te, eine Ver­samm­lungs­stät­te der Chri­sten sind, wo wir zur Ruhe kom­men, nach­den­ken, Kraft schöp­fen, um dann unse­re Wan­de­rung fort­set­zen zu kön­nen. Dass die Israe­li­ten sich zurück­sehn­ten nach den Fleisch­töp­fen Ägyp­tens, die sie als Skla­ven nie besa­ßen, kann ich nach­voll­zie­hen. Auch bei uns ver­klä­ren vie­le die angeb­lich so guten alten Zei­ten, als die Kir­chen noch voll waren, als – angeb­lich! – noch Sit­te und Anstand gal­ten. Auch hier rate ich zu einer gesun­den Skep­sis. Heu­te kom­men weni­ger zu uns, dafür aber aus Über­zeu­gung, nicht aus trä­ger Gewohn­heit oder unter Zwang, und Lum­pe­rei gab es auch frü­her genug. Klaus Stör­te­be­ker und Robin Hood waren eben kei­ne edel­mü­ti­gen Volks­hel­den, son­dern gewöhn­li­che Kriminelle.

Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

Infos zu Chri­sti­an Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/​Aisch
  • Stu­di­um der evang. Theo­lo­gie 1985 – 1990 in Neuendettelsau
  • Vika­ri­at in Schorn­weiss­ach-Vesten­bergs­greuth 1993 – 1996
  • Pro­mo­ti­on zum Dr. theol. 1995
  • Ordi­na­ti­on zum ev. Pfar­rer 1996
  • Dienst in Nürnberg/​St. Johan­nis 1996 – 1999
  • seit­her in Neustadt/​Aisch
  • blind

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